Alprazolam
Arzneimittelgruppen
Benzodiazepine / AnxiolytikaZusammenfassungAlprazolam ist ein Wirkstoff aus der Gruppe der Benzodiazepine mit angstlösender und beruhigender Wirkung. Es wird zur Behandlung von Angst- und Panikerkrankungen und gegen Panikattacken eingesetzt. Zu den häufigsten unerwünschten Wirkungen gehören Schläfrigkeit, Müdigkeit und Schwindel. Alprazolam wird über CYP3A4 abgebaut; entsprechende Interaktionen müssen berücksichtigt werden. Die regelmässige Einnahme kann zu einer Abhängigkeit führen. Das Absetzen muss auschleichend erfolgen, um Entzugssymptome zu vermeiden.
synonym: Alprazolamum PhEur, Xanax, Niravam
Produkte
Xanax® ist in Form von Tabletten und Retardtabletten im Handel. Es ist in der Schweiz seit 1980 zugelassen. 'Xanax' ist ein Palindrom und bleibt vorwärts wie rückwärts gelesen gleich.
Struktur und Eigenschaften
Alprazolam (C17H13ClN4, Mr = 308.7 g/mol) ist ein weisses, kristallines Pulver, das in Wasser praktisch unlöslich ist und in Dichlormethan leicht löslich, in Aceton und Ethanol 96% wenig löslich ist. Es ist ein 1,4-Triazolbenzodiazepin und unterscheidet sich von den klassischen Benzodiazepinen durch den Triazolring im Molekül.

Wirkungen
Alprazolam (ATC N05BA12
) ist angstlösend, enthemmend, dämpfend, antidepressiv und teilweise euphorisierend. Es überquert die Blut-Hirn-Schranke und bindet im Gehirn an den GABAA-Rezeptor. Es verstärkt dadurch die Wirkung des inhibitorischen Neurotransmitters GABA im zentralen Nervensystem.
Indikationen
Alprazolam ist bei Angst- und Panikerkrankungen und Panikattacken indiziert.
Dosierung
Die übliche Tagesdosis liegt bei 0.5 bis 4 mg, aufgeteilt in mehrere Gaben. Eine Tagesdosis von 6 mg sollte nicht überschritten werden. Es stehen auch retardierte Arzneimittel zur Verfügung, die 1-2 mal täglich eingenommen werden. Zu Beginn der Behandlung wird die Dosis langsam gesteigert und auf die optimale, möglichst niedrige Dosis eingestellt. Das Absetzen nach regelmässiger Einnahme muss ausschleichend erfolgen, da ein Absetzen zu Entzugssymptomen führen kann.
Missbrauch
Aufgrund seiner angstlösenden, enthemmenden, dämpfenden und z.T. euphorisierenden Wirkungen wird Alprazolam wie andere Benzodiazepine als Genuss und Rauschmittel missbraucht, unter anderem als Partydroge und in Kombination mit Alkohol. Einigen Prominenten wird ein Alprazolam-(Über)gebrauch nachgesagt. Der Schauspieler Heath Ledger (Brokeback Mountain, The Dark Knight) starb gemäss Autopsiebericht an einem Medikamenten-Cocktail, der neben Opioiden, Benzodiazepinen und Doxylamin auch Alprazolam enthielt. Michael Jackson soll Alprazolam in hohen Dosen konsumiert haben.
Kontraindikationen
- Überempfindlichkeit
- Kinder und Jugendliche < 18 Jahre (nicht untersucht)
- Schwangerschaft und Stillzeit: siehe Fachinformation
- Myasthenia gravis
- Schwere respiratorische Insuffizienz
- Schlafapnoe-Syndrom
- Gleichzeitige Verabreichung von HIV-Proteasehemmern
Vorsichtsmassnahmen
- Mit Vorsicht anwenden bei eingeschränkter Nieren- und Leberfunktion (Dosisanpassung).
- Besonders bei schweren Depressionen und Suizidneigung sollte Alprazolam nur mit Vorsicht und nicht als alleinige Therapie eingesetzt werden.
Abhängigkeit: Alprazolam kann vor allem bei längerer Einnahme, hoher Dosierung und bei einer Veranlagung zu einer Abhängigkeit führen. Es sollte wenn möglich kurzfristig und nur sporadisch eingenommen werden und die Notwendigkeit für eine Behandlung regelmässig überprüft werden.
Strassenverkehr: Da die Einnahme Schläfrigkeit, Müdigkeit und Schwindel hervorrufen kann, wird nicht empfohlen Auto zu fahren oder schwere Maschinen zu bedienen.
Interaktionen
Alprazolam wird von CYP3A4 zu inaktiven Hydroxyderivaten metabolisiert. CYP3A4-Inhibitoren wie Azol-Antimykotika oder Markolide können zu einer Erhöhung der Konzentrationen und einer Verlängerung der Wirkung führen. Aus diesem Grund ist die auch die gleichzeitige Verabreichung von HIV-Proteasehemmern kontraindiziert. Weitere entsprechende Interaktionen müssen berücksichtigt werden.
- Zentral dämpfende Medikamente und Alkohol verstärken die dämpfende Wirkung
- Muskelrelaxantien: Verstärkung der Wirkung
- Weitere Interaktionen: Imipramin, Desipramin, Cimetidin, orale Kontrazeptiva
Unerwünschte Wirkungen
- Schläfrigkeit, Müdigkeit, Schwindel, Benommenheit
- Verschwommenes Sehen, Kopfschmerzen, Depressionen, Schlafstörungen, Nervosität, Besorgtheit, Tremor, Gewichtsveränderungen, Gedächtnisstörungen, anterograde Amnesie, Koordinationsstörungen
- Gastrointestinale Beschwerden
- Allergische Reaktionen
- Dystonie, Gereiztheit, Anorexie, Müdigkeit, Artikulationsschwierigkeiten, Ikterus, Muskelschwäche, Veränderungen der Libido, Menstruationsstörungen, Inkontinenz, Harnretention, Leberfunktionsstörung, Hyperprolaktinämie
- Selten: Paradoxe Reaktionen wie Konzentrationsschwierigkeiten, Verwirrtheit, Halluzinationen, unerwünschte Verhaltensreaktionen, wie Reizbarkeit und aggressives Verhalten
Entzug
Bei abruptem Absetzen nach regelmässiger Einnahme treten Entzugssymptome auf. Alprazolam sollte deshalb auschleichend durch schrittweise Dosisreduktion abgesetzt werden. Zu den Entzugssymptomen gehören:
- Zittern, Ruhelosigkeit, Schlafstörungen, Angst, psychische Verstimmung, Kopfschmerzen, Konzentrationsschwäche
- Schwitzen, Muskel- und Bauchkrämpfe, Wahrnehmungsstörungen.
- Selten: Delirium, zerebrale Krampfanfälle
siehe auch
Literatur
- Arzneimittel-Fachinformation (CH)
- Isbister G.K. et al. Alprazolam is relatively more toxic than other benzodiazepines in overdose. Br J Clin Pharmacol, 2004, 58(1):88-95 Pubmed

- Verster J.C., Volkerts E.R. Clinical pharmacology, clinical efficacy, and behavioral toxicity of alprazolam: a review of the literature. CNS Drug Rev, 2004, 10(1), 45-76 Pubmed

- Wismer T.A. Accidental ingestion of alprazolam in 415 dogs. Vet Hum Toxicol, 2002, 44(1), 22-3 Pubmed



