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Phenprocoumon

Arzneimittelgruppen Antithrombotika Vitamin-K-Antagonisten

Phenprocoumon ist ein gerinnungshemmender Wirkstoff aus der Gruppe der Vitamin-K-Antagonisten, der die Gerinnungsneigung des Blutes herabsetzt und so die Bildung von Blutgerinnseln hemmt („Blutverdünnung“). Im Gegensatz zu den Heparinen kann Phenprocoumon als Tablette eingenommen werden und muss nicht unter die Haut gespritzt werden. Die Dosierung wird individuell basierend auf Blutuntersuchungen festgelegt, bei denen die Gerinnungsneigung des Blutes gemessen wird (Thromboplastinzeit, Quick, INR). Sehr häufige unerwünschte Wirkungen von Phenprocoumon sind Blutungen wie zum Beispiel Nasenbluten, Blut im Urin, Zahnfleischbluten und ein Bluterguss nach Verletzungen. Selten können Allergien oder Haarausfall vorkommen.

synonym: Phenprocoumonum

Produkte

Phenprocoumon ist in Form von Tabletten im Handel (Marcoumar®). Es ist in der Schweiz seit 1953 zugelassen. In Deutschland ist es als Marcumar® bekannt.

Struktur und Eigenschaften

Phenprocoumon (C18H16O3, Mr = 280.32 g/mol) ist ein lipophiles Racemat und gehört zu der Gruppe der 4-Hydroxycumarine. Es ist ein feines, weisses, kristallines Pulver, das in Wasser praktisch unlöslich ist.

Wirkungen

Phenprocoumon (ATC B01AA04 ) wirkt gerinnungshemmend. Es hemmt das Enzym Vitamin K Epoxidreduktase, das in der Leber an der Bildung von verschiedenen Blutgerinnungsfaktoren beteiligt ist. Die Wirkung setzt erst nach ca. 36-72 Stunden ein und hält nach dem Absetzen bis zu 5 Tagen an. Falls eine rasche Hemmung der Blutgerinnung erforderlich ist, muss eine Therapie mit Heparinen eingeleitet werden. Phenprocoumon kann mit sehr kleinen Dosen eine gleichmässige, langanhaltende und nicht abrupt aufhörende Wirkung erzielen.

Indikationen

Phenprocoumon wird für die Behandlung oder Prophylaxe von Thrombosen, Embolien und Herzinfarkten eingesetzt.

Dosierung

Gemäss der Arzneimittel-Fachinformation. Die Empfindlichkeit auf das Arzneimittel ist individuell verschieden und kann sich im Verlauf der Behandlung ändern. Aus diesem Grund muss die Blutgerinnung fortlaufend kontrolliert und falls nötig die Dosis angepasst werden. Die Behandlung wird mit einer höheren Anfangsdosis eingeleitet. Die Dosierung muss mittels der Bestimmung der Thromboplastinzeit (Quick, INR) überwacht werden. Bei Patienten mit einer eingeschränkten Leberfunktion muss die Dosierung mit äusserster Vorsicht erfolgen.

Kontraindikationen

Phenprocoumon ist bei Überempfindlichkeit, gesteigerter Blutungsneigung, schwerer Leberparenchymschädigung, manifester geschädigter Nierenfunktion, Thrombozytenmangel, Magen-Darm-Geschwüren, manifesten Blutungen im Verdauungstrakt, Urogenitaltrakt oder respiratorischen System, akuter bakterieller Herzinnenhautentzündung, neurochirurgischen Eingriffen, Entzündungen des Herzbeutels, perikardialen Ergüssen, zerebrovaskulären Blutungen bei Augenoperationen und traumatisierenden Eingriffen mit ausgedehnter Freilegung von Geweben, bei erhöhter Gefässfragilität, fortgeschrittener Arteriosklerose und in der Schwangerschaft kontraindiziert. Bei eingeschränkter Leberfunktion muss besondere Vorsicht geboten werden, da die Möglichkeit einer Beeinträchtigung der Bildung von Gerinnungsfaktoren oder eventuell eine Thrombozytenfunktionsstörung besteht. Die vollständigen Vorsichtsmassnahmen finden sich in der Arzneimittel-Fachinformation.

Interaktionen

Phenprocoumon wird hauptsächlich über die Isoenzyme CYP2C9 und CYP3A4 metabolisiert. Entsprechende Interaktionen und eine Verstärkung oder Abschwächung der gerinnungshemmenden Wirkung ist möglich. Phenprocoumon kann die Wirkung von Sulfonylharnstoffen verstärken und so eine Hypoglykämie auslösen. Phenprocoumon sollte aufgrund des Vitamin-K1-Gehaltes nicht zusammen mit frischem Gemüse (Spinat, verschiedene Kohlsorten) eingenommen werden, weil dadurch die blutgerinnungshemmende Wirkung reduziert wird. Eine akute Alkoholaufnahme verstärkt die Wirkung von Phenprocoumon während bei chronischer Aufnahme die Wirkung abgeschwächt wird. Bei chronischem Alkoholkonsum und einer reduzierten Leberfunktion kann es auch zu einer Verstärkung der Wirkung kommen.

Zahlreiche weitere Wirkstoffe und Substanzen können die Wirkung verstärken oder abschwächen (siehe Fachinformation).

Unerwünschte Wirkungen

Zu den möglichen unerwünschten Wirkungen gehören Überempfindlichkeitsreaktionen. Sehr häufige Nebenwirkungen sind Blutungen, zum Beispiel Nasenbluten, Blut im Urin, Zahnfleischbluten und ein Bluterguss nach Verletzungen. Häufig werden auch Leberentzündungen mit oder ohne Gelbsucht als unerwünschte Wirkungen beobachtet. Gelegentlich werden Blutungen an verschiedenen Organen, allergische Hautreaktionen, verminderte Leberfunktion, Übelkeit, Appetitlosigkeit, Durchfall, Nesselfieber, Juckreiz und Ekzeme beobachtet.

Literatur

Autorin und Review

Interessenkonflikte: Keine / unabhängig. Die Autorin (SR) hat keine Beziehungen zu den Herstellern und ist nicht am Verkauf der erwähnten Produkte beteiligt. Review: AV

Mit bestem Dank an Prof. Dr.med. D. Tsakiris, Leiter Hämostase, Diagnostische Hämatologie, Universitätsspital Basel, für das kritische Durchlesen.

Weitere Informationen


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Alle Inhalte sind werbefrei. Dieser Artikel wurde zuletzt geändert am 29.3.2013
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