Buch I

1. Iris.
2. Akoron.
3. Bärwurtz.
4. Cyperngras.
5. Kardamomon.
6. Narde.
7. Keltische Narde.
8. Bergnarde.
9. Haselwurz.
10. Phu.
11. Malabathron.
12. Kassia.
13. Zimmt.
14. Amomum.
15. Kostus.
16. Bartgras.
17. Kalmus.
18. Balsam.
19. Aspalathos.
20. Bryon.
21. Agallochon.
22. Naskaphthon.
23. Kankamon.
24. Kyphi.
25. Safran.
26. Krokomagma.
27. Alant.
28. Aegyptischer Alant.
29. Oel aus unreifen Oliven.
30. Gewöhnliches Oel.
31. Oel des wilden Oelbaumes.
32. Weisses Oel.
33. Sikyonisches Oel.
34. Der Schmutz der Bäder.
35. Der Schmutz aus den Ringplätzen.
36. Der Schmutz der Turnplätze.
37. Honigöl.
38. Ricinusöl.
39. Mandelöl.
40. Behenöl.
41. Sesam- und Wallnussöl.
42. Bilsenöl.
43. Knidisches Oel.
45. Rettigöl.
46. Schwarzkümmelöl.
47. Senföl.
48. Myrtenöl.
49. Lorbeeröl.
50.Oel des Mastixbaumes.
51. Mastixharzöl.
52. Die Zusammensetzung der Salböle.
53. Die Bereitung des Rosenöls.
54. Die Bereitung des Elatsöls.
55. Die Bereitung des Quittenöls.
56. Die Bereitung des Weinblüthenöls.
57. Die Bereitung des Bockshornöls.
58. Die Bereitung des Majoranöls.
59. Die Bereitung des Basilicumöls.
60. Die Bereitung des Beifussöls.
61. Die Bereitung des Dillöls.
62. Die Bereitung des susischen Salböls.
63. Die Bereitung des Narzissensalböls.
64. Die Bereitung des Safransalböls.
65. Die Verdichtung und Bereitung des (Lawsonien-) Hennasalböls
66. Die Verdichtung des Schwertlilienöls.
67. Die Bereitung des Mostöls.
68. Amarakinon (Majoransalböl).
69. Megalion.
70. Hedychon.
71. Metopion.
72. Mendesion.
73. Stakte.
74. Zimmtsalböl.
75. Nardensalböl.
76. Malabathronsalböl.
(Ohne Nr) Jasminöl.
77. Myrrhe.
78. Böotische Myrrhe.
79. Styrax.
80. Bdellion.
81. Weihrauch.
82. Weihrauchrinde.
83. Manna des Weihrauchs.
84. Weihrauchruss.
85. Bereitung des Russes.
86. Pinie.
87. Pityiden.
88. Zapfen.
89. Schinos.
90. Mastixharz.
91.Terebinthe.
92. Andere Harze.
93. Die Art und Weise, das Harz zu brennen.
94. Flüssiges Pech.
95. Theeröl.
96.Russ des Theers.
97. Pech.
98. Zopissa.
99. Asphalt.
100. Pissasphalt.
101. Naphtha.
102. Cypresse.
Wachholder.
104. Sadebaum.
105. Ceder.
106. Lorbeer.
107. Platane.
108. Manna-Esche.
110. Schwarzpappel.
111. Makir.
112. Ulme.
113. Fäule des Holzes.
114. Rohr.
115. Papyrus.
116. Tamariske.
117. Heide.
118. Akakalis.
119. Wegdorn.
120. Melde.
121. Paliuros.
122. Oxyankantha.
123. Kynosbatos.
124. Lawsonia.
125. Phillyrea.
126. Kistos.
127. Hypokistis.
128. Ladanum.
129. Ebenholz.
130. Rosen.
131. Rosenpastillen.
132. Ueber Lykion.
133. Akazie.
134. Keuschlammstrauch.
135. Weide.
136. Wilder Oelbaum.
137. Oelbaum.
138. In Salzlake eingemachte Oliven.
139. Oel des wilden Oelbaumes.
140. Oelsatz.
141.Thräne des äthiopischen Oelbaumes.
142. Eiche.
143. Eicheln.
144. Speiseeiche und Ilexeiche.
145. Kastanien.
146. Galläpfel.
147. Gerbersumach.
148. Dattelpalme.
149. Thebanische Datteln.
150. Blüthenscheide der Palme.
151. Granatapfel.
152. Granatblüthe.
153. Granatrinde.
154. Balaustion.
155. Myrte.
156. Myrtidanon.
157. Kirschen.
158. Johannisbrodfrucht.
159. Apfelbaum.
160. Quittenäpfel.
161. Honigäpfel.
162. Epirotische Aepfel.
163. Wilde Aepfel.
164. Pfirsiche.
165. Armenische Aepfel.
166. Medische Aepfel.
167. Birne.
168. Wilder Birnbaum.
169. Mispel.
170. Die andere Mispel.
171. Lotos.
172. Kornelkirsche.
173. Speierlingsfrucht.
174. Pflaumenbaum.
175. Erdbeerbaum.
176. Mandelbaum.
177. Pistacien.
178. Wallnüsse.
179. Haselnüsse.
180. Maulbeerbaum.
181. Sykomore.
182. Feige auf Kypern.
183. Feigen.
184. Wilder Feigenbaum.
185. Winterfeigen.
186. Aschenlauge des Feigenbaumes.
187. Persea.

1. Iris.

Iris germanica, Iris florentina (Iridaceae) - Deutsche und Florentinische Schwertlilie

Die Iris [die Einen nennen sie die illyrische, die Anderen Thelpide, die
himmlische, reinigende, wunderbare, die Römer marica, auch Gladiolus,
Opertritos, Consecratrix, die Aegypter Nar ist nach der Aehnlichkeit mit
dem Regenbogen benannt. Sie hat der Siegwurz ähnliche Blätter, aber
grösser, breiter und glänzender. Die Blüthen stehen auf Stielen in gleicher
Entfernung, sind zurückgebogen, verschiedenartig gefärbt, denn man sieht
weisse, blassgelbe, purpurfarbige oder bläuliche, darum wird sie wegen der
Farbenverschiedenheit dem Regenbogen am Himmel verglichen. Die Wurzeln
darunter sind gegliedert, fest, wohlriechend; dieselben worden abgeschnitten,
im Schatten getrocknet und, auf eine Schnur gezogen, aufbewahrt. Die beste
ist die illyrische und makedonische, und unter diesen verdient den Vorzug die
mit Würzelchen dicht besetzte, hie und da verstümmelte, schwer zu
brechende Wurzel, welche von hellgelber Farbe, sehr wohlriechend ist
und auf der Zunge brennt, [welche einen reinen Geruch hat und nicht
feucht ist], und beim Zerstossen Niesen erregt. Die libysche ist ge-
ringer an Kraft, hat eine weisse Farbe und bitteren Geschmack. Beim
Aelterwerden verfallen sie dem Wurmfrasse, werden aber wohlriechender
und haben erwärmende Kraft, vertreiben, mit doppelt so viel weisser Nies-
wurz aufgelegt, Sonnenbrandflerken und Leberflecken. Sie füllen die Ge-
schwüre mit Fleisch aus, verdünnen die schwer auszuwerfenden Flüssig-
keiten und benehmen einem verderbenbringenden Mittel die Kraft, wenn
sie mit Honigmeth genossen werden. Sie sind aber auch schlafmachend,
verursachen Thränen und heilen Leibschneiden. Mit Essig genommen sind
sie denen heilsam, die von giftigen Thieren gebissen sind, ebenso auch
Milzsüchtigen und denen, die an Krämpfen leiden, die von Kälte und
Frostschauern ergriffen sind und denen, die an Samenfluss leiden. Mit
Wein genommen, befördern sie die Katamenien, auch ist die Abkochung
davon zu Bähungen für Frauen sehr geeignet, indem sie die Stellen
erweicht und öffnet. Mit Honig als Paste eingeführt, ziehen sie den
Embryo heraus. Sie erweichen auch Drüsen und alte Verhärtungen, wenn
sie gekocht umgeschlagen worden. Ferner sind sie wohlthuend bei Kopf-
schmerzen, wenn sie mit Essig und Rosensalbe ausgestrichen werden.
Endlich werden sie auch den Zäpfchen, Pflastern und Salben zu-
gemischt; überhaupt sind sie zu Vielem nützlich.

