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Borreliose Indikationen Infektionskrankheiten

Die Lyme-Borreliose ist eine Infektionskrankheit, die von Bakterien der Gattung Borrelia verursacht und durch einen Zeckenstich auf den Menschen übertragen wird. Die Erkrankung kann sich zunächst lokal als Hautausschlag äussern, der sich ringförmig um die Einstichstelle ausdehnt und mehrere Wochen bestehen bleibt. Neben der Haut können innert Wochen bis Jahren auch das Nervensystem, der Bewegungsapparat und weitere Organe befallen werden. Zur Behandlung werden Antibiotika wie Tetrazykline, Penicilline, Cephalosporine und Makrolide eingesetzt. Zur Vorbeugung sollen Zeckenbisse mit verschiedenen Massnahmen nach Möglichkeit verhindert werden. Eine Impfung steht noch nicht zu Verfügung.

synonym: Lyme-Borreliose, Lyme-Krankheit, Borrelia burgdorferi, Wanderröte

Symptome

Die Erkrankung wurde traditionell in 3 Stadien eingeteilt, die jedoch nicht klar voneinander abgegrenzt werden können und von den Patienten nicht obligatorisch und aufeinanderfolgend durchlaufen werden müssen. Die Stadieneinteilung wurde deshalb von einigen Experten zugunsten einer Einteilung in eine frühe und späte Phase oder in eine Einteilung nach Organen verlassen. Die Borrelien infizieren zunächst die Haut und können sich anschliessend innert Wochen bis Jahren auf andere Organe ausbreiten. Bei der Krankheitsentstehung spielt auch die Immunreaktion des Wirts eine Rolle. Der Verlauf ist unterschiedlich und reicht von selbstlimitierenden bis zu jahrelangen, chronischen und therapieresistenten Erkrankungen.

© Lucille Solomon, 2012 http://www.lucille-solomon.com 

Haut: Innert zirka 3 bis 30 Tagen bildet sich ein lokaler Hautausschlag, das sogenannte Erythema migrans, die Wanderröte. Der klar begrenzte, nicht juckende und schmerzlose Hautausschlag dehnt sich während Tagen bis Wochen ring- oder flächenförmig um die Einstichstelle aus und hellt im Zentrum zunehmend auf (Ähnlichkeit mit einer Hautpilzinfektion). Der Rand ist leicht erhaben. Die Hautrötung verschwindet nach Wochen bis Monaten von alleine, was aber nicht mit einer Heilung von der Erkrankung gleichzusetzen ist. Es ist zu beachten, dass sich der Ausschlag nicht zwingend entwickeln muss (!) Bei einigen Patienten ist er von grippeartigen Symptomen wie Gliederschmerzen, Krankheitsgefühl, Lymphknotenschwellung, Fieber, Kopfschmerzen und Übelkeit begleitet. Auf der Haut kann sich selten ein gutartiges Borrelien-Lymphozytom entwickeln. Dabei handelt es sich um blaurote Knoten, die häufig am Ohr, im Nacken, auf den Brustwarzen, in den Achselhöhlen, am Hodensack oder auf dem Fussrücken auftreten. Diese Hautreaktion kommt vor allem bei Kindern vor. Auch Hautatrophien, die sogenannte Acrodermatitis chronica atrophicans, sind nach Jahren möglich.

Nervensystem: Ein Befall des Nervensystems manifestiert sich unter anderem als Hirnhaut-, Gehirn-, Nerven- und Nervenwurzelentzündung.

Bewegungsapparat: Die Muskeln und grossen Gelenke schmerzen und es entwickeln sich Symptome einer Arthritis (Lyme-Arthritis), evtl. mit Beteiligung der Sehnen und Schleimbeutel. Seltener werden verschiedene weitere innere Organe, z.B. das Herz (Rhythmusstörungen, AV-Block, Entzündung), die Niere, die Augen, die Lunge, und die Leber, betroffen.

Ursachen und Übertragung

Bei der Borreliose handelt es sich um eine bakterielle Infektionskrankheit, die vom gramnegativen, spiralförmigen Bakterium Borrelia burgdorferi sensu stricto und weiteren Borrelien ausgelöst wird, u.a. B. afzelii, B. garinii und B. spielmanii, die alle in Europa vorkommen. Als Überbegriff für diese Spezies wird die Bezeichnung B. burgdorferi sensu lato verwendet (sensu stricto: im engeren Sinn, sensu lato: im weiteren Sinn). Die Spirochäten werden von Zecken der Gattung Ixodes auf den Menschen übertragen, hauptsächlich von Ixodes ricinus, dem Holzbock. Das Reservoir bilden Säugetiere wie Mäuse, Eichhörnchen, Füchse, Igel, Rotwild, Vögel und Reptilien. Die Borrelien leben im Mitteldarm der Zecken und gelangen erst während der Blutmahlzeit in den Speichel und auf diesem Weg in die Haut des Menschen. Das Risiko einer Übertragung beim Zeckenstich steigt mit der Dauer des Stichs. Die Zecke muss erst einige Stunden saugen, bis das Bakterium übertragen wird. Daher ist es wichtig, Zecken möglichst rasch zu entfernen.

