Migräne
Indikationen
KopfschmerzenEine Migräne ist ein anfallsweise auftretender, typischerweise einseitiger, um das Auge lokalisierter, pulsierend-pochender Kopfschmerz von mittlerer bis starker Intensität mit Begleitsymptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Lärmempfindlichkeit. Bei einigen Patienten können vor den Kopfschmerzen Sinnesstörungen auftreten. Ein akuter Anfall wird unter anderem mit Mitteln gegen Übelkeit und Erbrechen, Schmerzmitteln oder Triptanen behandelt. Zur Vorbeugung sollen Auslöser wie bestimmte Reize, Stress und Nahrungsmittel gemieden werden. Zur medikamentösen Vorbeugung werden unter anderem Betablocker, Calciumkanalblocker und Antiepileptika eingesetzt. synonym: Hemikrania
Symptome
- typischerweise einseitige, um das Auge lokalisierte, pulsierend-pochende Kopfschmerzen mittlerer bis starker Intensität
- Übelkeit und/oder Erbrechen
- Empfindlichkeit gegenüber Licht, Lärm, Gerüchen und Berührungen
Aura (nur bei ca. 15-20% der PatientInnen):
- Sehstörungen wie flackernde Lichter, Punkte oder Linien, Gesichtsverlust
- Stechende, prickelnde Gefühle oder Taubheit
- Sprechstörungen
Verlauf
- wenige Male pro Jahr bis mehrmals pro Monat, Dauer: 4-72 Stunden
- Verschlechterung durch körperliche Routineaktivitäten (z.B. Gehen oder Treppensteigen)
- Normale tägliche Aktivitäten können stark eingeschränkt werden
Auslöser
- Stress oder Entspannung nach dem Stress, bestimmte Reize (z.B. psychische, Gerüche, Licht)
- Geänderter Schlaf-Wach-Rhythmus, Änderungen des Tagesablaufs wie zum Beispiel eine ausgelassene Mahlzeit
- Hormonschwankungen, Menstruation (siehe auch Menstruelle Migräne)
- Nahrungs- und Genussmittel wie Alkohol, Rotwein, Käse (siehe auch Histaminreiche Nahrungsmittel)
Ursachen
Neurovaskuläre Erkrankung, Wechselspiel von neuronalen und vaskulären Strukturen.
Komplikationen
Starke Störung der privaten und professionellen Aktivitäten, Arbeitsunfähigkeit während eines Anfalls.
Risikofaktoren
Frauen sind häufiger betroffen als Männer, Genetik
Nicht-medikamentöse Vorbeugung
- Auslöser und Reize meiden, Gewohnheiten pflegen
- Entspannungstechniken: Autogenes Training, meditative Verfahren, Hypnose, Massage, Biofeedback scheinen wirksam zu sein
- Akupunktur
- Sporttherapie
Medikamentöse Vorbeugung (Migräneprophylaxe)
Eine medikamentöse Migräneprophylaxe kann bei einem gehäuften Auftreten von Anfällen, beim Nicht-Ansprechen oder bei Kontraindikationen und unerwünschten Wirkungen der Behandlung und bei schwerer Intensität und starker Behinderung im Alltag angezeigt sein.
Ziel ist, die Lebensqualität durch Verminderung der Anfallfrequenz, -stärke und -länge zu erhöhen.
- Propranolol, Metoprolol, Timolol und weitere
Mineralstoffe und Vitamine:
- Magnesium, Riboflavin (Vitamin B2), Coenzym Q10
Weitere: NSAID (Naproxen), Sartane, ACE-Hemmer, Hormone, Botulinumtoxin
Nicht-medikamentöse Behandlung
- Licht, Geräusche und Gerüche meiden (abgedunkelter Raum)
Medikamentöse Behandlung
Antiemetika / Prokinetika als Vorausmedikation zur Förderung der Magen-Darm-Bewegungen und gegen Übelkeit und Erbrechen:
Schmerzmittel in hoher Einzeldosierung bei Migräne von geringer Intensität und ohne Behinderung im Alltag:
- Nicht-steroidale Entzündungshemmer wie Acetylsalicylsäure, Naproxen oder Ibuprofen
- Paracetamol
- Opioide werden selten oder gar nicht eingesetzt
Triptane als Alternative bei Migräneattacken mittlerer bis hoher Intensität und Behinderung im Alltag. Sie sollten nicht bei ischämischen Erkrankungen angewendet werden. Zu beachten sind auch die niedrigen Tagesdosen. Triptane sind in verschiedenen galenischen Formen erhältlich (z.B. als Nasenspray oder Injektionslösung), was bei Übelkeit und Erbrechen vorteilhaft sein kann.
Calciumkanalblocker - zur selektiven Aura-Behandlung:
Weitere:
Mutterkornalkaloide - wegen der unerwünschten Wirkungen heute seltener verwendet:
- Coffein als Adjuvans
Therapieschema
Bei Migräne von geringer Intensität und ohne Behinderung im Alltag:
- Prokinetika, z.B. Domperidon 20 mg (2 Tabletten Motilium®) zur Förderung der Motilität des Gastrointestinaltrakts
- 10 Minuten warten
- Analgetika, jeweils in hoher Einzeldosis, bereits aufgelöst (Brause-, Lingual-, Kautabletten), z.B. Acetylsalicylsäure 1000 mg oder Ibuprofen 600-1200 mg oder Paracetamol 1000 mg
Pflanzliche Migränemittel
- Weidenrinde (Salix), z.B. Assalix®, evt. Sidroga Rheumatee (85% Weidenrinde)
- Pfefferminzöl auf die Schläfen geben, z.B. Po Ho Oel blau®, JHP Rödler Oel®
Grundsätze zur medikamentösen Therapie
- Einnahme zu Beginn der Kopfschmerzphase
- Kombination mit Antiemetika / Prokinetika gegen Übelkeit und Erbrechen und zur Förderung der Absorption der Migränemittel
- Ausreichend hohe Dosierung der Schmerzmittel
- Rasch aufnehmbare Arzneiform wie lösliches Pulver oder Brausetabletten
- Konsum von Schmerz- und Migränemitteln unter Kontrolle halten
siehe auch
Kopfschmerzen, Spannungskopfschmerzen, Menstruelle Migräne
Literatur
- Fumal A., Schoenen J. Current migraine management - patient acceptability and future approaches. Neuropsychiatr Dis Treat, 2008, 4(6), 1043-57 Pubmed

- Goadsby P.J., Lipton R.B., Ferrari M.D. Migraine - current understanding and treatment. N Engl J Med, 2002, 346(4), 257-70 Pubmed

- Millea P.J. Tension-type headache. Am Fam Physician, 2002, 66, 797-804 Artikel online

- Modi S. et al. Medications for Migraine Prophylaxis. Am Fam Physician, 2006, 73, 72-78
- Sun-Edelstein C., Mauskop A. Role of magnesium in the pathogenesis and treatment of migraine. Expert Rev Neurother, 2009, 9(3), 369-79 Pubmed

- Therapieempfehlungen für Kopf- und Gesichtsschmerzen. Schweizerische Kopfwehgesellschaft http://www.headache.ch

- Swiss Migraine Trust Foundation http://www.migraine-action.ch

- Schweizerische Kopfwehgesellschaft http://www.headache.ch

Autor
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