2. Akoron.

Acorus calamus (Araceae) - Gewürzhafter Kalmus

Das Akoron [Einige nennen es Choros aphrodisias, die Römer Venerea,
auch Radix nautica, die Gallier Peperacium] hat Blätter denen der Schwert-
lilie ähnlich, aber schmaler, und ihr nicht unähnliche Wurzeln, die aber mit
einander verflochten und nicht gerade gewachsen sind, sondern schief, zu Tage
treten und durch Absätze unterbrochen sind, weisslich, mit scharfen Geschmack
und nicht unangenehmem Geruch. Den Vorzug verdient das dichte und weisse,
nicht (von den Würmern) zerfressene und duftreiche. Ein solches ist das,
welches in Kolchis und Galatien Splenion genannt wird. Die Wurzel
hat erwärmende Kraft. Eine Abkochung davon getrunken treibt den
Harn, ist auch ein gutes Mittel bei Lungen-, Brust- und Leberleiden, bei
Leibschneiden, Zerreissungen und Krämpfen. Sie erweicht die Milz,
hilft den an Harnzwang Leidenden und den von giftigen Thieren Ge-
bissenen, und eignet sich wie die Schwertlilie zu Sitzbädern bei Frauen-
krankheiten. Der Saft der Wurzel vertreibt die Verdunkelungen auf der
Pupille; mit Vortheil wird aber auch die Wurzel den Gegengiften zu-
gemischt.

3. Bärwurtz.

Athamantha meum (Umbelliferae) - Mutter- oder Bärwurz, Bärendill, Bärenfenchel

Das sogen. athamantische Meon wächst sehr häufig in Makedonien und
Spanien, an Stengel und Blättern dem Dill ähnlich, aber es ist dicker [kürzer]
als der Dill.Es erreicht eine Grösse von etwa zwei Ellen, ist [auch oft] unten
besetzt mit zarten, querlaufenden und geraden, langen, wohlriechenden, auf
der Zungebrennenden Wurzeln. Diese, mit Wasser gekocht oder auch un-
gekocht, fein zerrieben und genossen, lindern die Schmerzen bei Blasen- und
Nierenverstopfung und sind ein gutes Mittel gegen Harnverhaltung, gegen
Aufblähen des Magens und Leibschneiden, auch bei hysterischen Zuständen
und Gelenkleiden. Fein gerieben mit Honig als Latwerge dienen sie gegen
Brustrheumatismus, als Abkochung zum Sitzbade verwandt leiten sie das
Blut ab durch die Menstruation Auf die Schamtheile der Kinder ge-
legt, treiben sie den Harn. Wird es mehr, als nötig ist, genommen,
so verursacht es Kopfschmerz.

4. Cyperngras.

Cyperus rotundus, Cyperus longus (Cyperaceae) - Rundes und Langes Cyperngras.

Der Kypeiros - Einige nennen ihn gerade so wie den Aspalathos
Erysiskeptron [die Römer Binsenwurzel, auch Binse]. Er hat Blätter wie
der Lauch, aber länger und dünner (und härter), einen Stengel von zwei
Ellen und mehr Höhe, kantig, der Binse ähnlich, an dessen Spitze sich ein
Ansatz von kleinen Blättchen und Samen befindet. Die Wurzeln darunter,
von denen auch Gebrauch gemacht wird, sind länglich wie Oliven, unter
sich zusammenhängend oder auch rundlich, schwarz, wohlriechend, etwas
bitter. Er wächst aber in bebauten und sumpfigen Gegenden. Die beste
Wurzel ist die sehr schwere und dichte, vollkrätftige, schwer zu brechende,
rauhe, die einen mit einer gewissenSchärfe verbundenen Wohlgeruch hat;
eine solche ist die kilikische und syrische, und die von den kykladischen
Inseln. Sie hat eine erwärmende, eröffnende, harntreibende Kraft, hilft
den an Blasenstein und Wassersucht Leidenden und ist auch ein gutes
Mittel gegen Skorpionstiche; ferner ist sie in der Räucherung heilsam
bei Erkältung und Verstopfung der Gebärmutter) und befördert die Men-
struation. Trocken fein zerrieben heilt sie Geschwüre im Munde und
fressende Gesrhwüre. Ferner wird sie erwärmenden umschlägen zugesetzt
und eignet sich besonders zum Verdichten der Salben. Es wird be-
richtet, dass in Indien noch eine andere Art Kypeiro vorkomme, dem
Ingwer ähnlich, welche sich beim Zerkauen safranfarbig und bitter er-
weist. Eingesalbt aber vertreibt sie alsbald die Haare.

5. Kardamomon.

Elettaria cardamomum, Alpinia cardamomum (Zingiberaceae) - Kardamom

Das beste Kardamomon wird aus Komagene, aus Arabien und vom
Bosporus bezogen; es wächst in Indien und Arabien. Man wähle das,
welches schwer zu zerbrechen, voll und rasselnd ist [denn was diese
Eigenschaft nicht hat ist zur unrechten Zeit gesammelt], welches einen
betäubenden Geruch und scharfen, bitterlichen Geschmack hat. Es hat
erwärmende Kraft. Mit Wasser genommen wirkt es gegen Epilepsie,
Husten, Isschias, Paralyse, Zerreissungen, Krämpfe, Leibschneiden und
treibt den Bandwurm ab. Mit Wein genommen ist es ein gutes Mittel bei
Nierenleiden, Harnverhaltung, gegen Skorpionstiche und alle Bisse giftigen
Thiere. Mit 1 Drachme von der Wurzelrinde des Lorbeers getrunken zer-
trümmert es den Blasenstein. In der Räucherung tödtet es den Embryo,
und mit Essig eingerieben vertreibt es die Krätze. Es wird aber auch den
Salben zum Verdichten zugesetzt [ebenso den anderen Gegenmitteln].

6. Narde.

Valeriana oder Patrinia Jatamansi und Patrinia scabiosaefolia (Valerianaceae) -
Indische Narde und syrische Narde

Es gibt zwei Arten Narde, und zwar heisst die eine die indische, die andere
die syrische, nicht aber weil sie in Syrien gefunden wird, sondern weil die
eine Seite des Gebirges, an dem sie wächst, nach Indien, die andere nach
Syrien gerichtet ist. Von der als syrische bezeichneten ist diejenige die beste,
welche frisch, leicht, reichdoldig, gelbfarbig und sehr wohlriechend ist, und
zwar im Dufte dem Cyperngrase gleich, welche eine dichte Aehre, einen
bitteren Geschmack hat, die Zunge austrocknet und den Wohlgeruch ziemlich
lange behält. Eine Art der indischen heisst Gangitis von einem gewissen Flusse
mit Namen Ganges, welcher an dem Gebirge, wo sie wächst, vorbei-
fliesst. Sie ist an Kraft schwächer, weil sie aus feuchten Gegenden
stammt, ist auch länger und hat viele aus derselben Wurzel spriessende
vieldoldige und unter sich verflochtene Aehren mit stinkendem Geruch.
Die gebirgige dagegen ist dunkler, wohlriechender, hat kürzere Aehren
und ähnelt im Geruch dem Cyperngrase; dabei hat sie die übrigen Eigen-
schaften der als syrische bezeichneten. Eine Art heisst auch die sam-
pharitische, sie ist sehr kurz und nach ihrer Heimath benannt, mit
grossen Aehren, in deren Mitte sie zuweilen einen helleren Stengel mit
übermässig starkem Bocksgeruch treibt; dieser muss weggeworfen werden.
Sie wird aber auch ausgesogen in den Handel gebracht; dieses erkennt
man daran, dass die Aehre weiss und dürr ist und keinen Flaumbesatz
hat. Sie verfälschen sie auch durch Imprägniren mit Schwefelantimon
und Wasser oder Palmwein, damit sie compacter und schwerer wird.
Beim Gebrauche muss man, wenn Schmutz an den Wurzeln hängen sollte,
diesen entfernen und den Staub absieben, welcher zum Waschwasser der
Hände verwandt werden kann. Sie haben erwärmende, austrocknende,
urintreibende Kraft, weshalb sie genossen auch den Stuhlgang und, in
Zäpfchen eingelegt, die Ausflüsse aus der Gebärmutter stellen, sowie die
Säfte in Ordnung bringen. Mit kaltem Wasser genommen helfen sie
gegen Uebelkeit, Magenschmerzen, Blähungen, Leberleiden, Gelbsucht und
Nierenleiden. In Wasser abgekocht und zum Dampfsitzbade angewandt,
heilen sie die Gebärmutterentzündungen. Ferner wirken sie gegen die in
den Augen abgesonderte, die Augenlider faulende Flüssigkeit, indem sie
die Winipern kräftigen und verdichten, auch dienen sie zu Aufstreupulver
für feuchte Körper. Weiterhin werden sie den Gegengiften zugesetzt. Zu
Augenmitteln aber werden sie mit Wein fein zerrieben, geformt und in
einem unverpichten neuen Gefässe aufbewahrt.

