PharmaWiki-News Wirkstoffe Arzneimittelgruppen Krankheiten Heilpflanzen Parapharmazie
Suche
  
Produkte    



Über PharmaWiki

Vision | Team | Kontakt
Werben auf PharmaWiki
Nutzungsbedingungen
Facebook-Profil
Flattr this

Mundfäule

Indikationen

Als Mundfäule oder primäre Gingivostomatitis herpetica wird eine entzündliche Erkrankung des Mundraums bezeichnet. Die Ursache ist ein schwerer Verlauf der Erstinfektion mit Herpes simplex Viren. Betroffen sind vor allem Kinder. Neben schmerzhaften Geschwüren im Mundraum und um die Lippen können auch Begleitsymptome wie leichtes Fieber, Krankheitsgefühl und Kopfschmerzen auftreten. Die Behandlung zielt darauf ab, die Beschwerden zu lindern und eine Dehydratation zu verhindern. Antiviralia wie Aciclovir können den Verlauf möglicherweise positiv beeinflussen.

synonym: Gingivostomatitis herpetica, Stomatitis herpetica

Symptome

Die Mundfäule oder primäre Gingivostomatitis herpetica tritt vor allem bei Kindern zwischen 6 Monaten und 5 Jahren und bei jungen Erwachsenen um 20 Jahre auf und kann auch ältere Erwachsene betreffen. Sie äussert sich unter anderem in den folgenden Beschwerden: Geschwollene Halslymphknoten, aphthoide Läsionen und Ulzerationen im Mund und um die Lippen, Fieberbläschen, entzündetes, rotes, geschwollenes bis blutiges Zahnfleisch (Gingivitis, Gingivahyperplasie), Schmerzen, Mundgeruch, starker Speichelfluss, Reizbarkeit, Krankheitsgefühl, Kopfschmerzen, Atemwegsinfektion und leichtes Fieber.

Die zunächst vorhandenen kleinen Vesikel auf der Zunge, der Mundschleimhaut, auf dem Zahnfleisch und dem Gaumen brechen schnell auf und entwickeln sich zu Geschwüren (Ulzerationen), die ineinanderfliessen und von einer gelbgrauen Fibrinmembran überzogen sind. Kinder mögen aufgrund der Verletzungen im Mund und der starken Schmerzen nicht essen und trinken. Der Schwere der Symptome und der Verlauf ist variabel. Die Läsionen können während 1-3 Wochen bestehen bleiben.

Link: Bilder bei dermis.net 

Ursachen

Die Mundfäule ist die Erstmanifestation einer Infektion mit dem Herpes simplex Virus 1 (HSV-1) in der Mundhöhle. Seltener kann auch HSV-2 die Erkrankung auslösen. Übertragen wird das Virus meist durch direkten Kontakt, z.B. mit der Haut oder Speichel. Die Erkrankung ist hochansteckend. Deshalb kann es zum Beispiel in Tagesheimen es zu einer schnellen Ausbreitung und lokalen Ausbrüchen kommen. Die Inkubationszeit liegt bei zirka 1-26 Tagen. Es ist zu beachten, dass die Mehrheit der Primärinfektionen mit HSV-1 asymptomatisch, d.h. ohne erkennbare Beschwerden, verlaufen. Die Mundfäule ist daher die Ausnahme und nicht die Regel.

Komplikationen

Zu den möglichen Komplikationen gehört eine Verschleppung in die Augen, eine Dehydratation und im schlimmsten Fall eine Hirnentzündung (Enzephalitis). Da die Viren latent im Körper erhalten bleiben, können sie regelmässig reaktiviert werden und Fieberbläschen auslösen (siehe dort).

Diagnose

Die Diagnose wird in ärztlicher Behandlung aufgrund des klinischen Bildes und mit laborchemischen Methoden gestellt. Andere Erkrankungen, wie beispielsweise Aphthen oder ein Mundsoor können ähnliche Beschwerden auslösen und müssen bei der Diagnose ausgeschlossen werden.

Nicht-medikamentöse Behandlung

Es ist wichtig, dass die Patienten ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen, um eine Dehydratation zu vermeiden. Bei einem drohenden Flüssigkeitsmangel kann eine parenterale Verabreichung angezeigt sein. Die zugeführte Nahrung soll mild, kühl, flüssig bis halbfest sein (z.B. Breie, zerdrückte Bananen, Kartoffelstock, Nudeln), damit keine zusätzliche Reizung stattfindet. Scharfe, saure und heisse Nahrungsmittel wie zum Beispiel Tomaten, Zitronen, Zwiebeln, Chili oder Essig sollen vermieden werden! Zur Vorbeugung der Ansteckung sollte der Kontakt mit anderen Kindern in Tagesheimen vermieden werden. Auch Gesundheitsfachleute müssen sich mit geeigneten Massnahmen (Handschuhe, evt. Schutzbrille) vor der Ansteckung schützen.

Medikamentöse Behandlung

Schmerzmittel wie Paracetamol oder Ibuprofen und Lokalanästhetika oder andere topische Mittel werden zur symptomatischen Behandlung von Schmerzen eingesetzt. In schweren Fällen können auch Opioide angezeigt sein.

Nukleosid-Analoga wie Aciclovir oder verwandte Wirkstoffe sind kausal gegen Herpesviren aktiv. Gemäss einer Cochrane-Analyse aus dem Jahr 2008 gibt es schwache wissenschaftliche Belege für die Wirksamkeit von oralem Aciclovir. Falls eine Therapie in Betracht gezogen wird, soll sie so früh wie möglich begonnen werden.

Verschiedene pflanzliche Arzneimittel können zur Schmerzlinderung ausprobiert werden, zum Beispiel Gerbstoffe (z.B. Schwarztee, Eiche, Heidelbeere) oder Schleimstoffe (Malve, Eibisch).

Ob auf der Haut und Schleimhaut aufgetragene Desinfektionsmittel wie Chlorhexidin und Povidon-Iod den Krankheitsverlauf beeinflussen oder die Übertragung reduzieren, ist uns nicht bekannt.

Ein Nahrungsmittelersatz mit hochkalorischen Nahrungsmittel, Trinknahrung oder Elektrolytersatzlösungen bietet sich an, falls aufgrund der Schmerzen zuwenig Nahrung und Flüssigkeit zu sich genommen wird.

Mundspülungen können reiz- und schmerzlindern wirksam sein. In den USA wurde häufig eine Mischung von Diphenhydramin und einem Antazidum (Maalox®) lokal angewandt. Aufgrund der möglichen unerwünschten Wirkungen von Antihistaminika der 1. Generation halten wir diese Therapie nicht für empfehlenswert.

→ Nicht alle der aufgelisteten Arzneimittel sind für Kinder geeignet.

Literatur

Autor

Autor: PharmaWiki Team. Mit bestem Dank an Severin Frei, Drogist, für Hinweise zu diesem Artikel. Interessenkonflikte: Keine / unabhängig. Der Autor hat keine Beziehungen zu den Herstellern und ist nicht am Verkauf der erwähnten Produkte beteiligt.


© PharmaWiki 2007-2014 - PharmaWiki informiert unabhängig und zuverlässig über Medikamente und Gesundheit.
Dieser Artikel wurde zuletzt am 14.6.2012 geändert.
Produkte zu dieser Seite anzeigen