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Chloralhydrat Arzneimittelgruppen Schlafmittel

Chloralhydrat ist ein Wirkstoff aus der Gruppe der Schlafmittel zur kurzfristigen und symptomatischen Behandlung von Schlafstörungen. Es handelt sich um ein altes Arzneimittel, das heute nur noch selten eingesetzt wird. Chloralhydrat ist ein Prodrug und wird im Körper zum aktiven Metaboliten Trichlorethanol umgewandelt. Es wird vor dem Schlafengehen verabreicht. Zu den möglichen unerwünschten Wirkungen gehören unter anderem zentrale und psychiatrische Störungen, kleine Pupillen, Herabhängen des Augenlids, Herzrhythmusstörungen und Verdauungsstörungen. Die längerfristige Verabreichung kann zu einer Abhängigkeit führen. Eine Überdosis ist lebensgefährlich.

synonym: Chlorali hydras PhEur

Produkte

Chloralhydrat wurde in der Schweiz im Jahr 1954 zugelassen und ist als Lösung im Handel (Nervifene®). Andere Produkte wie Medianox® und Chloraldurat® sind nicht mehr erhältlich.

Struktur und Eigenschaften

Chloralhydrat (C2H3Cl3O2, Mr = 165.4 g/mol) liegt in Form farbloser, durchsichtiger Kristalle vor, die in Wasser sehr leicht löslich sind. Es hat einen bitteren Geschmack. Die Substanz wurde bereits 1832 von Justus Liebig synthetisiert.

Wirkungen

Chloralhydrat (ATC N05CC01 ) hat schlaffördernde und beruhigende Eigenschaften. Die Wirkungen treten rasch ein und die Halbwertszeit beträgt bis zu 8 Stunden. Chloralhydrat ist ein Prodrug und wird im Körper von der Alkoholdehydrogenase in die aktive Wirkform Trichlorethanol überführt (Abbildung). Die Wirkungen beruhen auf der Beeinflussung der GABAA-ergen Neurotransmission.

Indikationen

Zur kurzfristigen Behandlung von Schlaf- und Einschlafstörungen. In der Schweiz ist Chloralhydrat auch zur Behandlung der nervösen Unruhe zugelassen.

Dosierung

Gemäss der Fachinformation. Die Lösung wird als Schlafmittel vor dem Schlafen verdünnt mit kaltem Wasser eingenommen. Aufgrund des Abhängigkeitspotentials soll Chloralhydrat nur kurzfristig verabreicht werden.

Kontraindikationen

Chloralhydrat ist bei Überempfindlichkeit, schwerer Leber- oder Niereninsuffizienz, bei Herzerkrankungen, Ateminsuffizienz, Porphyrie, einer Magenschleimhautentzündung, obstruktiver Schlafapnoe, bei Kindern und Jugendlichen und während der Schwangerschaft und Stillzeit kontraindiziert. Es soll nicht mit Antikoagulantien kombiniert werden. Die vollständigen Vorsichtsmassnahmen finden sich in der Arzneimittel-Fachinformation.

Interaktionen

Arzneimittel-Wechselwirkungen wurden mit Antikoagulantien, Furosemid, Amitriptylin, Alkohol, Fluoxetin, MAO-Hemmern und zentral dämpfenden Arzneimitteln beschrieben.

Unerwünschte Wirkungen

Zu den möglichen unerwünschten Wirkungen gehören unter anderem zentrale und psychiatrische Störungen wie Kopfschmerzen, Schwindel, Verwirrung und paradoxe Erregung, kleine Pupillen, Herabhängen des Augenlids, Herzrhythmusstörungen (bei hohen Dosen) und Verdauungsstörungen. Die längerfristige Verabreichung kann zu einer Abhängigkeit führen.

Eine Überdosis ist gefährlich und kann zu einer Atemdepression, Koma und zu Herzrhythmusstörungen führen. Das bekannteste Opfer einer Chloralhydrat-Überdosis ist Marilyn Monroe, die im Alter von 36 Jahren an einer Vergiftung mit Nembutal®-Kapseln (Pentobarbital) und Chloralhydrat starb.

siehe auch

Schlafmittel

LiteraturAutor

Interessenkonflikte: Keine / unabhängig. Der Autor hat keine Beziehungen zu den Herstellern und ist nicht am Verkauf der erwähnten Produkte beteiligt.

Weitere Informationen

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Dieser Artikel wurde zuletzt am 30.11.2014 geändert.
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