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Colchicin Arzneimittelgruppen Alkaloide

Colchicin ist ein Alkaloid aus den Samen der Herbstzeitlosen, das zur Vorbeugung und Behandlung von akuten Gichtanfällen verwendet wird. Es hat entzündungshemmende und schmerzstillende Eigenschaften und hemmt als Spindelgift die Zellkernteilung. Aufgrund der engen therapeutischen Breite müssen die Vorsichtsmassnahmen genau beachtet werden. Colchicin wird von CYP3A4 abgebaut und von P-gp transportiert, weshalb zahlreiche relevante Arzneimittel-Wechselwirkungen möglich sind. Die Dosis muss tief gehalten und individuell angepasst werden, um eine lebensgefährliche Vergiftung zu vermeiden. Zu den häufigsten unerwünschten Wirkungen gehören Durchfall, Übelkeit und Erbrechen. In der Schweiz sind derzeit keine Arzneimittel mit Colchicin im Handel, sie können jedoch aus Deuschland importiert werden.

synonyme: Colchicum PhEur, Colchicinum, Kolchizin, Colchizin

Produkte

Arzneimittel, die Colchicin enthalten, sind in der Schweiz nicht mehr im Handel. In Deutschland sind unter dem Markennamen Colchicum-Dispert® Tabletten erhältlich, die einen Herbstzeitlosensamen-Trockenextrakt enthalten, entsprechend 0.5 mg Colchicin pro Tablette. In den USA ist Colcrys® mit 0.6 mg Colchicin zugelassen. Unter Umständen ist auch die Herstellung einer Magistralrezeptur in einer Apotheke möglich (Schwierigkeiten: Toxizität, Substanz).

Stammpflanze

Colchicin ist das Hauptalkaloid der Herbstzeitlosen Colchicum autumnale (Colchicaceae), die es besonders reichlich in den Samen enthält. Es ist auch in der Knolle der afrikanischen Ruhmeskrone (Gloriosa superba) sowie in einigen Sandersonia-Arten enthalten.

Struktur und Eigenschaften

Colchicin (C22H25NO6, Mr = 399.4 g/mol) ist eine sehr schwache, natürliche Base aus der Gruppe der Tropolon-Alkaloide. Es baut sich aus dem trizyklischen Ringsystem des Benzoheptalens auf. Colchicin liegt als gelblich-weisses, kristallines oder amorphes, bitter schmeckendes Pulver vor, das in Wasser löslich ist. Das Pulver verfärbt sich unter Lichteinwirkung dunkel.

Wirkungen

Colchicin (ATC M04AC01 ) wirkt entzündungshemmend und schmerzlindernd. Es beseitigt im Verlauf eines akuten Gichtanfalls die Entzündung der Gelenke und lindert so die Schmerzen. Im Gegensatz zu Urikostatika und Urikosurika beeinflusst Colchicin die Harnsäurekonzentration im Blut nicht.

Indikationen

Zur Vorbeugung oder Behandlung von akuten Gichtanfällen. In der Literatur sind weitere Indikationen angegeben wie z.B familiäres Mittelmeerfieber (Indikation in den USA), Behçet-Krankheit und wiederkehrende Herzbeutelentzündung. In der Schweiz besteht keine Zulassung der Behörden. Zur Akutbehandlung von Gicht werden auch die weniger toxischen NSAID und Glucocorticoide eingesetzt. Gemäss den EULAR-Richtlinien zählt Colchicin jedoch nach wie vor zu den Mitteln der 1. Wahl zur Akutbehandlung.

Dosierung

Gemäss der Arzneimittel-Fachinformation. Die Tabletten können unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen werden. Gemäss dem traditionellen Schema wird zur Behandlung eines akuten Anfalls bei Erwachsenen zu Beginn 1 mg eingenommen, anschliessend alle 1-2 Stunden 0.5 mg bis zum Abklingen der Beschwerden oder zum Auftreten von unerwünschten Wirkungen. Die maximale Tagesdosis von 4-6 mg (früher 10 mg) sollte nicht überschritten werden. In der Literatur werden auch alternative Therapieschemata erwähnt. Gemäss der Colcrys®-Fachinformation soll eine Maximaldosis von 1.8 mg pro Tag (3 Tabletten) nicht überschritten werden, weil dies keinen zusätzlichen Nutzen bringe. Die Dosis muss individuell angepasst werden. Auch die EULAR-Richtlinien empfehlen die tiefe Dosierung (3 x täglich 0.5 mg).

Kontraindikationen

Colchicin ist bei Überempfindlichkeit, während der Schwangerschaft und bei Patienten mit eingeschränkter Nieren- und Leberfunktion, mit Magen-Darmerkrankungen, Blutbildveränderungen sowie bei Störungen des Herzkreislaufes kontraindiziert. Die vollständigen Angaben zu Vorsichtsmassnahmen und Interaktionen finden sich in der Arzneimittel-Fachinformation.

Interaktionen

Colchicin wird von CYP3A4 metabolisiert und von P-Glykoprotein transportiert. CYP3A4 katalysiert die Demethylierung von Methoxygruppen und führt zur Bildung von inaktiven Metaboliten. Bei gleichzeitiger Anwendung von CYP3A4- oder P-gp-Inhibitoren steigen die Plasmakonzentrationen an und es können schwere Vergiftungen entstehen. Starke CYP-Inhibitoren sind zum Beispiel Ciclosporin und Makrolide wie Clarithromycin, Azol-Antimykotika und HIV-Proteasehemmer; Ranolazin ist ein staker P-gp-Hemmer. Weitere Interaktionen sind mit Statinen, Fibraten und nierentoxischen Wirkstoffen möglich.

Unerwünsche Wirkungen

Unerwünschte Wirkungen können Anzeichen für die dosisabhängige Vergiftung sein.

Zu den häufigsten Nebenwirkungen gehören Durchfall, Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen. Die Durchfälle sind auf eine Hemmung der Zellerneuerung der Dünndarmepithelien zurückzuführen.

Häufig leiden Patienten an Muskelerkrankungen, Muskelschwäche, Nierenschäden und Hautbeschwerden wie Juckreiz und Hautbrennen.

Bei hoher Dosierung wurden gelegentlich Blutbildveränderungen, Blutarmut, Störungen des Nagelwachstums, Haarausfall sowie Überempfindlichkeitsreaktionen beobachtet. Haarausfall und Blutbildveränderungen sind ebenfalls eine Folge der Mitosehemmung. Über Vergiftungen mit tödlichem Ausgang wurde berichtet.

siehe auch

Gicht, Urikosurika, Urikostatika

LiteraturAutor und Review

Interessenkonflikte: Keine / unabhängig. Die Autoren (SG, AV) haben keine Beziehungen zu den Herstellern und sind nicht am Verkauf der erwähnten Produkte beteiligt. Abbildungen: AV

Peer-Review: Dr. Olivier Potterat und Prof. Matthias Hamburger, Institut für Pharmazeutische Biologie, Pharmazentrum, Universität Basel

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Dieser Artikel wurde zuletzt am 14.6.2012 geändert.
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