7. Keltische Narde.

Valeriana celtica (Valerianaceae) - Keltische Narde, Keltischer Baldrian

Die keltische Narde wächst wohl in den Alpen Liguriens, wo sie landläufig
Saliunca genannt wird. Sie wächst aber auch in Istiren. Es ist ein sehr kleiner,
Strauch, welcher sammt den Wurzeln in Bündeln wie eine Handvoll ge-
sammelt wird. Sie hat längliche, etwas gelbliche Blätter und eine hoch-
gelbe Blüthe. Nur die Stengel und Wurzeln stehen im Gebrauch und
haben Wohlgeruch. Deshalb muss man die Bündel, nachdem man das
Erdige entfernt hat, am ersten Tage mit Wasser besprengen und sie an
einem feuchten Orte auf untergelegtem Papier hinlegen und sie am fol-
genden Tage reinigen; denn mit der Spreu und Nichtdazugehörigem wird
durch den Einfluss der Feuchtigkeit das Brauchbare nicht zugleich mit
hinweggenommen. Sie wird aber verfälscht durch ein mit ihr zusammen
ausgerupftes, ihr ähnliches Kraut, welches man nach dem Geruch stin-
kendes Böckchen nennt. Die Erkennung ist jedoch leicht, denn die
Pflanze hat keinen Stengel, ist heller und hat weniger längliche Blätter,
auch hat sie nicht eine bittere und aromomatische Wurzel, wie es bei der
Jachten ist. Will man sie (die Narde) aufbewahren, so soll man daher die
Stengelchen und Wurzeln, indem man die Blätter wegwirft, absondern,
sie, fein zerrieben, in Wein aufnehmen und zu Zeltchen formen und sie
in einem neuen irdenen Gefässe wegsetzen, dieses sorgfältig verschliessend.
Die beste ist die frische und wohlriechende, die wurzelreiche, nicht leicht
zerbrechliche und volle. Sie hat dieselbe Kraft wie die syrische, ist aber
noch harntreibender und magenstärkender. Sie hilft auch bei Leberent-
zündungen, bei Gelbsucht und Aufblähen des Magens, wenn sie mit Wer-
muthabkochung getrunken wird, in gleicher Weise bei Milz-, Blasen-,
Nierenleiden und gegen den Biss giftiger Thiere, wenn sie mit Wein
genommen wird. Auch wird sie den erwärmenden Umschlägen, Tränken
und Silben zugesetzt.

8. Bergnarde.

Nardus tuberosa (Valerianaceae) - Knollenwurzeliger Baldrian

Die Bergnarde, von Einigen auch Thylakitis und Neris genannt, wächst in Kiliken
und Syrien und hat Blätter und Stengel wie Erynx, aber weicher [näm-
lich nicht rauh und stachelig. Die Wurzeln darunter sind schwarz, wohl-
riechend, zwei oder mehrere, wie die des Asphodeles, aber schmaler und
viel kleiner. Weder Stengel noch Frucht noch Blüthen nutzen etwas,
aber die Wurzel hilft gegen Alles, wogegen die keltiselie Narde (ge-
braucht wird).

9. Haselwurz.

Asarum europaeum (Aristolochiaceae) - Gemeine Haselwurz

Die Haselwurz, welche Einige auch wilde Narde nennen [die Propheten Blut
des Mara, Osthanes Thesa, dieAegypter Kereeran, die Römer Peripresa, Andere
auch Bakchar, die Thusker Succinum, Bauernnarde], [eine wohlriechende Kranz-
pflanze], hat Blätter ähnlich dem Epheu, aber viel kleiner und runder.
Die Blüthen zwischen den Blättern dicht über der Wurzel sind purpur-
farben, denen des Bilsenkrauts oder der Grantablüthe ähnlich, der Same
gleicht den Weinbeerenkernen. Die Wurzeln darunter sind zahlreich,
gliederig, schräg wie bei Agrostis, aber viel dünner und wohlriechend,
erwärmend, auf der Zunge beissend. Ihre Kraft ist harntreibend, er-
wärmend und Brechen erregend, ein gutes Mittel für Wassersüchtige und
solcher die an chronischer Ischias leiden; sie befördern auch die monat-
liche Reinigung. Mit Honigwisser (Honigmeth) in einer Gabe von
6 Drachmen getrunken führen sie ab, wie weisse Nieswurz. Sie werden
auch den wohlriechenden Salben zugemischt. Sie (die Haselwurz) wächst
an schattigen Bergen, am meisten in Pontus und Phrygien, in Illyrien und
bei den Vestinern in Italien.

10. Phu.

Valeriana dioscorides oder Valeriana officinalis (Valerinaceae) - Gemeiner Baldrian

Das Phu - Einige nennen auch dieses wilde Narde - wächst in Pontus und
hat Blätter ähnlich denen der wilden Pastinake oder des Pferdseppich,
einen ellenlangen oder höheren Stengel, glatt, weich, etwas purpurfarbig,
innen hohl und durch Gelenke etwas abgetheilt. Die Blüthe kommt auf die
der Narde hinaus, ist aber grösser und zarter und vom weissen Grunde aus
purpurartig gefärbt. Die Wurzel hat am oberen Theile die Dicke des kleinen
Fingers, sie hat aber daran querlaufende Würzelchen wie etwa die Binse
oder die schwarze Nieswurz, unter einander verflochten, gelblich, wohlriechend,
an Duft der Narde ähnelnd, aber mit einer gewissen stinkenden Strenge.
Trocken genommen hat es die Kraft, zu erwärmen und den Urin zu treiben;
auch seine Abkochung leistet dasselbe und wirkt gegen Seitenschmerz.
Es befördert die Katamenien und wird den Gegengiften zugemischt. Es wird
verfälscht durch Beimengung der Wurzeln der Stachelmyrte; ihre Erkennung
ist aber leicht, denn sie sind härter und schwerer zu zerbrechen und ohne
Wohlgeruch.

11. Malabathron.

Laurus cassia (Laurineae) oder Cinnamomum cassia, aromat., tamala -
Kassienlorbeer

Einige nehmen an, das Malabathron sei das Blatt der indischen Narde, verleitet
durch die Aehnlichkeit im Geruch; es haben nämlich viele Pfleinzen einen
nardenartigen Geruch, wie das Phu, die Haselwurz, Neris. Die Sache ver-
hält sich aber nicht so. Es ist eine besondere, in den indischen Sümpfen
wachsende Art, indem es ein Blatt ist, welches auf dem Wasser schwimmt,
gerade so wie die auf den Sümpfen sich findende Linse, ohne dass es
eine Wurzel hat. Die Sammler ziehen es rasch auf eine Leinenschnur
zum Trocknen und bewahren es auf. Man sagt, daso, nachdem das Wasser
durch die sommerliche Hitze verschwunden ist, der Boden mit Strauch-
werk gebrannt werde, denn, wenn dies nicht stattfände, wachse es nicht.
Gut ist es, wenn es frisch , beim Einweichen weisslich, nicht zerbrech-
lich und ganz unversehrt ist, wenn es einen durchdringenden Duft mit
lange anhaltendem nardenartigem Wohlgeruch und dabei keinen salzigen
Geschmack hat. Das schwache und zerbröckelte, welches einen muffigen
Duft von sich gibt, ist unbrauchbar. Es hat dieselbe Kraf wie die Narde; aber
jenes leistet Alles kräftiger. So hat das Malabathron eine harntreibendere
und magenstärkendere Kraft, auch gegen Augenentzündungen eignet es
sich, wenn es mit Wein behandelt, fein zerrieben und eingestrichen
wird. Es wird aber auch unter die Zunge gelegt zum Wohlgeruch des
Mundes und zwischen die Kleider, denn diese schützt es vor (Motten-)
Frass und macht sie wohlriechend.

12. Kassia.

Cinnamomum spec. (Lauraceae) - Zimmt

Von der Kassie gibt es mehrere Sorten, welche in dem gewürzliefernden
Arabien wachsen. Sie hat einen dickrindigen Zweig, Blätter wie der Pfeffer.
Wähle die ins Gelbliche spielende, gut aussehende, korallenähnliche, sehr
dünne, lange und feste, die voll voll Röhren ist, die einen beissenden und
zusammenziehenden, zugleich einen einigermasseen brennenden, würzigen
Geschmack und einen weinartigen Geruch hat. Die so beschaffene wird von
den Eingeborenen Achy genannt. Bei den Kaufleuten in Alexandrien führt
sie den Namen Daphnitis. Dieser steht aber voran die dunkle und purpur-
farbene, dichte, genannt Zigi, die einen Rosenduft hat. Und um besten zum
medicinischen Gebrauch sich eignet. An zweiter Stelle dann kommt die
vorher genannte. Die dritte ist der sogen. mosylitische Zweig, die übrigen
aber sind minderwerthig, wie die Aphysemon genannte dunkle, unan-
genehm riechende, mit dünner oder auch rissiger Rinde, oder wie die als
Kitto und Dakar bezeichnete. Es gibt aber auch eine ungeheuer ähn-
liche falsche Kassia, welche durch den Geschmack erkannt wird, der
weder scharf noch gewürzhaft ist; sie hat die Rinde, welche dem Mark
angrenzt. Es wird aber auch eine breite Röhre angetroffen, zart, leicht,
schlank, welche wohl den Vorzug vor der anderen hat. Verwirf aller die
weissliche, krätzig aussehende, die einen bockartigen Geruch hat, und die,
welche keine dicke, sondern eine krätzige und schwache Röhre hat. Sie hat
erwärmende, harntreibende, austrocknende und gelind adstringirende Kraft.
Sie eignet sich sehr zu Augenmitteln für Scharfsichtigkeit und zu Um-
schlägen. Mit Honig eingesalbt, entfernt sie die Leberflecke, innerlich
genommen befördert sie auch die Menstruation und hilft den von der
Otter gebissenen, getrunken ferner hilft sie gegen alle inneren Entzün-
dungen und endlich den Frauen im Sitzbade und in der Räucherung zur
Erweiterung des Muttermundes. Die doppelte Menge den Arzneimitteln
zugemischt, wenn Kinnamomon mangeln sollte, leistet dasselbe. Gar sehr
ist sie endlich zu Vielem nützlich.

