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Levonorgestrel, die „Pille danach“

Arzneimittelgruppen Gestagene

Levonorgestrel ist ein Wirkstoff aus der Gruppe der Gestagene, der zur Notfallverhütung innerhalb von 72 Stunden nach dem Geschlechtsverkehr eingesetzt wird. Die „Pille danach“ ist auch in Apotheken ohne ärztliche Verordnung erhältlich. Die Abgabe erfolgt nach einem vertraulichen Beratungsgespräch. Unerwünschte Wirkungen wie Übelkeit, Kopf- und Unterbauchschmerzen treten zwar häufig auf, sind aber vorübergehend. Das Arzneimittel darf nicht regelmässig, sondern ausschliesslich im Notfall angewandt werden.

synonym: Levonorgestrelum PhEur, Pille danach, Orale postkoitale Schwangerschaftsverhütung, Notfallkontrazeption, Postkoitalpille, Morning-after-pill, Plan B

Hintergrund

Die Notfallverhütung ist eine Methode, mit der eine Schwangerschaft nicht wie üblich vor oder während, sondern nach dem Geschlechtsverkehr verhindert werden soll. Die zwei häufigsten Gründe für die Anwendung sind das Versagen der Verhütungsmethode (in erster Linie Platzen oder Versagen des Kondoms, Vergessen der Pille) und keine Verhütung. In den 1970er Jahren führte Yuzpe zunächst eine Kombination von Levonorgestrel und Ethinylestradiol zur Notfallverhütung ein (z.B. Tetragynon®, ausser Handel). Im Rahmen klinischer Studien wurde in den 90er Jahren jedoch gezeigt, dass Levonorgestrel alleine besser verträglich und wirksamer als das traditionelle Schema ist. Daneben stehen zur Notfallverhütung in ärztlicher Behandlung auch das Antigestagen Mifepriston (Off-Label), Ulipristalacetat und die Anwendung einer Kupferspirale, der sogenannten „Spirale danach“, zur Verfügung.

Produkte

Levonorgestrel ist in Form von Tabletten im Handel (NorLevo®). Jede Packung enthält nur noch eine einzelne Tablette mit 1.5 mg Levonorgestrel. Vor der Zulassung der Monodosis im Jahr 2007 enthielt die Packung 2 Tabletten mit je 0.75 mg Wirkstoff. Neben der einmaligen Einnahme wurde in klinischen Studien nämlich zuerst die Aufteilung auf zwei Gaben im Abstand von 12 Stunden untersucht. Die einmalige Einnahme hat sich in der Schweiz jedoch mittlerweile durchgesetzt und gilt als etwa gleich gut wirksam und verträglich.

NorLevo® ist in der Schweiz seit 2002 zur Notfallverhütung in der Kategorie C zugelassen. Es darf deshalb nicht nur auf ärztliche Verschreibung, sondern auch nach einer Fachberatung durch Apothekerinnen und Apotheker verkauft werden. In der Apotheke wird anhand des standardisierten „Pille danach“-Protokolls in einem vertraulichen Gespräch abgeklärt, ob die Abgabe möglich und zweckmässig ist, ob Kontraindikationen oder Arzneimittel-Interaktionen vorliegen und ob eine Weiterleitung an den Arzt notwendig ist. Für die aufwändige Beratung, die nur von einer Apothekerin oder einem Apotheker durchgeführt werden darf, wird zusätzlich zum Medikamentenpreis eine Beratungstaxe verrechnet. Ein Patientendossier wird eröffnet und der Bezug dokumentiert. Die Protokolle werden während fünf Jahren aufbewahrt.

Struktur und Eigenschaften

Levonorgestrel (C21H28O2, Mr = 312.5 g/mol) ist ein weisses bis fast weisses, kristallines Pulver, das in Wasser praktisch unlöslich ist. Es ist das D-Enantiomer von Norgestrel, einem Racemat aus D- und L-Norgestrel.

Wirkungen

Der genaue Wirkmechanismus von Levonorgestrel (ATC G03AC03 ) ist nicht bekannt. Es wird angenommen, dass es in erster Linie den Eisprung hemmt oder verzögert, aber auch andere Mechanismen können beteiligt sein. Der Einfluss auf die Nidation ist umstritten. Levonorgestrel ist nicht mehr wirksam, wenn sich das Ei bereits eingenistet hat und führt nicht zu einer Abtreibung. Sollte trotz der Notfallkontrazeption eine Schwangerschaft eintreten oder bereits bestehen, stellt der Wirkstoff für das Kind keine Gefahr dar. Levonorgestrel kann die meisten, aber nicht alle ungewollten Schwangerschaften verhindern. Es ist weniger zuverlässig als die kontinuierliche Einnahme eines oralen Kontrazeptivums.

