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Androgenetische Alopezie (Frau) Indikationen Haarausfall

Bei der androgenetischen Alopezie dünnt bei Frauen das Haar im Bereich des Mittelscheitels zunehmend aus, bis schliesslich die Kopfhaut sichtbar wird. Es ist ein schleichender Prozess, der in jungen Jahren beginnt und sich während der Wechseljahre weiter verschlechtert. Zur Behandlung wird in erster Linie Minoxidil eingesetzt.

synonym: Androgenetischer Haarausfall bei Frauen

Symptome

Im Bereich des Mittelscheitels kommt es zu einer zunehmenden diffusen Ausdünnung der Haare. Dabei gehen im Gegensatz zur androgenetischen Alopezie beim Mann nicht alle Haare verloren, aber die Kopfhaut wird mit der Zeit sichtbar. Häufig bleibt frontal oberhalb der Stirne ein dicht behaarter Streifen bestehen. Auch seitlich und am Hinterkopf findet sich nach wie vor dichtes Haar. In der Regel kommt es nicht zu einem verstärkten Haarausfall wie zum Beispiel beim Telogeneffluvium mit vielen Haaren im Kamm.

Die Veränderungen beginnen schleichend im Alter zwischen 12 und 40 Jahren und verschlimmeren sich in den Wechseljahren weiter oder werden erst richtig sichtbar. Bei einigen Patientinnen bleibt die Haardichte proximal gegen die Kopfhaut zunächst normal, aber die Haare werden nicht mehr gleich lang wie früher und sind distal ausgedünnt. Das Haar muss kürzer geschnitten werden, damit die gleiche Fülle erhalten bleibt. Volles Haar signalisiert Gesundheit, Fruchtbarkeit und Jugendlichkeit. Der Verlust kann deshalb ein psychosoziales und emotionales Problem darstellen und das Selbstwertgefühl vermindern.

Ursachen

Charakteristisch für die androgenetische Alopezie ist die Verkleinerung (sogenannte Miniaturisierung) der Haarfollikel, die in der Folge stark verkleinerte, feine und dünne Haare bilden. Die Wachstumsphase (Anagenphase) der Follikel verkürzt sich zunehmend. Diese Verkleinerung wird von einer erhöhten Aktivität des Androgens Dihydrotestosteron (DHT) verursacht, das im Follikel durch die 5α-Reduktase aus Testosteron gebildet wird.

Bei Frauen scheint zudem die verminderte Aktivität der Aromatase von Bedeutung zu sein. Dieses Enzym wandelt Androgene in Oestrogene um. Ist ihre Aktivität zu klein, kommt es zu einem Androgenüberschuss. Diese Erhöhung ist peripher und nur bei einer Minderheit der Betroffenen liegen gleichzeitig erhöhte Androgenwerte im Serum und Symptome einer Vermännlichung vor.

Risikofaktoren:

Diagnose

Wichtige Erkenntnisse ergeben sich bereits aus der Anamnese und dem klinischen Befund. Haarausfall kann zahlreiche andere Ursachen haben, die bei der Diagnose in ärztlicher Behandlung ausgeschlossen werden müssen, zum Beispiel eine Schilddrüsenunterfunktion, ein Haarausfall nach der Schwangerschaft oder ein Eisenmangel (siehe unter Telogeneffluvium). Auch im Rahmen einer Androgenisierung kann es zu einer androgenetischen Alopezie bei der Frau kommen. Diese Vermännlichung äussert sich aber in Begleitsymptomen wie Hirsutismus, Akne, tiefer Stimme und Zyklusstörungen.

Nicht-medikamentöse MassnahmenMedikamentöse Behandlung

Der Behandlungsverlauf sollte mit Photographien oder einer anderen Methode dokumentiert werden, damit die individuelle Wirksamkeit beurteilt werden kann.

Minoxidil wird zur äusserlichen Behandlung des androgenetischen Haarausfalls bei Frauen und Männern eingesetzt und gilt als Mittel der 1. Wahl. Er wird zweimal täglich lokal aufgetragen und kann innert Wochen bis Monaten den übermässigen Haarausfall hemmen und bei einigen Patientinnen sogar das Wachstum neuer Haare fördern. Die Wirksamkeit wurde in grossen klinischen Studien bestätigt. Die Anwendung soll bei trockenem Haar und Haarboden erfolgen. Zu den häufigsten unerwünschten Wirkungen gehören leichte Ekzeme der Kopfhaut. Minoxidil ist gefässerweiternd und wurde als blutdrucksenkendes Mittel entwickelt. Deshalb sind systemische unerwünschte Wirkungen möglich. Ein weiteres mögliches Problem ist die Compliance, da das Mittel längerfristig zweimal täglich aufgetragen werden muss.

Antiandrogene wie Cyproteronacetat, Dienogest, Drospirenon oder Chlormadinon werden bei Frauen mit Androgenisierungserscheinungen eingesetzt. Sie werden in Kombination mit dem empfängnisverhütenden Oestrogen Ethinylestradiol angewendet, da sie fruchtschädigend sind und deshalb nicht während der Schwangerschaft eingenommen werden dürfen. Die Medikamente werden wie andere orale Kontrazeptiva eingenommen. Die klinische Wirksamkeit ist nicht gut belegt und sie sind nicht bei androgenetischer Alopezie ohne Androgenisierung zugelassen.

Estradiol-Haarspiritus wird in der Schweiz als Magistralrezeptur hergestellt. Die Rezeptur findet sich im DMS: Rezeptur DMS . Zur klinischen Wirksamkeit liegen uns keine Daten vor. In Deutschland sind Lösungen mit Alfatradiol im Handel erhältlich (Ell-Cranell®). Dabei handelt es sich nicht um ein Östrogen, sondern um einen 5alpha-Reduktasehemmer.

Zur Behandlung von Haarausfall sind unzählige weitere Arzneimittel, Kosmetika und Nahrungsergänzungsmittel im Handel.

siehe auch

Androgenetische Alopezie bei Männern, Haarausfall, Alopecia areata, Telogeneffluvium, Haare

LiteraturAutor

Interessenkonflikte: Keine / unabhängig. Der Autor hat keine Beziehungen zu den Herstellern und ist nicht am Verkauf der erwähnten Produkte beteiligt.


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Dieser Artikel wurde zuletzt am 8.7.2014 geändert.
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