Androgene
Arzneimittelgruppen
SexualhormoneZusammenfassungAndrogene sind männliche Sexualhormone aus der Klasse der Steroidhormone. Testosteron ist das wichtigste im Organismus gebildete Androgen. Androgene stimulieren die Ausbildung der männlichen Geschlechtsorgane und sind für die Spermatogenese verantwortlich. Darüber hinaus haben Androgene anabole Effekte im Protein- und Nukleinsäurestoffwechsel.
Synthese und Freisetzung
Androgene werden in den Leydig-Zwischenzellen des Hodens, den Nebennierenrinde und in kleinen Mengen in den Eierstöcken aus Cholesterol gebildet. Die Bildung wird durch Gonadoliberin und LH gesteuert. Die Sekretion unterliegt einer zirkadialen Rhythmik mit einem Maximum am Vormittag. Es existiert ebenfalls eine jahreszeitlich abhängige Ausschüttung: im Frühling kommt es zu einem Anstieg der Sekretion. Bei schweren physiologischen Belastungen und Stress sinkt die Androgenbildung.
Wirkungen
Soffwechsel:
allgemein:
- Anabole Wirkung durch vermehrte Nukleinsäure- und Proteinsynthese
Zielorgan:
- Stimulation spezifischer Stoffwechselleistungen
männliche Genitalien:
- Beeinflussung der Ausbildung von Penis, Samenleiter, Samenblase und Prostata
- Förderung bestimmter Stadien der Spermatogenese
Haut und Haare:
- Ausbildung des männlichen Behaarungstyps (bei Frauen evtl. Hirsutismus)
- Beeinflussung von Akne vulgaris und anderen Hauterkrankungen
- Verstärkung der Talgproduktion
- Bei genetischer Veranlagung: vererbter Haarausfall (androgenetische Alopezie)
Skelett:
tiefe Dosis:
- Proliferation des epiphysären Knorpels
- Förderung des Längenwachstums
hohe Dosis:
- Schluss der Epiphysenfugen und Kalzifizierung
Zentrales Nervensystem:
- Rückkopplung auf die hypophysäre Gonadotropinsekretion
Enzyme:
- Expression geschlechtsspezifischer Enzymmuster in verschiedenen Organen
- Beeinflussung der Differenzierung des Sexualzentrums in der Embryonalperiode und postnatal
Blut:
- Steigerung der Erythrozytenproduktion durch vermehrte Erythropoetinsynthese

Indikationen
- Primärer und sekundärer Hypogonadismus
- Oligozoospermie (verminderte Spermienanzahl)
- hormonell bedingte Impotenz
- Klimakterium des Mannes
- Mammakarzinom der Frau
- Übermässiges Längenwachstum (vorzeitiger Epiphysenschluss mit Testosteron)
- Pubertas tarda
Strukturbeispiel

Wirkstoffe
- Testosteron (Andriol®, Nebido®, Testogel®, Testoviron®)
- Dehydroepiandrosteron, reduzierte Form des Testosterons, biologisch aktiv
- Androstendion
- Anabolika
Kontraindikationen
- Schwangerschaft
- Prostatakarzinom
- Hypertonie
Interaktionen
Androgene verstärken die blutgerinnende Wirkung von Cumarin-Derivaten
Unerwünschte Wirkungen
Frauen:
- Hirsuitismus: männliche Behaarung
- Kehlkopfvergrösserung (tiefe Stimme)
- Klitorisvergrösserung
- Störung der Regelblutungen
Beide Geschlechter:
- Akne
- Libidostörungen
- Stimmungsschwankungen
- Aggressivität
- Wasserretention
- Natriumretention
- Hypertonie
- Ödeme
- Haarausfall
- Vorzeitiger Epiphysenschluss
- Cholestatischer Ikterus
Kinder und Männer:
- Gynäkomastie (bei Leberinsuffizienz)
Pathophysiologie
- Partielles Androgendefizit beim alternden Mann (sog. Wechseljahre beim Mann)
- Androgenisierung (Vermännlichung)
Beratungshinweise
Wird nach einer längeren Androgenbehandlung das Medikament plötzlich abgesetzt, kommt es zu einem Rebound-Phänomen mit einer überschiessenden Spermiogenese. Die verminderte Empfindlichkeit der Androgenrezeptoren im Hypothalamus ist die Ursache dafür.
Wissenswertes
Androstendion hat eine schwache androgene Wirkung, Dehydroepiandrosteron eine mässig starke androgene Wirkung. Testosteron und sein Metabolit Dihydrotestosteron sind stark wirksame Androgene.
Dihydrotestosteron wird durch eine 5α-Reduktase aus Testosteron gebildet.
Literatur
- Pschyrembel 261. Auflage
- Goodman and Gilman’s
- Schwabe U. Sexualhormone. 2006
- De Geyter Ch. Männliche Sexualhormone, Frauenklinik Universitätsspital Basel, 2006
- http://www.andrologie.ch/Andro_Testo.htm



