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Badedermatitis („Entenflöhe“) Indikationen Hauterkrankungen

Die Badedermatitis wird von Saugwürmern der Gattung Trichobilharzia verursacht und tritt im Sommer nach dem Baden auf. Normalerweise befällt dieser Parasit Wasservögel, -tiere und -schnecken, er kann sich in warmen Gewässern aber fälschlicherweise auch in die Haut von Menschen einbohren und eine juckende allergische Hautreaktion auslösen. Der Befall wird als ungefährlich, oberflächlich und als selbstlimitierend angesehen, da der Mensch einen Fehlwirt darstellt und sich der Parasit nicht weiter vermehrt. Zur symptomatischen Behandlung werden juckreizlindernde, antiallergische und entzündungshemmende Arzneimittel eingesetzt.

synonym: Entenflöhe, Zerkariendermatitis, Zerkarien, Entenpocken, Schistosomatiden-Dermatitis

Symptome

Die Badedermatitis äussert sich als geröteter Hautausschlag mit einem starken Juckreiz, Nesselfieber, einem Ödem, Brennen, Prickeln, sowie teils zahlreichen Papeln, Pusteln und kleinen Blasen. Der Hautausschlag bildet sich innert eines Tages und heilt innert zirka 3 Wochen wieder ab. Da die Badedermatitis hauptsächlich eine allergische Reaktion darstellt, zeigen die Betroffenen beim ersten Kontakt nur schwache Symptome wie ein leichtes Jucken und gerötete Haut an der Eintrittsstelle. Bei wiederholtem Kontakt kommt es zu einer ausgeprägten und unangenehmen humoralen und zellulären Immunantwort.

Systemische Reaktionen wie Schwindel, Schweissausbrüche, geschwollene Lymphknoten, Fieber oder Übelkeit können vorkommen. Das Aufkratzen des Ausschlags kann zu bakteriellen Sekundärinfektionen führen. Sehr selten treten schwere allergische Reaktionen auf. Ob die Zerkarien in andere Gewebe vordringen können und medizinische Folgebeschwerden auslösen, ist unklar.

Ursachen

Die Badedermatitis wird von den mikroskopisch kleinen Zerkarien (ca. 700-800 µm) der Gattung Trichobilharzia (z.B. Trichobilharzia ocellata, Trichobilharzia szidati) ausgelöst, die weltweit, auch in Mitteleuropa und der Schweiz, vorkommen. Dabei handelt es sich um Parasiten aus der Familie der Schistosomen, die einige Wasservögel und Säugetiere befallen. Der Mensch wird als Fehlwirt infiziert. Anstatt in den eigentlichen Endwirt bohren sich die Zerkarien in die Haut des Menschen. Sie können dabei aber nicht weiter in den Körper vordringen, sterben ab und setzen proteolytische Enzyme und Antigene frei, welche den Hautausschlag hervorrufen. Der Mensch kann die Erkrankung deshalb auch nicht weitergeben.

Gemäss einigen Experten ist aber nicht vollständig geklärt, ob die Larven beim ersten oder wiederholten Befall nicht doch in den Kreislauf und tiefer in menschliches Gewebe, zum Beispiel in die Lunge oder das Nervensystem, vordringen können und dadurch, selbst wenn sie sich nicht weiter vermehren, möglicherweise medizinische Folgebeschwerden auslösen können (z.B. Horák et al., 2008, Kolářová et al., 2010). In den Tropen existiert eine Krankheit, die sehr ähnlich verläuft wie die Badedermatitis. Bei einer Schistosomiasis bzw. Bilharziosis stirbt der Erreger aber nicht ab, sondern wandert via Blut in die Leber und von dort aus von dort aus weiter in andere Organe. Diese Erkrankung ist sehr ernst zu nehmen und erfordert eine angemessene Behandlung.

Im Volksmund werden die Zerkarien auch als „Entenflöhe“ bezeichnet, weil in der Schweiz oft Enten betroffen sind. Diese Bezeichnung ist jedoch nicht korrekt, da es sich um einen Wurm und nicht um einen Floh handelt.

Übertragung

Der ausgewachsene Parasit lebt in darmnahen Blutgefässen im Wasserbereich lebender Tiere, zum Beispiel in Enten, Schwänen, Gänsen, Möwen, Bibern und Bisamratten (Abbildung 1, zum Vergrössern anklicken). Der Wurm bildet Eier, die durch Ulzeration in den Darm gelangen und mit dem Kot ausgeschieden werden. Aus den Eiern schlüpfen bald freischwimmende Larven (Mirazidien), welche Wasser- oder Schlammschnecken, den Zwischenwirt, befallen. Die Larven vermehren sich und entwickeln sich weiter zu Y-förmigen Zerkarien, sogenannten Gabelschwanzlarven, die bei einer ausreichend hohen Wassertemperatur von idealerweise 25°C ins Wasser ausgeschieden werden. Zerkarien überleben etwa einen Tag und befallen schliesslich wieder die geeigneten Endwirte - oder den Menschen als Fehlwirt.