Levonorgestrel bietet bis zum Ende des Zyklus keinen weiteren Schutz. Deshalb soll eine Barrieremethode (z.B. Kondom) angewandt werden. Falls die Einnahme der Pille vergessen wurde, sollte diese bis zum Ende normal weitergenommen werden, damit keine Zwischenblutungen auftreten. Da die Wirksamkeit aufgrund des Einnahmefehlers möglicherweise nicht mehr vollständig gewährleistet ist, soll eine zusätzliche Verhütungsmethode angewandt werden.

Indikationen

Levonorgestrel ist zur Notfallverhütung innerhalb von 72 Stunden (= 3 Tage) nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr oder einem erkennbaren Versagen mechanischer Methoden oder bei anderen Umständen (z.B. sexuelle Gewalt) zugelassen. Sind bereits 72 Stunden vergangen, soll sich die Kundin umgehend in ärztliche Behandlung begeben, wo zum Beispiel eine Kupferspirale eingesetzt werden kann, die zur Notfallverhütung während 5 Tagen nach dem Geschlechtsverkehr wirksam ist.

Dosierung

Gemäss der Fachinformation. 1 Tablette wird als Einzeldosis vor dem Essen innerhalb von 72 Stunden (= 3 Tage) nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr eingenommen. Vorzugsweise innert 12 Stunden und generell so bald wie möglich. Die Wirksamkeit sinkt mit der Zeit schnell ab. Levonorgestrel kann zu jedem Zeitpunkt des Menstruationszyklus eingenommen werden. Tritt innerhalb von drei Stunden nach der Einnahme Erbrechen auf, wird der Wirkstoff nicht vollständig absorbiert. Deshalb soll unverzüglich eine weitere Tablette besorgt und eingenommen werden, eventuell in Kombination mit einem Antiemetikum.

Kontraindikationen

Für die Anwendung gibt es nur wenige Gegenanzeigen. Levonorgestrel ist bei Überempfindlichkeit, schweren Leberfunktionsstörungen und einer bestehenden Schwangerschaft kontraindiziert. Bei Verdacht auf eine Schwangerschaft soll ein Test durchgeführt werden. Schwere Malabsorptionssyndrome wie Morbus Crohn, anhaltendes Erbrechen oder Durchfall können die Wirksamkeit einschränken. Über die Anwendung bei Frauen unter 16 Jahren liegen nur begrenzt Daten vor. Levonorgestrel kann das Risiko für eine Eileiterschwangerschaft erhöhen und wird deshalb nicht empfohlen, falls Risikofaktoren für eine Eileiterschwangerschaft bestehen (Eileiterentzündung, frühere Eileiterschwangerschaft).

Die Notfallverhütung stellt nur eine Methode für Einzelfälle dar und darf eine regelmässige Methode zur Empfängnisverhütung nicht ersetzten, weil sie schlechter verträglich und unzuverlässiger als als die kontinuierliche Hormoneinnahme ist. Die Notfallkontrazeption schützt nicht vor sexuell übertragbaren Erkrankungen. Die vollständigen Vorsichtsmassnahmen finden sich in der Arzneimittel-Fachinformation.

Interaktionen

An der Biotransformation von Levonorgestrel ist CYP3A4 beteiligt. Deshalb kann der Abbau von CYP-Induktoren erhöht und die Wirksamkeit des Arzneimittels reduziert werden. Zu den CYP-Induktoren gehören zum Beispiel Phenobarbital, Phenytoin, Primidon, Carbamazepin, Rifabutin, Rifampicin, Griseofulvin, Ritonavir und Arzneimittel mit Johanniskraut. In diesem Fall ist die Anwendung einer Spirale möglich. Eine Dosisanpassung, zum Beispiel die Verabreichung der doppelten Dosis, ist in der Fachinformation nicht erwähnt, wäre aber eine theoretische Möglichkeit, um ausreichende Plasmakonzentrationen zu erreichen. CYP3A4-Inhibitoren könnten die Wirkung verstärken, dies wird aber nicht als relevant angesehen.

Unerwünschte Wirkungen

Die unerwünschten Wirkungen sind mit Ausnahme der Blutungsstörungen vorübergehend, können aber bis zu zwei Tage anhalten, weil Levonorgestrel eine lange Halbwertszeit von 43 Stunden hat. Übelkeit, Schmerzen im Unterbauch, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Schwindel und Spannungsgefühl in der Brust treten sehr häufig auf. Auch Menstruationsstörungen wie Schmierblutungen, unregelmässige oder verstärkte Blutungen, sind sehr häufig. Die Menstruation kann früher oder später eintreten. Durchfall und Erbrechen sind häufig.

siehe auch

Literatur

Autor

Interessenkonflikte: Keine / unabhängig. Der Autor hat keine Beziehungen zu den Herstellern und ist nicht am Verkauf der erwähnten Produkte beteiligt.

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Dieser Artikel wurde zuletzt am 11.4.2014 geändert.
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