13. Zimmt.

Cinnamomum spec. (Lauracea) - Zimmt

Vom Zimmt gibt es mehrere Sorten, welche nach dem Ursprungslande
benannt worden. Den Vorzug verdient der Mosylon, weil er eine ziemlich
grosse Aehnlichkeit mit der Mogylites genannten Kassia aufweist, und von
diesem der frische, dunkelfarbige, auf weinfarbigem Grunde aschgraue, der
dünne und glatte Zweige und zahlreiche Knoten hat und sehr wohlriechend
ist. Denn zunächst hängt die Beurtheilung für grösste Güte von der Eigen-
tümlichkeit des Wohlgeruches ab. Es findet sich nämlich bei dem besten
und ganz echten, dass der Geruch auf den der Raute hinauskommt
oder dem des Kardamom ähnlich ist. Ferner noch (verdient Vorzug)
auch der beim Kosten brennende und beissende und der zugleich mit
Wärme etwas salzig schmeckende, der beim Zerreiben nicht schnell zu-
sammenbackt, beim Zerbrechen stäubt und glatt ist zwischen den Knoten.
Prüfe ihn aber, indem du von einer Wurzel den Zweig nimmst, denn
eine solche Prüfung ist leicht auszuführen. Man trifft nämlich Mischungen
von Bruchstücken, welche, indem sie gleich im Anfange der Untersuchung
das Bessere mit ihrem Hauch umgeben und den Geruch vollständig aus-
füllen, die Erkenntniss des Schlechteren erschweren. Es gibt aber auch
einen Bergzimmt, dick, kurz, von hellgelber Farbe; dann einen dritten
vom Mosylon ab, dunkel und sehr wohlriechend, gut schlank und ohne
viele Knoten. Ein vierter ist weiss, locker, knollenartigen Aussehens
und schwach, dabei leicht zerbrechlich und mit einer grossen, der der
Kasgia etwas ähnlichen Wurzel, der fünfte, mit durchdringendem Geruch,
ist hellgelb und hat auch eine Rinde, ähnlich der der gelben Kassia,
hart anzufühlen, nicht sehr faserig, und eine dicke Wurzel. Was von
diesen nach Weihrauch, Myrte, Nassia oder Amomuin riecht, ist schlechter.
Verwirf den weissen, krätzig aussehenden, den mit runzeliger Rinde und
den nicht glatten, auch den holzigen aus der Nähe der Wurzel scheide
als unbrauchbar aus. Es gibt auch noch etwas anderes Ähnliches, das
sogen. Pseudokinnamomon; es ist minderwertig, von nicht kräftigem Ge-
ruch und geringer Kraft; es wird aber auch Zingiber genannt und ist das
Holz des Zimmts, es hat eine gewisse Aehiilichkeit mit dem Zimmt. Es
ist aber ein heller Zimmt, welcher lange und kräftige Zweige und einen
viel geringeren Wohlgeruch hat. Von Einigen wird behauptet, dass auch
der Abstammung nach das Zimmtholz vom Ziinmt sich unterscheide, indem
es von anderer Natur sei.
Sämmtlicher Zimmt hat erwärmende, harntreibende, erweichende, die
Verdauung befördernde Kraft. Genossen befördert er die Menstruation
und treibt die Frucht ab, und mit Myrrhe aufgelegt hilft er gegen gift-
bissige und todtbringende Thiere; auch entfernt er die Verdunkelungen
der Pupille, er erwärmt zugleich und verdünnt. Mit Honig aufgestrichen ver-
treibt er Leberflecke und Sommersprossen; er wirkt auch gegen Husten
und Katarrh, gegen Wassersucht, Nierenleiden und Harnverhaltung. Auch
wird er den kostbaren Salben zugemischt, ist überhaupt zu vielem nütz-
lich. Für längere Zeit wird er aufbewahrt, indem er zerstossen in Wein
aufgenommen und im Schatten aufbewahrt wird.

14. Amomum.

Amomum verum - Kardomomenart

Das Amomum ist ein kleiner Strauch, gleichsam eine aus dem Holze sich
verwickelte Traube. Es hat eine kleine Blüthe, wie die Levkoie, Blätter
ähnlich denen der Zaunrübe. Das beste ist das armenische, goldfarbige,
mit dunkelgelbem Holze, sehr wohlriechende. Das medische dagegen ist,
weil es in flachen und nassen Gegenden wächst, schwächer. Es ist gross,
grüngelb, weich anzufühlen und hat faseriges Holz, an Geruch ähnelt es
dem Dosten. Das pontische ist gelblich, nicht gross und nicht schwer zu
zerbrechen, traubenförmig, vollfrilchtig und von betäubendem Geruch.
Wähle das frische und weisse oder röthliche, nicht das zusammengedrückte
oder gepresste, sondern das entfaltete und ausgebreitete, welches voll von
Samen ist, der den Weintraubenkernen gleicht, das schwere, sehr wohl-
riechende, von Schimmel (Moder) freie, scharfe, beissend schmeckende,
welches eine einfache und nicht bunte Farbe hat.
Es hat erwärmende, zusammenziehende, austrochnende, schalfmachende
und, auf die Stirn gestrichen, schmerzstillende Kraft, bringt Geschwülste
und bösen (wabenartigen) Kopfausschlag zur Reife und zertheilt sie.
Mit Basilienkraut zusammen aufgestrichen, hilft es den vom Skorpion Ge-
bissenen; es ist heilsam den an Podagra Leidenden und heilt zusammen
mit Rosinen Augen- und Eingeweideentzündungen. Mit Vortheil wird
es bei Frauenleiden auch zum Sitzbade angewandt. Der Genuss einer
Abkochung davon ist Leber- und Nierenleidenden und Podagrakranken
zuträglich. Es wird aber auch den Gegengiften und den kostbarsten der
Salben zugesetzt. Einige verfälschen das Amomum mit der sogen.
Amomis, welche dem Amomum ähnlich, aber geruchlos und ohne Frucht
ist, welche in Armenien wächst und eine Blüthe hat ähnlich der des
Dosten. Bei der Untersuchung derartiger Dinge muss man die Bruch-
stücke vermeiden. Wähle aber das aus, welches von einer einzigen Wurzel
stammende tadellose Triebe hat.

15. Kostus.

Costus speciosus oder arabicus (Scitamineae) - Schöne oder arabische Kostwurz

Den Vorzug verdient der arabische Kostus, der weiss und leicht ist und
einen kräftigen und angenehmen Geruch hat. An zweiter Stelle kommt
der indische, welcher dunkel ist und leicht wie Ferula. Der dritte ist der
syrische, er ist schwer, von buxbaumähnlicher Farbe und durchdringendem
Geruch. Am besten ist der frische, weisse, durchweg volle, dichte, harte,
nicht von Würmern angefressene, der keinen üblen Geruch hat, beissend
und brennend schmeckt.
Er hat erwärmende, harntreibende, die Menstruation befördernde
Kraft und ist bei Gebärmutterleiden heilsam in Zäpfchen, Bähungen und
Räucherungen. Genossen hilft er den von der Otter Gebissenen, mit
Wein und Wermuth auch gegen Krämpfe und Blähungen; mit Honigwein
reizt er zum Liebesgenuss; mit Wasser aber treibt er den Bandwurm ab.
Mit Oel als Salbe dient er gegen Fieberschauer vor den Anfällen, und
gegen Lähmungen; mit Wasser oder Honig aufgetrieben vertreibt er die
Sonnenbrandflecken. Er wird auch den Salben und Gegengiften zugesetzt.
Einige mengen aber die stärksten Wurzeln des komagenischen Alant dar-
unter, um ihn zu verfälschen. Die Erkennung ist aber leicht, denn der
Alant hat weder den feurigen Geschmack noch den kräftigen durch-
dringenden Geruch.

16. Bartgras.

Andropogon schoenanthus (Gramineae) - Wohlriechendes Bartgras.

