Schwarzes Bilsenkraut
Phytopharmaka
DrogenlisteZusammenfassungBilsenkraut (Hyoscyamus niger, Solanaceae) ist ein pflanzliches Arzneimittel und eine Giftpflanze. Sie enthält, wie andere Mitglieder der Nachtschattengewächse, stark wirksame Tropanalkaloide, welche die Effekte des Parasympathicus, eines Anteils des unwillkürlichen Nervensystems, aufheben. Bilsenkraut wird heute selten pharmazeutisch verwendet. Von einer Verwendung als Halluzinogen und Rauschmittel muss aufgrund der hohen Giftigkeit abgeraten werden.
synonym: Hyoscyamus niger
Stammpflanze
Hyoscyamus niger, Solanaceae
Schwarzes Bilsenkraut
Droge
Hyoscyami folium - Hyoscyamusblätter
Zubereitungen
Inhaltstoffe
Tropanalkaloide: Atropin, L-Hyoscyamin, wie im Stechapfel höherer Gehalt an Scopolamin als in der Tollkirsche.
Wirkungen

parasympatholytisch: siehe Tollkirsche
Indikationen
- Als Anticholinergikum bei Erkältungskrankheiten, bei Spasmen im Bereich des Gastrointestinaltrakts
- In Narbensalben enthalten
- In der Alternativmedizin
Wissenswertes
Die Hexe Kirke verwendete das "Schweinekraut" Hyoscyamus, um Odysseus' Weggefährten in Schweine zu verwandeln. Odysseus erhält von Hermes das Kraut Moly
zum Schutz gegen die Verwandlung.
Hamlets Vater, der König von Dänemark, wurde mit Bilsenkraut vergiftet (Hamlet, I,V;). Der Saft wurde ihm ins Ohr geträufelt, wie sein Geist erzählt:
» Sleeping within my orchard,
My custom always of the afternoon,
Upon my secure hour thy uncle stole,
With juice of cursed hebenon in a vial,
And in the porches of my ears did pour
The leperous distilment; whose effect
Holds such an enmity with blood of man
That swift as quicksilver it courses through
The natural gates and alleys of the body,
And with a sudden vigour doth posset
And curd, like eager droppings into milk,
The thin and wholesome blood: so did it mine;
And a most instant tetter bark'd about,
Most lazar-like, with vile and loathsome crust,
All my smooth body.«
Bilsenkraut wurde auch dem Bier zugesetzt. Gemäss Rätsch (1996) leitet sich der Name Pilsener nicht von der tschechischen Stadt Plzen (Pilsen) ab, sondern von der dem Bier ehemals beigemischten Pflanze, dem Bilsenkraut. Mit dem deutschen Reinheitsgebot von 1516 wurde die Beimischung von Giftpflanzen zum Bier untersagt.
Literatur
- Quellen
- Giebelmann R., Logemann E. Kulturgeschichtliches zum Atropin. T + K, 2004, 71(1), 33-36
- Rätsch C. Urbock. Bier jenseits von Hopfen und Malz. Aarau: AT Verlag, 1996
- William Shakespeare, Hamlet, Act I, Scence V






