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Entfremdung von der Natur

Die Abkehr von der natürlichen Lebensweise ist die Ursache allen Übels“ - Seneca, römischer Philosoph

Entfremdung von der Natur kann bedeuten, in einem Büroturm mit gekrümmtem Rücken vor dem Bildschirm zu sitzen. Der Blick nach draussen fällt auf die geteerte Strasse und ein weiteres Bürogebäude mit spiegelnden Fenstern gegenüber. Fast alles im Blickfeld ist von Menschen gestaltet oder von ihnen bearbeitet. Die gesamte Umgebung ist durchweg künstlich und betoniert.

Menschen leben heute in einer modernen und von ihnen selbst geschaffenen Kunstwelt, in welcher viele Naturgesetze scheinbar ausser Kraft gesetzt wurden.

Der Blick zum Himmel zeigt die Spuren eines Flugzeugs, das die Schwerkraft überwindet und die natürlichen Beziehungen von Raum und Zeit auflöst.

Das sind nur wenige Beispiele, denn tatsächlich ist es so, dass die meisten unserer täglichen Aktivitäten überhaupt nichts mehr mit unserer früheren Natur zu tun haben. Denn längst hat die kulturelle die biologische Evolution überholt.

Dabei ist die kritische Frage erlaubt, was „unserer Natur“ bedeuten soll. Wer war der ursprüngliche Mensch? Oder sollte unsere Kultur und Zivilisation ebenfalls als natürlich bezeichnet werden? Schliesslich würden wir auch ein Wespennest oder einen Ameisenhaufen so bezeichnen. Weshalb also nicht auch einen Computer oder eine Kaffeemaschine?

Vielleicht ist es das Ausmass der Entfremdung, das irritiert. Das „natürlichste“ Leben, dass ich mir vorstellen kann, ist jenes der Naturvölker, die in engstem Zusammenspiel mit und von der Natur leben, die sie umgibt. Ein solches Volk ist bis auf das Äusserste mit der es umgebenden Umwelt verbunden. Das Holz zur Errichtung seiner Häuser wächst wenige Meter von der Siedlung entfernt und im selben Wald lebt das Wild, das ein wichtiges Nahrungsmittel für die Menschen darstellt. Diese Menschen sind der Natur auf Gedeih und Verderben ausgeliefert.

Entfremdung bedeutet also, sich aus dieser engen Vernetzung mit seiner unmittelbaren Umgebung zu lösen. Dieser Prozess, der schon seit Jahrtausenden andauert, ist nicht nur negativ zu begreifen. Er ermöglicht Sicherheit und Stabilität. Tatsächlich bietet unser modernes Leben gegenüber dem traditionellen unzählige Vorteile und zumindest regional ein Dasein in Frieden und Sorglosigkeit.

Umgekehrt hat die Entfremdung unzählige neue Probleme geschaffen. Die sogenannten Zivilisationskrankheiten oder NCDs wie Übergewicht, hoher Blutdruck, Jet-Lag, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Depressionen, Stress, Burn-out, allergische Erkrankungen, die zunehmende Vereinzelung und der Individualismus, Massenvernichtungswaffen, Klimawandel, Umweltverschmutzung - das ist nur eine kurze Liste der neu entstandenen Schwierigkeiten. Fast scheint es so, als liesse sich für jedes errungende Plus ein neues Minus aufzählen.

Entfremdung wird nur selten diskutiert. Aber das Bedürfnis nach dem früheren Menschen ist in jedem von uns knapp unter der Oberfläche vergraben. Es äussert sich in vielen Verhalten, die wir beobachten können.

Wandern, Auswandern, Leben auf dem Zeltplatz, Sport, die Jagd im Herbst, das sind Aktivitäten, mit denen wir an unserer verlorene Lebensweise anknüpfen. Aber es handelt sich bloss um Stellvertreteraktivitäten. Eine Rückkehr ist vorerst ausgeschlossen.


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Dieser Artikel wurde zuletzt am 8.7.2017 geändert.
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