Cannabis
Phytopharmaka
DrogenlisteZusammenfassungCannabis (Hanf) ist ein psychotropes pflanzliches Rauschmittel mit zahlreichen Wirkungen, die auch medizinisch-pharmazeutisch genutzt werden können. Es wirkt unter anderem schmerzlindernd, gegen Übelkeit und Brechreiz, appetitstimulierend und krampflösend. Die Effekte werden durch Stimulierung des Endocannabinoidsystem ausgelöst. Cannabis, seine Inhaltsstoffe und Zubereitungen gehören in der Schweiz als Betäubungsmittel zu den verbotenen Stoffen. Eine beschränkte medizinische Anwendung unter ärztlicher Kontrolle ist mit der Änderung des Betäubungsmittelgesetzes vom März 2008 im Rahmen von Ausnahmebewilligungen des BAG neu erlaubt.
synonym: Hanf, Indischer Hanf, Marijuana
Stammpflanze
Cannabis sativa, Cannabis indica, Cannabis ruderalis, Cannabaceae
Cannabis
Droge
Cannabis herba - Hanfkraut: Die blühenden oder mit jungen Früchten versehenen, von den grösseren Laubblättern befreiten Spitzen des bei gewöhnlicher Temperatur rasch getrockneten Blütenstandes der weiblichen Pflanze von Cannabis sativa (PH 5) - nicht mehr offizinell
Fructus cannabis - Hanffrucht. Die nüsschenartige Schliessfrucht von Cannabis sativa L (PH 4) - nicht mehr offizinell
Marijuana: trockene Blätter und Blüten, Haschisch: Harz
Zubereitungen
- Extractum Cannabis (indicae) PH 4, PH 5 - nicht mehr offizinell
- Tinctura cannabis (indicae) PH 4, PH 5 - nicht mehr offizinell
Inhaltstoffe
Mehr als 460 Inhaltsstoffe, 60 davon sind pflanzenspezifische Cannabinoide, darunter Tetrahydrocannabinol (THC)
Wirkungen
- psychotrop
- euphorisierend, stimmungsaufhellend
- dysphorisierend
- halluzinogen
- amnestisch
- entspannend
- angstlösend, angstauslösend
- antiemetisch
- appetitanregend
- schmerzlindernd
- muskelentspannend
- krampflösend
- okulär antihypertensiv: senkt den Augeninnendruck
- gefässerweiternd
- aphrodisierend
- blutdrucksenkend
- bronchienerweiternd
- immunmodulierend
- neuroprotektiv
- Verminderte gastrointestinale Motilität und Übelkeit
- Verschlechterung der motorischen Bewegungskoordination, Ataxie
- Fragmentarisches Denken, Störung des Kurzzeitgedächtnisses und der Aufmerksamkeit. Erhöhtes assoziatives Denken, Kreativität, Depersonalisation
- Tachykardie: Zunahme der Herzfrequenz
- THC hat eine geringe akute Toxizität, Todesfälle aufgrund von Intoxikationen sind bisher nicht bekannt
Wirkmechanismus
Cannabinoide binden im Endocannabinoidsystem an CB1- und CB2-Rezeptoren
Mögliche Anwendungsgebiete
- Als Appetitstimulans und Antiemetikum bei einer Chemotherapie und AIDS
- Als Muskelrelaxans bei Multipler Sklerose und Rückenmarkschäden
- Als Antiglaukomatosum bei erhöhtem Augeninnendruck
- weitere; allerdings ist zu bemerken, dass bei vielen möglichen Anwendungsgebieten derzeit schon gut verträgliche Arzneimittel zur Verfügung stehen
- Antagonisten: Cannabinoid-Rezeptor-Antagonisten: Rimonabant (Acomplia®)
- Agonisten: Cannabinoid-Rezeptor-Agonisten sind bisher keine auf dem Markt
Dosierung
- Beim Erwachsenen werden oral etwa 20-30 mg THC benötigt, um wahrnehmbare Effekte auszulösen. Inhalativ liegt die Dosis bei etwa 5 mg.
- Reinstoff: Dronabinol als Marinol® in den USA im Handel
- In den USA werden "staatliche Joints" für die medizinische Verwendung hergestellt. In der Schweiz ist dies aufgrund den Gesundheitsrisiken des Rauchens bisher ethisch nicht denkbar.
- Cannabinoid-Rezeptor-Antagonisten: Rimonabant (Acomplia®, Zulassung sistiert)
Unerwünschte Wirkungen
- Toleranz und Abhänigkeit
- Unerwünschte Effekte des Rauchens: Lungentumore, 1 Joint entspricht ca. 6 Zigaretten
- Lungenemphysem, weitere Lungenschäden
- Auslösung einer latenten schizophrenen Psychose
- Apathiesyndrom
- Hypotension, Synkope
- Mundtrockenheit, Übelkeit und Erbrechen
- Negative Beeinflussung der Gehirnentwicklung bei Jugendlichen
- Mögliche Gefahr im Strassenverkehr
- Negativer Einfluss auf die Fruchtbarkeit ?
Literatur
- Quellen
- Ben Amar M. Cannabinoids in medicine: a review of their therapeutic potential. Journal of Ethnopharmacology 2006, 105, 1-25 Pubmed

- Grotenhermen F. Die Wirkungen von Cannabis und THC. Forsch Kompl Med, 1999, 6, (Suppl 3), 7-44