Eine Art Bartgras wächst in Lybien, eine in Arabien, eine andere im
sogen. Nabathäerlande. Dieses ist das beste. An zweiter Stelle kommt
das arbaische, welches einige das babylonische, andere Teuchitis nenen.
Das lybische ist aber nutzlas. Wähle das frische, röthliche, vielblüthige,
das beim Spalten purpurfarbig und weiss ist, einen rosenartigen Wohl-
geruch hat, wenn es mit den Händen gerieben wird, und mit vielem Feuer
auf der Zunge brennt. Im Gebrauch steht die Blüthe, der Halm und die Wurzel.
Es hat harntreibende, die Menstruation befördernde, die Winde vortheilende,
schwere Kopfschmerzen verursachende, mässig adstringirende, dabei auch
nährende, die Verdauung befördernde und eröffnende Kraft. Der Trank von der
Blüthe ist daher heilsam gegen Blutsturz und Magen-, Lungen-, Leber-
und Nierenleiden; sie wird auch den Gegengiften zugemischt; die Wurzel
ist stärker adstringirend, deshalb wird sie auch bei Ekelempfinden des
Magens, sowie bei Wassersucht und Krämpfen gegeben, 1 Drachme mit
gleichviel Pfeffer einige Tage hindurch. Die Abkochung derselben ist
als Sitzbad bei Gebärmutterentzündungen ein zuträgliches Mittel.

17. Kalmus.

Calamus aromaticus

Der gewürzhafte Kalmus wächst in Indien; als schönster ist derselbe röthlich,
dicht mit Knotenbesetzt und beim Brechen vielsplitterig, den Halm angefüllt
mit Spinngeweben, weisslich, beim Zerkauen zähe, adstringirend, etwas scharf.
Genossen vermag er den Harn zu treiben; darum ist er mit Quecken
oder Petersiliensamen gekocht und getrunken Wassersüchtigen, Nieren-
kranken, an Harnzwang Leidenden und bei inneren Rupturen wirksam.
Die Menstruation befördert er getrunken und in Zäpfchen eingelegt. Den
Husten heilt er als Räucherung angezündet sowohl allein als auch mit
Terpentinharz, indem der Rauch durch ein Rohr in den Mund gesogen wird.
Er wird aber auch zu Sitzbildern für die Frauen abgekocht. Dann wird
er auch den Salben und Räucherungen zum Wohlgeruch zugesetzt.

18. Balsam.

Balsamodendron gileadense oder Amyris gileadensis (Terebinthinaceae) -
Aechter Balsamstrauch

Der Baum erscheint von der Grösse des Lykions oder Feuerdorns und hat
Blätter denen der Raute ähnlich, aber viel heller und mehr immtergrün er
wächst nur in Indien in einem bestimmten Thale und in Aegypten.
Sie (die Bäume) unterscheiden sich von einander durch Rauheit,
Grösse und Schlankheit. Darum wird das Dünne und Haarförmige des
Strauches der Schnitt genannt, jedenfalls weil es, da es schlank ist, leicht
zu schneiden ist. Das sogen. Opobalsamon wird gewonnen in der Zeit
der Hundstagshitze, indem der Baum mit eisernen Werkzeugen ange-
schnitten wird. Es fliesst jedoch spärlich, so dass zu jeder Zeit nicht
mehr als sechs bis sieben Chus gesammelt werden; es wird aber in
dortiger Gegend um das Doppelte Silber verkauft. Gut ist aber der
Saft, wenn er frisch ist, einen kräftigen Geruch hat und unverfälscht ist,
säuerlich schmeckt, leicht fliesst, blank und zusammenziehend ist und auf
der Zunge mässig beisst. Er wird aber auf mancherlei Weise verfälscht.
Die Einen Mischen nämlich Salböle darunter, wie Terpentin, Cyperngras-,
Mastix-, Lilien-, Behenöl, Bittermandelöl, Honig, sehr flüssige Myrten- oder
Cyperngrassalbe. Ein solcher wird aber leicht durch die Prüfung erkannt.
Wird nämlich der reine Balsam auf Wollzeug getröpfelt, so hinterlässt
er nach dem Auswaschen weder einen Fleck noch Schmutz, der verfälschte
aber bleibt. Ferner auf Milch getröpfelt macht er diese gerinnen, was
der gefälschte nicht thut. Wird weiter der ächte auf Milch oder Wasser
getröpfelt, so zerfliesst er rasch und milchig, der verfälschte dagegen
schwimmt darauf wie Oel, in sich zusammengeballt, dann sternförmig sich
ausbreitend. Mit der Zeit jedoch verdickt sich auch der ächte, er wird
voll selbst schlechter. Diejenigen irren aber, welche glauben, dass der-
selbe, wenn er ächt ist, auf das Wasser getröpfelt zunächst zu Boden
sinke, dann als leicht zerfliesslich aufwärts dringe.
Daz Holz, welches Xylobalsamon genannt wird, ist geschätzt, wenn
es frisch ist, dünne Zweige hat und röthlich und wohlriechend ist, und
kurze Weile nach Opobalsamon duftet. Von der Frucht, denn auch diese
steht im nothwendigen Gebrauelie, wähle die gelbe, volle, grosse, schwere,
mit beissendem und brennendem Geschmack, die mässig nach Opobalsamon
riecht. Von Petra aber, wo die Frucht verfälscht wird, kommt ein Same,
dem Johanniskraut ähnlich, diesen wirst du daran erkennen, dass er
grösser, leer und kraftlos ist und nach Pfeffer schmeckt.
Der Saft hat sehr stark wirkende Kraft, da er in hohem Grade er-
wärmend ist, die Verdunkelungen auf der Pupille vertreibt und die Er-
kältungen der Gebärmuttergegend heilt, wenn er mit Rosenwachssalbe ein-
gelegt wird. Er befördert die Menstruation, treibt die Nachgeburt und
den Fötus aus und löst eingesalbt die Erstarrung. Auch reinigt er die
Wunden von Schmutz. Getrunken ferner ist er die Verdauung befördernd
und harntreibend, den Engbrüstigen zuträglich, mit Milch auch denen,
die Akonit genossen haben und den von wilden Thieren Gebissenen. Er
wird auch den Salben, Pflastern und Gegengiften zugemischt. Und im
Allgemeinen hat die kräftigste Wirkung der Balsamsaft, die nächste die
Frucht, die schwächste das Holz. Die Frucht, getrunken, ist für die ein
gutes Mittel, welche an Seitenstechen, Lungenentzündung, Husten, Lenden-
gicht, Fallsucht, Schwindel, Athemnoth, Leibschneiden, Harnverhaltung
leiden, die voll giftigen Thieren gebissen sind; ferner eignet er sich zu
Räucherungen für Frauen, und in der Abkochung zum Sitzbade er-
öffnet er den Muttermund indem er die Feuchtigkeit in sich zieht. Das
Holz hat dieselbe Kraft wie die Frucht, nur scwächer. Es hilft in der
Abkochung mit Wasser, getrunken, gegen Verdauungsschwäche, Krämpfe,
den von giftigen Thieren Gebissenen, von Krämpfen Befallenen, auch
treibt es den Harn und ist mit Irissalbe eingerieben bei Kopfwunden
heilsam; dann aber auch zieht es (Knochen-)Splitter aus und wird end-
lich den Verdichtungsmitteln der Salben zugesetzt.

19. Aspalathos.

Aspalathos

Der Aspalathos [Einige nennen ihn Erysiskeptron], Andere Sphagnon,
Phasganon, die Syrier Diaxylon] ist ein holziger Strauch mit vielen Dornen,
welcher in Istros, Nisyros, sowie auch in Syrien und auf Rhodos wächst,
und den die Salbenbereiter zum Binden des Wohlgeruches gebrauchen.
Gut ist der, welcher schwer, nach dem Entrinden etwas röthlich oder purpur-
farbig, dicht, wohlriechend und bitter von Geschmack ist. Es gibt davon
aber auch eine zweite Sorte, weiss, holzig und geruchlos, die aber für
schlechter gilt. Er hat erwärmende und zugleich adstringirende Kraft,
darum dient er mit Wein gekocht und damit gespült gegen Mundausschlag
(Soor), und als Einspülung gegen fressende und schmutzige Geschwüre
in den Schamtheilen, den Zäpfchen beigemischt zieht er den Fötus heraus.
Die Abkochung davon hemmt den Durchfall und den Blutßuss, befreit
auch von Harnverhaltung und Blähungen.

20. Bryon.

Usnea florida (Usneaceae) - eine Flechtenart

Das Bryon wird von Einigen auch Splachnon genannt, es findet sich auf
Ceder-, Pappel- und Eichbäumen. Den Vorzug verdient das der Ceder,
dann kommt das der Pappel; das wohlriechendste davon und das weisse
ist gut, das schwärzliche ist schlechter. Es hat adstringirende Kraft, hält
die Mitte zwischen Warm und Kalt, wirkt in Tränken und Sitzbädem
gegen Gebärmutterleiden. Es wird auch den Behensalben und Salböl wegen
seiner zusammenziehenden (verdichtenden) Wirkung zugesetzt, eignet sich
auch zur Bereitung von Räucherungen und kräftigenden Salben.

