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EHEC Indikationen Infektionskrankheiten

Enterohämorrhagische Escherichia coli (EHEC) sind toxinbildende Bakterien, die beim Menschen leichte bis schwere Durchfallerkrankungen auslösen können. Die Bakterien kommen im Darm von Rindern und anderen Wiederkäuern vor und werden über fäkal kontaminierte Lebensmittel, Wasser, direkten Kontakt zu Tieren oder infizierten Menschen übertragen. Die Erkrankung kann zu Komplikationen und einem lebensbedrohlichen Nierenversagen führen. Die Behandlung ist symptomatisch, Antibiotika werden nicht empfohlen. Zur Vorbeugung sollen einige Verhaltensregeln beachtet werden.

synonym: Enterohämorrhagische Escherichia coli, Ehec, E. coli O157

Symptome

Eine Infektion mit enterohämorrhagischen Escherichia coli EHEC äussert sich in leichten, wässrigen bis starken und blutigen Durchfällen (hämorrhagische Kolitis). Weitere mögliche Beschwerden sind Übelkeit, Erbrechen, kolikartige Bauchschmerzen und leichtes Fieber.

Die Erkrankung kann zu lebensbedrohlichen Komplikationen führen, insbesondere zum hämolytisch-urämischen Syndrom HUS. Dieses äussert sich in einem akuten Nierenversagen, Abfall der Blutplättchen und einer Blutarmut mit Auflösung der roten Blutkörperchen. Ferner sind eine Dehydratation, eine thrombotisch-thrombozytopenische Purpura und Störungen des zentralen Nervensystems möglich.

In der Schweiz wurden in den vergangenen Jahren zwischen 35 bis 69 Fälle pro Jahr gemeldet. Aufgrund der unspezifischen und teilweise leichten Symptome und des ubiquitären Rindervorkommens könnte die tatsächliche Anzahl Infektionen aus unserer Sicht jedoch weit höher liegen. Weltweit wird regelmässig über kleinere und grössere lokale Ausbrüche berichtet. So erkrankten 1996 in Japan über 9'000 Menschen, unter anderem aufgrund kontaminierter Radieschen-Sprossen. EHEC stellt ein globales Gesundheitsproblem dar, das letztlich auf die Viehhaltung zurückzuführen ist.

Ursachen

Ursache der Erkrankung ist eine Infektion des Darms mit Escherichia coli Bakterien vom Typ EHEC. Es handelt sich um gramnegative Stäbchenbakterien aus der Familie der Enterobakterien. EHEC ist eine Untergruppe der Shigatoxin-bildenden E. coli STEC. Die bekannteste Serogruppe ist E. coli O157.

Die Bakterien bilden die zelltoxischen und entzündungsfördernden Shigatoxine Stx1 und Stx2, welche sowohl lokale als auch systemische toxische Effekte vermitteln. Sie werden auch als Verotoxine bezeichnet, hemmen die Proteinsynthese und führen zum Zelltod. Daneben spielen weitere bakterielle Faktoren eine Rolle. Insbesondere die Anheftung an die Darmzellen ist ein Schlüsselprozess in der Krankheitsentstehung.

Übertragung

EHEC kann über Lebensmittel, Wasser, direkten Kontakt zu Tieren oder infizierten Menschen übertragen werden. Die notwendige infektiöse Dosis ist mit 10 bis 1000 Bakterien gering.

Shigatoxinbildende Escherichia coli finden sich in der Darmflora vieler Tiere. Für die Übertragung auf den Menschen sind jedoch vor allem Rinder und andere Wiederkäuer bedeutsam, welche das Reservoir für den Erreger darstellen. Viele Tiere tragen toxinproduzierende Stämme in sich. Sie scheiden zwar grosse Mengen des Bakteriums aus, erkranken aber in der Regel nicht, da sie unter anderem weniger empfindlich auf die Shigatoxine sind. EHEC kommen auch in Wildtieren, Vögeln, Haustieren und Insekten vor.

Wasser, Erde, Fleisch, Früchte und Gemüse werden mit fäkalem Material der Tiere kontaminiert und die Bakterien können so direkt oder indirekt in den Darm des Menschen gelangen. Ungenügend durchgebratenes Fleisch (z.B. Rinderhackfleisch, Hamburger, Mettwurst, Salami, Tartar), nicht-pasteurisierte Milchprodukte (z.B. Milch, Joghurt, Käse) sowie Gemüse (z.B. Sprossen, Salat, Spinat) stellen eine wichtige Infektionsquelle dar. Schliesslich kann EHEC bei einem lokalen Ausbruch auch durch Schmierinfektionen fäkal-oral von Person zu Person übertragen werden. Die Träger können auch asymptomatisch sein. Die Inkubationszeit liegt bei 1-16 Tagen.

Diagnose

Die Diagnose wird in ärztlicher Behandlung anhand des klinischen Bildes und mit laborchemischen Methoden (PCR, ELISA, Kultur, Schnelltests) gestellt. Zu den möglichen Differentialdiagnosen gehören zahlreiche andere Durchfallerkrankungen.

Behandlung

Die Behandlung richtet sich nach den Symptomen und umfasst unter anderem die intravenöse Gabe von Flüssigkeit und Elektrolyten sowie in schweren Fällen einen Plasmaaustausch (Blutwäsche). Antibiotika werden nicht empfohlen, da bekannt ist, dass sie die Erkrankung verschlimmern können. Auch Motilitätshemmer wie Loperamid (Imodium®, Generika) sind umstritten und können die Komplikationsrate fördern. Aus unserer Sicht könnten Probiotika wie zum Beispiel Saccharomyces boulardii oder probiotische E. coli eine interessante Therapieoption darstellen.

Bei schweren Fällen des hämolytisch-urämischen Syndroms wurde über eine experimentelle Off-Label-Behandlung mit dem Antikörper und Komplementinhibitor Eculizumab (Soliris®) berichtet (z.B. Lapeyraque et al., 2011; Gruppo et al., 2009). Eine offizielle Zulassung der Behörden besteht für diese Indikation jedoch nicht.

Vorbeugung

Zur persönlichen Vorbeugung gibt es eine Reihe von Verhaltensempfehlungen:

Geeignete Hygienerichtlinien müssen entlang der gesamten Produktionskette vom Anbau resp. der Züchtung bis zur Zubereitung in der Küche eingehalten werden, um eine Kontamination zu vermeiden. Impfstoffe stehen noch keine zur Verfügung.

siehe auch

Reisedurchfall (ETEC), Eculizumab, Antidiarrhoica, Saccharomyces boulardii

LiteraturAutor

Interessenskonflikte: Keine / unabhängig. Der Autor (AV) hat keine Beziehungen zu den Herstellern und ist nicht am Verkauf der erwähnten Produkte beteiligt.


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Dieser Artikel wurde zuletzt am 4.6.2014 geändert.
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