Nicomorphin
Arzneimittelgruppen
OpioideNicomorphin ist ein schmerzlindernder Wirkstoff aus der Gruppe der Opioide, der zur Behandlung von mittelstarken bis starken Schmerzen eingesetzt wird. Es handelt sich um ein lipophiles Nicotinsäurederivat von Morphin, dessen Wirkung etwa gleich stark ist, aber schneller eintritt. Nicomorphin wird peroral, parenteral und rektal verabreicht. Zu den häufigsten möglichen unerwünschten Wirkungen gehören Benommenheit, Stimmungsveränderungen, Verwirrung, Halluzinationen, Schwitzen, Schwindel, Kopfschmerzen, Atemdepression, kleine Pupillen, Übelkeit, Erbrechen, Verstopfung, Mundtrockenheit, Herzklopfen und eine Hautrötung im Gesicht. synonym: Nicomorphinum, Nicomorphini hydrochloridum, Nicomorphinhydrochlorid
Produkte
Nicomorphin ist in Form von Tabletten, Suppositorien und als Injektionslösung im Handel (Vilan®). Es ist in der Schweiz seit 1957 zugelassen und ist auch in Österreich auf dem Markt.
Struktur und Eigenschaften
Nicomorphin (C29H25N3O5, Mr = 495.5 g/mol) ist wie Heroin ein Ester- sowie ein Nicotinsäure-Derivat von Morphin (3,6-Dinicotinoylester). Es liegt in Arzneimitteln als Nicomorphinhydrochlorid vor. In der Leber wird es unter anderem zu Morphin-6-Mononicotinat, Morphin und seinen Metaboliten biotransformiert. Diese Substanzen sind vorwiegend aktiv. Nicomorphin kann deshalb als Prodrug bezeichnet werden.

Wirkungen
Nicomorphin (ATC N02AA04
) ist schmerzlindernd. Die Effekte beruhen auf der Bindung an μ-Opioidrezeptoren. Nicomorphin hat eine vergleichbare Stärke wie Morphin, die Wirkung setzt aber aufgrund der höheren Lipophilie schneller ein.
Indikationen
Zur Behandlung mittelstarker bis starker, akuter und anhaltender Schmerzen. Zur Prämedikation und Unterstützung von Narkosen. Zur Behandlung krampfartiger Schmerzen des Verdauungstrakts und des Urogenitalsystems (z.B. Gallensteine, Nierensteine).
Missbrauch
Wie andere Opioide kann auch Nicomorphin als euphorisierendes Rauschmittel missbraucht werden.
Dosierung
Gemäss der Fachinformation. Die Arzneimittel werden in der Regel ein- bis zweimal täglich verabreicht. Die Tabletten können unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen werden.
Kontraindikationen
Nicomorphin ist bei Überempfindlichkeit, akuten Lebererkrankungen, Atemdepression, obstruktiven Erkrankungen der Atemwege, Darmverschluss, akutem Abdomen, verzögerter Magenentleerung, Schädel-Hirntrauma und erhöhtem intrakraniellen Druck kontraindiziert. Es darf nicht mit MAO-Hemmern kombiniert werden. Die vollständigen Vorsichtsmassnahmen finden sich in der Arzneimittel-Fachinformation.
Interaktionen
Arzneimittel-Wechselwirkungen wurden mit zentral dämpfenden Arzneimitteln, Alkohol, MAO-Hemmern, Muskelrelaxantien, Rifampicin, Clomipramin, Amitriptylin, Opioid-Antagonisten und Cimetidin beschrieben.
Unerwünschte Wirkungen
Zu den häufigsten möglichen unerwünschten Wirkungen gehören Benommenheit, Stimmungsveränderungen, Verwirrung, Halluzinationen, Schwitzen, Schwindel, Kopfschmerzen, Atemdepression, kleine Pupillen, Übelkeit, Erbrechen, Verstopfung, Mundtrockenheit, Herzklopfen und eine Hautrötung im Gesicht. Wie bei allen Opioiden besteht das Risiko für eine Atemdepression und eine Abhängigkeit.
siehe auch
Literatur
- Arzneimittel-Fachinformation (CH, AT)
- Koopman-Kimenai P.M. et al. The bioavailability of intramuscularly administered nicomorphine (Vilan) with its metabolites and their glucuronide conjugates in surgical patients. Int J Clin Pharmacol Ther, 1995, 33(8), 442-8 Pubmed

- Koopman-Kimenai P.M. et al. Rectal administration of nicomorphine in patients improves biological availability of morphine and its glucuronide conjugates. Pharm World Sci, 1994, 16(6), 248-53 Pubmed

- Koopman-Kimenai P.M. et al. Pharmacokinetics of intravenously administered nicomorphine and its metabolites in man. Eur J Anaesthesiol, 1993, 10(2), 125-32 Pubmed

Autor
Interessenkonflikte: Keine / unabhängig. Der Autor hat keine Beziehungen zu den Herstellern und ist nicht am Verkauf der erwähnten Produkte beteiligt.