21. Agallochon.

Aloëholz

Das Agallochon ist ein aus Indien und Arabien hergebrachtes Holz, ähnlich
dem Thuja-Holze gesprenkelt, wohlriechend, beim Kosten etwas zusammen-
ziehend zugleich mit einer gewissen Bitterkeit, mit lederartiger und gefleckter
Rinde. Es dient zerkaut und in der Abkochung als Spülwasser zum Wohlgeruch
des Mundes, auch ist es ein Parfüm (Streupulver) für den ganzen Körper.
Es wird statt des Weihrauchs zum Räuchern benutzt. Die Wurzel davon
zu 1 Drachme genommen lindert die Schlaffheit, Schwäche und Hitze des
Magens. Denjenigen, welche all Seiten- und Leberschmerzen, welche an
Dysenterie oder Leibschneiden leiden, hilft es mit Wasser getrunken.

22. Naskaphthon.


Naskaphthon, nach Anderen Narkaphthon, auch dieses wird aus Indien
gebracht. Es ist rindenartig, ähnlich dem vom Maulbeerbaum Abgeschälten,
wegen seines Wohlgeruches wird damit geräuchert auch wird es den zu-
sammengesetzten Räuchermitteln zugemischt. In der Räucherung hilft es
auch gegen Gebärmutterverstopfung.

23. Kankamon.

Aleurites laccifera (Euphorbiacea) od. Ficus spec. (Artocarpeae) od.
Butea frondosa (Papilionacea) - Milchsaft, entstanden durch Stich der
Schildlaus (Coccus lacca)

Das Kankamon ist die Thräne eines arabischen Baumes, in gewisser Weise
der Myrrhe ähnlich, von widrigem Geschmack, welche man als ein Räucher-
mittel verwendet; man räuchert nämlich die Kleider damit zugleich mit
Myrrhe und Styrax. Es soll eine die Fetten abmagernde Kraft haben, wenn
es in der Menge von 3 Obolen mit Wasser oder Sauerhonig einige Tage
hindurch genossen wird. Es wird auch an der Leber und an Epilepsie Lei-
denden und Asthmatikern gegeben; ferner befördert es mit Honigwasser
die Menstruation, vertreibt rasch die Narben in den Augen und heilt mit
Wein behandelt die Schwachsichtigkeit. Gegen Zahnfleischfäule und Zahn-
schmerzen wirkt es wie kein anderes Mittel.

24. Kyphi.

Kyphi

Kyphi ist die den Göttern genehmste Räuchermischung, die Priester in
Aegypten wenden sie sehr häufig an. Es wird auch den Gegengiften zuge-
mischt und in Tränken den Asthmatikern gegeben. Es werden mehrere Zu-
bereitungsarten desselben angegeben, eine davon ist die folgende:
(Nimm) je ½ Xestes; Cyperngras, ebensoviel reife Wachholderbeeren,
12 Minen entkernte saftige Rosinen, 5 Minen gereinigtes Harz, gewürzhaften
Kalmus, Aspalathos, Schoinos, von jedem 1 Mine, 12 Drachmen Myrrhe,
9 Xestes alten Wein, 2 Minen Honig. Die Rosinen stosse nach der Entkernung
und verarbeite sie mit Wein und Myrrhe und das andere stosse und siebe
und mische es dann diesem zu und lasse es einen Tag auf einander einwirken,
nachdem du dann den Honig bis zur Leimconsistenz gekocht hast, mische
vorsichtig das geschmolzene Harz zu, darauf das Uebrige, nachdem du es
sorgfältig gestossen hast und bewahre es in einem irdenen Gefässe auf.

25. Safran.

Crocus sativus (Iridaceae) - Safran

[Einige nennen ihn Kastor, Andere Kynomorphos, die Propheten Blut des
Herakles.] Der bessere ist der korykische in Kilikien, von dem dortigen
Korykos, dann kommt der lykische von dem Olymp dort, der dritte ist der
von Aegis in Aegis. Der kyrenäische aber und der sicilische sind schwächer
in der Wirkung, obwohl saftreicher und leicht zu zerquetschen, deshalb täuschen
sie auch Viele. Zum medizinischen Gebrauch ist am besten der frische
und der eine hübsche Farbe und wenig Weisses hat, der etwas länglich,
ganz unverletzt, voll, beim Reiben wohlriechend ist, aber beim Befeuchten
die Hände färbt, der nicht schimmlig und etwas bitter ist. Der nicht so
beschaffene ist entweder unreif oder veraltet oder aufgeweicht. Er wird
verfälscht durch untermischtes Krokomagma oder indem er nach dem
Befeuchten mit eingekochtem Most, durch zerriebene Bleiglätte oder
Molybdaina, um das Gewicht zu erhöhen, gemischt wird. Dieses wird
aber dadurch erkannt, dass Staubartiges oder der Geruch von eingedecktem
Most auftritt und dass er befeuchtet den reinen Wohlgeruch nicht von
sich gibt. Thessalos nun behauptet, er habe einen eigenartigen Wohl-
geruch, Andere sagen, 3 Drachmen davon mit Wasser werden als ein
tödtliches Gift gegeben. In Wahrheit ist er harntreibend und etwas ad-
stringirend, deshalb wirkt er mit Wasser als Salbe gegen Rose und
gegen Augen- und Ohrenflüsse. Mit Milch wird er den Ohren- und
Mundsalben zugefügt. Er wirkt auch gegen den Rausch. Die Wurzel
der Pflanze, welche ihn liefert, mit süssem Traubenwein genommen treibt
den Urin.

26. Krokomagma.

Safranteig - Rückstand aus Safran und feiner Myrrhe, die mit Oel ausgezogen wurde

Das Krokomagma stammt her von dem Safransalböl, indem die Gewürze
ausgepresst und geformt worden. gut ist das, welches wohlriechend, etwas
nach Myrrhe duftend, schwer, dunkel, nicht holzig ist, beim Auseinander-
ziehen eine ziemliche Safranfarbe hat, fein, etwas bitter ist, Zähne und
Zunge kräftig und viele Stunden anhaltend färbt; ein solches ist das aus
Syrien.Es hat eine die Verdunkelungen auf der Pupille reinigende,
harntreibende, erweichende, die Verdauung befördernde und erwärmende
Kraft. Im Ganzen entspricht dieselbe der Kraft des Safrans, denn es
besteht zum grössten Theil daraus.

27. Alant.

Inula helenium (Compositae-Tubiflorae) - Alant

Der Alant - Einige nennen ihn Symphyton, Andere Persika, Medika,
Oresteion, Nektarion, Kleonia, idäischen Strauch, idäisches Wollkraut,
die RömerTerminalium oder Inula campana, die Aegypter Lenes] hat Blätter
ähnlich denen der schmalblätterigen Königskerze, aber rauher und länglich.
Er treibt einen rauhhaarigen Stengel, zwei Ellen hoch und höher, kantig, er
hat die Blätter nicht in grossen Abständen und an den Knoten gewisse Aus-
wüchse nach dem Muster der Blätter gestaltet. Aus jeder Achsel (kommen)
hochgelbe Blüthen und darin ist die Frucht wie die der Königiskerze, welche
beim Berühren Jucken erzeugt.Einen Stengel aber treibt er in gewissen
Gegenden nicht, eine gelbliche, wohlriechende, grosse, etwas scharfe, weich
anzufühlende Wurzel, von der wie bei der Lilie und dem Natterwurz
kräftige Schösslinge zum Fortpflanzen genommen werden. Er wächst
aber in bergigen, beschatteten und feuchten Gegenden. Die Wurzel wird
im Sommer gegraben und zerschnitten getrocknet. Die Abkochung davon
getrunken treibt den Urin und die Menstruation. Die Wurzel selbst mit
Lycium und Honig genommen hilft gegen Husten, Engbrüstigkeit (Ortho-
pnöe), innere Rupturen, Krämpfe, Blähungen, gegen den Biss giftiger Thiere,
indem sie sich überhaupt als wärmend erweist. Seine Blätter mit Wein ge-
kocht worden mit Erfolg den an Ischias Leidenden aufgelegt. In Süsswein
eingereicht ist sie (die Wurzel) wohlschmeckend. Die Einpöckeler trocknen
sie nämlich ein wenig, kochen sie dann und tauchen sie in kaltes Wasser,
worauf sie dieselbe in die eingeengte Abkochung legen und zum Ge-
brauch auf bewahren. Zerstossen und genossen hilft sie denen, die an
Blutsturz leiden.

28. Aegyptischer Alant.


Ein anderer Alant, erzählt Krateuas wächst teilweise in Aegypten. Es ist
eine krautartige Pflanze, welche ellenlange auf der Erde liegende Zweige hat,
wie der Quendel, Blätter denen der Linse ähnlich, aber grösser und zahlreich
an den Zweigen, eine blasse Wurzel, von der dicke eines kleinen Fingers,
unten dann, oben dicker, mit einer schwarzen Rinde. Er wächst in der
Nähe des Meeres und an sandigen Stellen. Eine Wurzel mit Wein ge-
nommen hat die Kraft, den von Giftthieren Gebissenen zu helfen.

