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Chitosan Arzneimittelgruppen Schlankheitsmittel

Chitosan ist ein fettbindendes Schlankheitsmittel, das zur Unterstützung der Behandlung von Übergewicht, zur Gewichtskontrolle und als Lipidsenker eingesetzt wird. Chitosan ist nicht als Arzneimittel zugelassen und wird als Medizinprodukt oder Nahrungsmittelergänzung verkauft. Zu den möglichen unerwünschten Wirkungen gehören Verdauungsbeschwerden und allergische Reaktionen. Die klinische Wirksamkeit ist aus unserer Sicht wissenschaftlich bisher nicht nachgewiesen.

synonym: Chitosan INCI, Polyglucosamin, Poliglusam, Deacetylchitin, Chitosanhydrochlorid PhEur, Kitosan

Produkte

Chitosan ist in der Schweiz in Form von Tabletten und Kapseln erhältlich (z.B. formoline L112®, Reduzell 36®). Es ist nicht als Arzneimittel, sondern als Medizinprodukt oder Nahrungsmittelergänzung im Handel. Die verschiedenen Produkte unterscheiden sich in der Darreichungsform, der Dosierung, in den verwendeten Hilfsstoffen, im Molekulargewicht, dem Deacetylierungsgrad und der Fettbindungskapazität. Chitosan wird auch als pharmazeutischer Hilfsstoff, für Wundauflagen und zahlreiche weitere Zwecke eingesetzt. Dieser Artikel bezieht sich auf die Einnahme gegen Übergewicht.

Struktur und Eigenschaften

Chitosan ist ein β-1,4-Polymer, das aus linearen, unverzweigten Ketten von D-Glucosamin und N-Acetyl-D-glucosamin besteht. Es wird deshalb auch als Polyglucosamin bezeichnet. Chitosan wird durch alkalische Deacetylierung aus Chitin gewonnen, einem Polymer aus N-Acetyl-D-glucosamin, das aus den Schalen von Garnelen und Krebsen extrahiert wird. Es handelt sich also um ein modifiziertes Naturprodukt. Die verschiedenen Chitosane unterscheiden sich im Deacetylierungsgrad. Abbildung 1 zeigt einen Ausschnitt aus einer Kette. Die Aminogruppe kann protoniert und dadurch positiv geladen werden.

Wirkungen

Chitosan soll in Nahrungsmitteln enthaltene Lipide binden und so ihre Absorption hemmen, indem sie in einem Gel eingeschlossen mit dem Stuhl ausgeschieden werden. Chitosan soll lipidsenkend sein, LDL senken und HDL erhöhen. Es ist positiv geladen und soll die negativ geladenen Fettsäuren binden. Es quillt zudem mit Wasser, kann so leicht sättigend wirken und die Darmpassagezeit verkürzen.

Die klinische Wirksamkeit in den beanspruchten Anwendungsgebieten ist umstritten und aus unserer Sicht wissenschaftlich nicht ausreichend belegt. Zwar wurde die Eigenschaft, Fette zu binden, in vitro nachgeweisen. Die systematische Analyse der durchgeführten wissenschaftlichen Studien zeigt einen geringen Effekt bezüglich des Körpergewichts und des Cholesterins, aber die mangelhafte Qualität vieler Studien lässt keine abschliessende Beurteilung zu. Von den Herstellern unabhängig durchgeführte Studien von guter Qualität deuten auf eine fehlende Wirksamkeit (z.B. Jull et al., 2008).

Anwendungsgebiete

Chitosan wird als Fettbinder zur Unterstützung der Behandlung von Übergewicht, zur Gewichtskontrolle und als Lipidsenker zur Verminderung von Cholesterin und LDL eingesetzt.

Dosierung

Chitosan wird üblicherweise zweimal täglich zu fetthaltigen Mahlzeiten mit ausreichend Wasser eingenommen. Da es sich um einen Ballaststoff handelt, soll während des Tages ausreichend getrunken werden (ca. 2 bis 3 L). Es soll nicht in Wasser gelöst eingenommen werden. Es wird empfohlen, Chitosan nur zu zwei von drei Hauptmahlzeiten einzunehmen, damit der Organismus ausreichend mit fettlöslichen Vitaminen versorgt wird.

Kontraindikationen

Chitosan soll nicht bei Überempfindlichkeit, bei einer Schalentiereallergie, bei Untergewicht, bei Kindern unter 3 Jahren und nicht während der Schwangerschaft und Stillzeit angewendet werden. Bei Kindern und Jugendlichen im Wachstum, bei älteren Menschen, bei chronischen Verdauungsproblemen (Verstopfung, Darmverschluss, nach einer Darmoperation, Gastroparese, Darmpolypen), entzündlichen Darmerkrankungen, Stoffwechselstörungen oder längerfristiger Arzneimitteleinnahme soll Chitosan nur mit Vorsicht angewendet werden.

Interaktionen

Da Chitosan Lipide bindet, kann es möglicherweise die Absorption fettlöslicher Medikamente hemmen. Dazu gehören zum Beispiel orale Kontrazeptiva, Hormone, Retinoide und Steroide. Es wird ein zeitlicher Einnahmeabstand von 4 Stunden zu solchen Arzneimitteln empfohlen. Chitosan kann auch wertvolle Nahrungsbestandteile wie fettlösliche Vitamine und essentielle Fettsäuren binden. Es soll deshalb nur zu maximal zwei von drei Hauptmahlzeiten eingenommen werden (siehe oben). Vitamine können bei Bedarf zusätzlich mit einem Vitaminpräparat zugeführt werden.

Unerwünschte Wirkungen

Zu den möglichen unerwünschten Wirkungen gehören einerseits Verdauungsbeschwerden wie Verstopfung, Blähungen, Unterbauchschmerzen, Durchfall und Völlegefühl, andererseits allergische Reaktionen wie zum Beispiel Hautausschlag, Nesselfieber und Juckreiz. Chitosan übt seine Wirkungen lokal im Darm aus, wird nicht verdaut und wird nicht in den Blutkreislauf aufgenommen.

siehe auch

Schlankheitsmittel, Litramine™, PhaseLite™, Glucosamin

LiteraturAutor

Interessenkonflikte: Keine / unabhängig. Der Autor hat keine Beziehungen zu den Herstellern und ist nicht am Verkauf der erwähnten Produkte beteiligt.


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Dieser Artikel wurde zuletzt am 14.6.2012 geändert.
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