Epidemiologie

Die Borreliose ist die in unseren Breiten die häufigste von Zecken übertragene Krankheit. Da das grösste Risiko eines Zeckenbiss von Frühling bis Herbst besteht, werden während dieser Zeit die meisten akuten Infektionen gemeldet. 5-30% (in Risikogebieten sogar bis 50%) der in der Schweiz verbreiteten Zecken tragen die Bakterien. Die Inzidenz in der Schweiz wird auf 115-155 pro 100'000 Einwohner geschätzt und gehört zu der höchsten in Europa.

Diagnose

Die Diagnose wird in ärztlicher Behandlung primär aufgrund des klinischen Bildes, der Patientengeschichte und sekundär anhand laborchemischer Verfahren zur Untermauerung der Hypothese gestellt. Der Hautauschlag ist zwar typisch, tritt aber nicht bei allen Patienten auf (siehe oben). Viele Patienten erinnern sich nicht mehr an einen Zeckenbiss, da dieser schmerzlos ist. Zu den möglichen Differentialdiagnosen gehören unter anderem Hauterkrankungen anderer Ursache (z.B. Erysipel, allergische Reaktionen auf einen Insektenstich), Pilzinfektionen, Hirnhaut- und Gehirnentzündungen anderer Ursache, Guillain-Barré-Syndrom (Entzündung der Spinalnervenwurzeln und der peripheren Nerven), B-Zell-Lymphom und Multiple Sklerose.

Medikamentöse Behandlung

Behandelt wird die Borreliose mit Antibiotika, je nach Stadium und Patient mit Tetrazyklinen (Doxycyclin), Beta-Lactam-Antibiotika (Amoxicillin, Ceftriaxon, Cefuroxim, Cefotaxim) oder Makroliden (Clarithromycin, Azithromycin). Für die detaillierten Richtlinen verweisen wir auf die wissenschaftliche Literatur. Die Therapie ist auch Gegenstand von Kontroversen. Die Antibiotika-Therapie sollte möglichst früh begonnen werden, um die Ausbreitung des Erregers auf andere Organe zu verhindern und chronischen Schäden vorzubeugen. Die entsprechenden Vorsichtsmassnahmen müssen beachtet werden. Tetrazykline sind bei Kindern unter 9 Jahren wegen der Einlagerung in die Knochen und Zähne kontraindiziert. Deshalb werden bei dieser Gruppe vorwiegend Beta-Lactame eingesetzt. Auch während der Schwangerschaft und Stillzeit dürfen keine Tetrazykline verabreicht werden. Zur symptomatischen Behandlung können je nach Ausprägung nicht-steroidale Entzündungshemmer, lokale Glucocorticoide, Antirheumatika und weitere Arzneimittel angezeigt sein.

Vorbeugung

Sekundärprophylaxe: Von der Amerikanischen Gesellschaft für Infektionskrankheiten (http://www.idsociety.org ) wird zur Sekundärprophylaxe nach einem Zeckenbiss bei Erfüllung von 4 Kriterien die Einnahme von 200 mg Doxycyclin als Einzeldosis empfohlen. In der Schweiz wird keine derartige Antibiotikaprophylaxe durchgeführt, weil der Nutzen wissenschaftlich nicht belegt ist. Eine Impfung ist bisher nicht im Handel. In den USA wurde eine Impfung lanciert, aber wieder von Markt zurückgezogen.

Die beste Vorbeugung besteht darin, Zeckenstiche zu meiden. Zecken befinden sich im Unterholz und an niederwachsenden Pflanzen. Sie fallen nicht, wie häufig angenommen wird, von Bäumen und Sträuchern herunter, sondern krabbeln nach dem Hautkontakt auf dem Körper zu einer geeigneten Stelle. Sie kommen im Wald, in Parkanlagen und Gärten vor. Beim Wandern oder Sport sollen geschlossene Schuhe und lange, glatte und helle Hosen getragen werden. Auf hellen Materialien lassen sich die Zecken besser entdecken. Die Socken sollen eventuell über die Hosen gestülpt werden. Ästhetisch ist das zwar nicht, aber es kann helfen, der Erkrankung vorzubeugen. Das Unterholz und Wegränder soll gemieden werden. Nach dem Aufenthalt in einem Risikogebiet soll der Körper auf Zecken untersucht und die Zecken so rasch wie möglich, innert 24 Stunden, entfernt werden. Zecken finden sich vor allem im Bereich der Achseln, an den Leisten und Kniekehlen, bei Kindern auch im Gesicht, am Nacken und auf der Kopfhaut. Das Datum des Bisses soll notiert und die Stelle während 30 Tagen beobachtet werden. Zur chemischen Vorbeugung werden Repellents, zum Beispiel mit dem Wirkstoff Diethyltoluamid (DEET), eingesetzt.

siehe auch

Zeckenstiche, Antibiotika, FSME

LiteraturAutor

Interessenkonflikte: Keine / unabhängig. Der Autor hat keine Beziehungen zu den Herstellern und ist nicht am Verkauf der erwähnten Produkte beteiligt.

Abbildung: Lucille Solomon, http://www.lucille-solomon.com 


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Dieser Artikel wurde zuletzt am 27.7.2017 geändert.
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