29. Oel aus unreifen Oliven.

Olea europaea (Oleaceae)

Das beste Oel zum Gebrauch in gesunden Tagen ist das aus unreifen
Oliven, welches auch Omphakion genannt wird. Dabei hat den Vorzug
das frische, nicht scharfe, gut riechende; ein solches eignet sich aber auch
gut zur Bereitung der Salben. Es ist auch dem Magen bekömmlich
wegen seiner adstringierenden Kraft, heilt Wunden und befestigt die
Zähne, wenn es im Munde gehalten wird, auch hält es den Schweiss
zurück.

30. Gewöhnliches Oel.


Das ältere aber und fettere Oel ist für die Verwendung zu Arzneimitteln
geeignet. Im Allgemeinen ist jedes Oel erwärmend und das Fleisch er-
weichend, den Körper vor zu starker Abkältung schützend und zur Arbeit
erfrischend. Es hat auch die Eigenschaft, offenen Leib zu machen und zu
erweichen, dabei mildert es in der Mischung die Kräfte der beissenden
Mittel. Auch gegen tödliche Gifte wird es gegeben, wobei es anhaltend
getrunken und wieder erbrochen wird. Zu 1 Kotyle mit gleich viel Gersten-
schleim oder Wasser genommen führt es ab; den an Krämpfen Leidenden
wird es zu 6 Bechern mit Nutzen in einer Abkochung von Raute gegeben.
Auch die Würmer treibt es ab. Ganz besonders aber wird dasselbe gegen
Darmverschlingung eingesetzt. Das alte ist aber sowohl erwärmender
als auch stärker abführend. Es ist eine Salbe für Scharfsichtigkeit.
Sollte das alte Oel aber mangeln, so wird es auf diese Weise hergestellt:
Von vorhandenem Oele giesse das bessere in einen Kessel, koche, bis es
die Consistenz des Honigs erhalten hat und gebrauche es, denn es besitzt
dieselbe Kraft, wie das vorher genannte.

31. Oel des wilden Oelbaumes.


Das Oel des wilden Oelbaumes ist adstringirender, für den
Gebrauch in gesunden Tagen kommt es an zweiter Stelle. Es wirkt gegen
Kopfschmerzen an Stelle des Rosenöls, hält den Schweiss zurück und ver-
hindert das Ausfallen der Haare. Es vertreibt Schorf, bösen Grind und
Aussatz, auch verzögert es, jeden Tag eingerieben, das Grauwerden der
Haare.

32. Weisses Oel.


Das Öl wird auf folgende Weise weiss gemacht: Nimm solches von weisser
Farbe, welches nicht über ein Jahr alt ist, und giesse es in ein neues irdenes,
weithalsiges Gefäss, es sei ein Maass von 100 Kotylen. Dann setze es an die
Sonne und fülle es jeden Tag um Mittag mit einer Muschelschale um, es aus
der Höhe berabströmen lassend, damit es durch das fortwährende Bewegen
und Stürzen umgerührt wird und schäumt. Am achten Tage feuchte
50 Drachmen reinen Bockshornsamen mit warmem Wasser an und wirf
ihn angeweicht, ohne das Wasser auszudrücken, in das vorgenannte
Oel. Weiter gib hinzu von äusserst fettem, fein gespaltenem Fichten-
holz gleich viele Drachmen und lass es ebenso acht Tage auf einander
einwirken; nach diesen schöpfe das Oel mit einer Schale um. Das Ganze
nun, wenn die Operation beendet ist, bringe in ein neues, mit altem Wein
ausgespültes Gefäss, nachdem vorher 11 Unzen Steinkleesträucher und
ebenso viel Schwertlilie hineingestreut sind, und setze es bei Seite; wenn
aber nicht (es gut geworden ist), setze es wiederum an die Sonne. Und
das ist zu thun, bis es weiss geworden ist.

33. Sikyonisches Oel.


Nach dem Vorhergesagten lässt sich das sikyonische Oel auch so bereiten.
In einen weiten verzinnten Kessel giesse 1 Chous frisches weisses Oel von
unreifen Oliven und je ½ Chous Wasser und koche bei gelindem Feuer
unter schwachem Umrühren. Nach zweimaligem Aufkochen ziehe das
Feuer darunter weg und nach dem Abkühlen schöpfe das Oel mit einer
Schale aus. Dann gib anderes Wasser dazu und koche es damit, mache
das Uebrige, wie eben angegeben ist, und stelle es bei Seite. Dieses wird
aber vorzugsweise in Sikyon hergestellt und Sikyonion genannte Es hat
aber eine gewisse erwärmende Kraft und ist angezeigt bei Fiebern und
Nervenleiden. Die Frauen gebrauchen dasselbe auch beim Glänzend-
machen der Haut.

34. Der Schmutz der Bäder.


Der in den Bädern gesammelte (Schmutz) hat die Kraft zu erwärmen,
zu erweichen, zu zertheilen, alten dient er in Salbei gegen Risse und Ge-
schwülste (Kondylome).

35. Der Schmutz aus den Ringplätzen.


Der Schmutz, der sich aus den Ringplätzen den Sand dazu genommen hat,
gleicht dem Schmutz (der Bäder) und ist aufgelegt heilsam bei Gelenk-
anschwellungen; er hilft warm auch denen, die an Ischias leiden, wenn er
statt eine Salbe oder Bähung angewandt wird.

36. Der Schmutz der Turnplätze.


Auch der Schmutz von den Wänden der Turnplätze und der von den
Bildsäulen erwärmt und erweicht und zertheilt unreife Geschwüre, auch
ist er heilsam bei Hautabschälungen und alten Wunden.

37. Honigöl.


Das Honigöl fliesst in der Gegend von Palmyra in Syrien aus dem unteren
Stammende der Oelbäume, dicker als Honig, von süssem Geschmack, welches,
in einer Menge von 2 Bechern mit 1 Kotyle Wasser genommen, das Hohe und
Gallige aus dem Bauche abführt; kraftlos und schlaff aber werden diejenigen,
welche es nehmen, was jedoch keine Furcht einflössen darf, man muss diese
aufmuntern, dass sie nicht in Schlafsucht verfallen. Das Oel wird auch aus dem
Fette der Zweige bereitet. Das beste davon ist das alte, dickliche, fette und nicht
trübe. Es erwärmt aber und wirkt eingestrichen ganz besonders gegen die Ver-
dunkelungen auf der Pupille, heilt auch als Salbe Aussatz und Neuralgien (Sehnen-
schmerzen?).

38. Ricinusöl.

Ricinus communis (Euphorbiaceae) - Wunderbaum

Das Ricinusöl wird auf diese Weise hergestellt: Nimm beliebig viel reife
Krotonfrüchte, trockne sie in der Sonne, nachdem du den Platz mit einer
Horde belegt hast, bis die äussere (umschliessende) Rinde abfällt; dann
sammle das Fleisch, wirf es in einen Mörser und stosse es sorgfältig und
bringe es in einen verzinnten Kessel mit Wasser und lass es über unter-
gelegtem Feuer trocknen. Wenn es sämtliche in ihm enthaltene Flüssigkeit
abgegeben hat, hebe den Kessel vom Feuer, schöpfe das aufschwimmende
Oel mit einer Muschel ab und setze es bei Seite. Die Aegypter, weil
sie es reichlich gebrauchen, bereiten es auf andere Weise. Nach dem
Reinigen nämlich geben sie die Krotonfrüchte auf eine Mühle und mahlen
sie sorgfältig. Das Gemahlene bringen sie in Flechtkörbe und drücken
es mit einer Presse aus. Reif sind aber die Früchte, wenn sie von den
sie einschliessenden Hülsen sich lösen.
Das Ricinusöl wirkt gegen bösen Grind, Krätze und Entzündungen
am Gesäss; ferner gegen Verstopfung und Verdrehung des Uterus, weiter
gegen hässliche Wundnarben und Ohrenschmerzen. Den Pflastern zu-
gemischt macht es dieselben wirksamer. Getrunken führt es das Wässerige
durch den Bauch ab und treibt auch die Würmer aus.

