Bufexamac
Arzneimittelgruppen
NSAID
ArylessigsäurederivateBufexamac ist ein entzündungshemmender Wirkstoff aus der Gruppe der nicht-steroidalen Entzündungshemmer (NSAID), der zur äusserlichen Behandlung von Ekzemen eingesetzt wird. Bufexamac ist ein Kontaktallergen und kann als unerwünschte Wirkung eine allergische Kontaktdermatitis auslösen. Die europäische Arzneimittelbehörde EMA hat deshalb im April 2010 empfohlen, die Zulassung von Arzneimitteln mit Bufexamac europaweit aufzuheben. In der Schweiz bleibt die Salbe im Handel. synonym: Bufexamacum PhEur, Parfenac
Produkte
Bufexamac ist in der Schweiz als Crème und als Salbe im Handel (Parfenac®). Es wird nicht wie andere NSAID oral in Form von Tabletten verabreicht, sondern ausschliesslich äusserlich aufgetragen. Die europäische Arzneimittelbehörde EMA hat Bufexamac 2010 neu beurteilt und kam zum Schluss, dass der therapeutische Nutzen des Arzneimittels die Risiken nicht überwiegt, weil als unerwünschte Wirkung häufig eine allergische Kontaktdermatitis auftritt und die Wirksamkeit nicht klar nachgewiesen ist. Diese Nebenwirkung ist seit langem bekannt (z.B. Kränke et al., 1996).
Die EMA hat in einer Pressemitteilung am 22. April 2010 informiert, dass sie die Aufhebung der Zulassung empfiehlt. In Deutschland haben die Zulassungsinhaber in Absprache mit dem Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte BfArM bereits auf den Vertrieb verzichtet. In der Schweiz ist Bufexamac in Absprache mit der Swissmedic weiterhin erhältlich. Es gelten seit längerem strengere Vorsichtsmassnahmen und die Salbe ist nur auf ärztliche Verschreibung erhältlich.
Struktur und Eigenschaften
Bufexamac oder 2-(4-Butoxyphenyl)-N-hydroxyacetamid (C12H17NO3, Mr = 223.3 g/mol) ist ein weisses bis fast weisses, kristallines Pulver, das in Wasser praktisch unlöslich ist. Es gehört innerhalb der NSAID zu den Arylessigsäurederivaten.

Wirkungen
Bufexamac (ATC M01AB17
, ATC M02AA09
) ist entzündungshemmend und antiekzematös und hemmt die Cyclooxygenase. Es ist chemisch und pharmakologisch nicht mit den topischen Glucocorticoiden verwandt. Gemäss Schnuch et al. (2005) wurde das apothekenpflichtige Bufexamac in Deutschland als „antientzündliches Breitbandtherapeutikum“ häufig eingesetzt. In der Schweiz ist es gemäss unserer Erfahrung weniger bekannt, was damit zusammenhängen dürfte, dass die Arzneimittel hierzulande rezeptpflichtig sind und die Indikation etwas weniger breit formuliert ist.
Indikationen
Bufexamac wird äusserlich zur Behandlung von Ekzemen eingesetzt. In Deutschland, nicht aber in der Schweiz, auch bei Neurodermitis.
Dosierung
Das Arzneimittel wird 2 bis 3 mal täglich dünn aufgetragen und leicht eingerieben. Bufexamac soll nicht unter einem Okklusivverband und nicht länger als 6 Monate aufgetragen werden.
Kontraindikationen
Bufexamac soll nicht bei Überempfindlichkeit, bei Kindern und Jugendlichen (keine Daten), während der Schwangerschaft und Stillzeit (keine Daten), bei Atopikern und bei Analekzemen angewandt werden. Der Kontakt mit Schleimhäuten und dem Augenbereich ist zu vermeiden. Bufexamac kann eine Kontaktallergie auslösen. Die vollständigen Vorsichtsmassnahmen finden sich in der Arzneimittel-Fachinformation.
Interaktionen
Bisher keine bekannt.
Unerwünschte Wirkungen
Bufexamac ist ein bekanntes und starkes Kontaktallergen und kann eine allergische Kontaktdermatitis mit teilweise schwerem Verlauf auslösen (Sensibilisierungsrate von 1.4%). Dies wurde in einer grossen Studie nachgewiesen (siehe dazu Schnuch et al., 2005). Zu den Risikogruppen gehören Menschen, die bereits an einer Kontaktdermatitis erkrankt sind, Menschen mit einer atopischen Dermatitis, einem Ekzem der Beine oder die Behandlung eines Analekzems (kontraindiziert). Die Symptome des Kontaktekzems ähneln den Beschwerden, gegen die das Arzneimittel verschrieben wird und die Nebenwirkung ist deshalb schwierig zu erkennen. Das Arzneimittel kann also die Symptome verschlimmern, gegen die es ursprünglich eingesetzt wurde.
siehe auch
Allergische Kontaktdermatitis, NSAID
Literatur
- Arikawa J., Okabe S., Kaneko T. Allergic contact dermatitis with spreading over extensive regions due to topical use of 5% bufexamac ointment. J Dermatol, 2004, 31(2), 136-8 Pubmed

- Arzneimittel-Fachinformation (CH, D)
- Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte BfArM
- Europäische Arzneimittelbehörde EMA
- Europäisches Arzneibuch PhEur
- Koch P., Bahmer F.A. Erythema-multiforme-like, urticarial papular and plaque eruptions from bufexamac: report of 4 cases. Contact Dermatitis, 1994, 31(2), 97-101 Pubmed

- Kränke B., Derhaschnig J., Komericki P., Aberer W. Bufexamac is a frequent contact sensitizer. Contact Dermatitis, 1996, 34(1), 63-4 Pubmed

- Schnuch A., Gefeller O., Uter W. Eine heimtückische und häufige Nebenwirkung: Kontaktallergien durch das Ekzemtherapeutikum Bufexamac. Ergebnisse des IVDK. Dtsch Med Wochenschr, 2005, 130(50), 2881-6 Pubmed

- Schweizer Arzneimittelbehörde Swissmedic
- Trommer H., Plätzer M., Raith K., Wohlrab W., Podhaisky H.P., Neubert R.H. Examinations of the antioxidative properties of the topically administered drug bufexamac reveal new insights into its mechanism of action. J Pharm Pharmacol, 2003, 55(10), 1379-88 Pubmed

Autor
Interessenkonflikte: Keine / unabhängig. Der Autor hat keine Beziehungen zu den Herstellern und ist nicht am Verkauf der erwähnten Produkte beteiligt.