Risikofaktoren

Zu den Risikofaktoren gehören unter anderem das Baden während der Sommermonate, Baden am frühen Morgen, hohe Wassertemperatur, Risikogewässer, seichte Gewässer ohne Strömung, Kinder, da sie sich hauptsächlich in Strandnähe aufhalten und sich häufig nicht mit dem Strandtuch abtrocknen, sowie eine lange Aufenthaltsdauer im Wasser und Tätigkeiten am Wasser (z.B. Fischer, Jäger, Reisarbeiter). In einem gut chlorierten Schwimmbad können die Parasiten nicht leben, es besteht also kein Risiko beim Schwimmen in einem Pool. Auch in tiefem und oder strömendem Wasser besteht kein Risiko für eine Übertragung.

Diagnose

Die Diagnose erfolgt anhand der Patientengeschichte und des klinischen Krankheitsbildes. Als Differentialdiagnosen kommen andere Hauterkrankungen wie zum Beispiel Insektenstiche in Frage.

Nicht-medikamentöse Behandlung

Der Hautausschlag heilt nach einigen Tagen auch ohne Behandlung ab. Kalte Auflagen oder milde Kältesprays können den Juckreiz symptomatisch lindern. Der Ausschlag sollte wenn möglich nicht gekratzt werden, da dadurch bakterielle Superinfektionen entstehen können. Siehe auch unter dem Artikel Juckreiz.

Medikamentöse Behandlung

Zur medikamentösen Behandlung werden bisher ausschliesslich Arzneimittel eingesetzt, die gegen die Symptome wirksam sind. Topische Glucocorticoide wie zum Beispiel Hydrocortison in der Selbstmedikation wirken entzündungshemmend und antiallergisch. Antihistaminika sind ebenfalls antiallergisch und juckreizlindernd und können lokal aufgetragen oder auch als Tablette eingenommen werden; dabei muss allerdings mit mehr unerwünschten Wirkungen gerechnet werden und die Vorsichtsmassnahmen müssen beachtet werden. Zubereitungen mit Zinkoxid, Menthol und Gerbstoffen oder alternativmedizinische Arzneimittel sind weitere Möglichkeiten.

In der wissenschaftlichen Literatur wurden Zweifel an der gängigen Meinung geäussert, die Erkrankung sei auf jeden Fall harmlos und erfordere keine antiparasitäre Behandlung (siehe oben). Es wurde deshalb auf die Möglichkeit hingewiesen, orale antiparasitäre Arzneimittel wie Ivermectin einzunehmen oder Folgekontrollen in ärztlicher Behandlung durchzuführen (Burkhart et al., 2003). Die Behandlung mit Ivermectin ist aus unserer Sicht bisher aber nicht angezeigt, zumal es in der Schweiz nicht als Arzneimittel zugelassen ist.

Medikamentöse Vorbeugung

Zur medikamentösen Vorbeugung wurden verschiedene Repellents getestet, welche die Zerkarien am Eindringen in die Haut hindern sollen (Wulff et al., 2007). Wirksam war unter anderem Safe Sea®, eine Lotion, die gegen Quallen eingesetzt wird. Sie wird auch als „Quallen- und Sonnenschutz Canea“ bezeichnet und ist in Deutschland erhältlich.

Auch die äusserliche Anwendung einer Niclosamidcreme scheint zur Vorbeugung wirksam zu sein. Das antiparasitäre Niclosamid ist in der Schweiz aber nicht als Arzneimittel zugelassen und muss in der Apotheke hergestellt werden, zum Beispiel durch Einarbeitung von Niclosamidtabletten aus Deutschland (Yomesan®) in eine hydrophobe Grundlage. Yomesan® ist in Deutschland zur Behandlung eines Befalls mit bestimmten Würmern zugelassen. Über mögliche Risiken für Mensch und Umwelt liegen uns keine ausreichenden Daten vor.

Herstellung der Niclosamidcrème 0.1% in einer Apotheke:

Yomesan® Kautablette (Niclosamid 500 mg) 1 Stück 
Hydrophobe Basiscrème DAC ad 500.0 

Die Kautablette in der Salbenschale zerdrücken und mit etwas Grundlage vermischen. Die Grundlage portionenweise zugeben und homogenisieren (Quelle )

Nicht-medikamentöse Vorbeugungsiehe auch

Juckreiz, Topische Glucocorticoide, Antihistaminika, Quallenschutzmittel

LiteraturAutoren

Marina Würgler und Dr. Alexander Vögtli vom PharmaWiki Team für PharmaWiki.ch. Interessenkonflikte: Keine / unabhängig. Die Autoren haben keine Beziehungen zu den Herstellern und sind nicht am Verkauf der erwähnten Produkte beteiligt.


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Dieser Artikel wurde zuletzt am 1.8.2015 geändert.
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