39. Mandelöl.

Amygdalus communis (Rosaceae)

Das Mandelöl welches einige Metopion nennen, wird so dargestellt:
4 Choinikes reine und trockene bittere Mandeln stosse flott mit einer
hölzernen Keule in einem Mörser, bis es ein Teig geworden ist, dann gib
2 Kotylen heisses Wasser hinzu, lass eine halbe Stunde einwirken, von nun an
reibe wieder kräftiger, dann drücke es aus und presse es zum flachen Kuchen
und streiche das von den Händen ab in eine Muschel. Dann gib zu dem
Presskuchen wieder 1 Kotyle Wasser, und nachdem du sie hast einwirken
lassen, thue dasselbe. Es geben aber die 4 Choinikes 1 Kotyle. Es
wirkt aber gegen Schmerzgefühl in der Gebärmutter und hysterische
Krämpfe, gegen Verdrehungen und Entzündungen derselben Stellen, weiter
auch gegen Kopfschmerzen, Ohrenleiden, Ohrensausen und Ohrenklingen.
Es hilft auch den Leberkranken, denen, welche schwer harnen und an
Stein leiden, den Asthmatikern und Milzkranken. Es vertreibt ferner auch
mit Honig und Lilienwurzel und Cyperngras- oder Rosenwachsgalbe ge-
mischt die Male, Sommersprossen und Runzeln aus dem Gesicht; auch
beseitigt es die Schwachsichtigkeit. Mit Wein aber entfernt es bösen Schorf
und Kleingrind.

40. Behenöl.

Moringa oleifera / pterygosperma (Moringaceae) - Behennüsse

Auf gleiche Weise
wird das Behenöl bereitet. Es hat die Kraft, Male, Leberflecken,
Finnen und das Dunkle der Narben zu vertreiben, auch den Bauch zu
reinigen. Dem Magen ist es nicht zuträglich. Mit Gänsefett eingeträufelt
hilft es gegen Ohrenschmerzen, Ohrensausen und Ohrenklingen.

41. Sesam- und Wallnussöl.

Sesamum orientale (Pedaliaceae) und Juglans regia (Juglandaceae)

Sie werden auf ähnliche Art wie die vorhergenannten dargestellt,
indem das Sesamöl aus Sesamsamen, das Wallnussöl aus den Wallnüssen
bereitet wird. Sie haben dieselbe Wirkung wie das Behenöl.

42. Bilsenöl.

Hyoscyamus albus (Solanaceae) - Weisses Bilsenkraut

Das Bilsenöl wird so bereitet: Nimm den weissen, trockenen, frischen
Samen, zerstosse und mische ihn mit heissem Wasser, wie es beim
Mandelöl angegeben ist. Während du in der Sonne arbeitest, mische die
an den Händen getrockneten Theile dem Ganzen wieder zu, und dieses
thue, bis es dunkel und übelriechend wird. Nachdem du es durchgeseibt
und nachgepresst hast, setze es bei Seite. Es hilft gegen Ohrenleiden,
wird auch den Zäpfchen zugesetzt, da es erweichend wirkt.

43. Knidisches Oel.

Daphne Gnidium (Thymelaeaceae) - Rispenblüthiger oder Italienischer Seidelbast

Aehnlich wird auch dieses aus den ausgemachten und gestossenen
knidischen Körnern hergestellt. Getrunken hat es eine den Magen
reinigende Wirkung.

45. Rettigöl.


Das Rettigöl wird aus den Samen desselben (des Rettigs) bereitet wie die
übrigen. Es ist ein gutes Mittel für die, welche nach Siechthum an Läuse-
krankheit leiden, auch glättet es die Rauheiten im Gesicht. In Ägypten
gebrauchen sie es aber, um es mit dem Zugemüse zu kochen.

46. Schwarzkümmelöl.

Nigella sativa (Ranunculaceae)

Auch dasSchwarzkümmelöl hat dieselbe Kraft und wird bereitet wie das
Rettigöl.

47. Senföl.

Brassica nigra (Cruciferae)

Das Senföl wird bereitet, indem fein gestossener und mit Wasser angefeuchteter
Senfsamen mit Öl gemischt und ausgepresst wird. Es wirkt gegen chronische
Leiden, indem es durch Öffnung der Poren die schlechten Säfte abführt.

48. Myrtenöl.

Myrte

Das Myrtenöl wird nun so dargestellt. Nimm die zarten Blätter der schwarzen
oder der wilden oder der zahmen Myrte, stosse und presse sie; dem Safte setze
ebenso viel Oel von unreifen Oliven zu, erhitze aber Kohlen bis zum Kochen,
indem du dann das Obenaufstehende abnimmst. Leichter ist aber die
Darstellung, die zarten zerstossenen Blätter mit Wasser und Oel zu kochen
und das Obenaufstehende abzuheben. Eigenartig aber ist die Methode,
die in die Sonne gelegten Blätter mit Oel zu behandeln. Einige ver-
dichten das Oel vorher durch Granatapfelschalen, Cypresse, Cypern-
gras und Strandbinse. Wirksamer ist aber das von bitterem Geschmack,
das ölige, hellgrüne, durchscheinende, nach Myrte rieeliende. Es hat
adstringirende harnmachende Kraft; daher seine Wirkung, wenn es den
Mitteln zum Vernarben beigemischt wird, ebenso gegen Verbrennungen
mit Feuer, gegen bösen Grind, Schorf, Hautausschlag, Wolf, Risse, Condy-
lome, Erschlaffung der Gelenke. Es stellt den Schweiss und findet überall
da Anwendung, wo es sich um Zusammenziehen und Verdichten handelt.

49. Lorbeeröl.

Laurus nobilis (Lauraceae) - Lorbeerbaum

Das Lorbeeröl wird aus den Lorbeeren hergestellt, wenn sie überreif sind,
indem sie mit Wasser gekocht worden. Sie sondern nämlich aus der um-
liegenden Schale ein gewisses Fett ab, welches man mit den Händen ab-
trägt und in Muscheln aufnimmt. Einige verdichten vorher Oel von unreifen
Oliven und Cyperngras, Strandbinse und Kalmus, werfen danach die zarten
Lorbeerblätter hinzu und kochen es zusammen; Andere mischen auch
Lorbeeren zu, bis der richtige Geruch entstellt, noch Andere Styrax und
Myrrhe. Am besten zur Bereitung ist der bergige und breitblätterige
Lorbeer. Den Vorzug beim Lorbeeröl hat aber das frische, von hell-
grauer Farbe, das sehr bittere und scharfe.
Es hat erwärmende, erweichende, anregende, die Erschlaffung auf-
hebende Kraft. Es ist ein gutes Mittel bei allen Neuralgien, Ohrenleiden
und katarrhalischen Zuständen. [Denjenigen, welche durch Erkältung an
der Leber leiden, ist es als Salbe heilsam, wie kein anderes Mittel]
Getrunken aber ist es brechenerregend.

50.Oel des Mastixbaumes.

Pistacia lentiscus (Anacardiaceae) - Mastixbaum

Das Oel des Mastixbaumes wird ähnlich wie das Lorbeeröl aus den reifen
Früchten dargestellt, vorher verdichtet; es heilt die Krätze des Zugviehes
und der Hunde. Auch wird es den Zäpfchen, Salben und Aussatzmitteln
mit Vortheil zugesetzt. Es hält den Schweiss zurück. Ähnlich wird
auch das Terebinthenöl bereitet; es trocknet aus und adstringiert.

51. Mastixharzöl.

Pistacia lentiscus (Anacardiaceae) - Mastixbaum

Das Mastixharzöl wird aus zerriebenem Mastix bereitet. Es ist wirksam
gegen alle Gebärmutterleiden, mässig erwärmend, adstringierend, wirksam
gegen die den Magen überziehenden Verhärtungen, Bauchschmerzen und
Dysenterieanfälle; auch reinigt es das Angesicht und bewirkt eine gesunde
Farbe.

52. Die Zusammensetzung der Salböle.


Da nun auch die Salböle bei einigen Leiden von guter Wirkung sind als
Zusätze zu Arzneimitteln, zum Einträufeln oder zum Riechen, so halten
wir es für folgerichtig, auch der hierfürüberlieferten Anweisungen zu ge-
denken. Diejenigen, welche dieses erproben wollen, müssen das im Auge
haben, ob jene Substanz, mit der die Mischung der Salbe geschieht, dem
Geruche gemäss wirkt. Eine derartige Probe ist die beste. Bei einigen wird
solches freilich nicht wahrgenommen wegen des Ueberwiegens der kräfti-
geren Zumischungen, wie bei der Majoran-, Safran-, Bockshornsalbe und
anderen ähnlichen. Dieses ist aus der Uebung darin zu berurtheilen.

53. Die Bereitung des Rosenöls.

Rosa centifolia (Rosaceae)

Das Rosenöl wird so gemacht: 5 Pfund und 8 Unzen zerschnittenes
und mit Wasser zerstampftes Bartgras koche unter Umrühren mit
20 Pfund und 5 Unzen Oel. Dann, nachdem du es durchgeseibt
hast, wirf in die 20 Pfund und 6 Unzen Oel die Blätter von 1000
trockenen Rosen [oder 1 Pfund Cyperngras, 1 Pfund Alant, 1 Pfund
Kalmus, 6 Xestes Oel, 1 ½ Xestes Rosen], und nachdem du die Hände
mit wohlriechendem Honig bestrichen hast, rühre es unter öfterem
Drücken einen Tag lang; nachdem du es dann die Nacht über hast stehen
lassen, presse es aus. Wenn sich aber das Hefenartige abgesetzt hat,
wechsle das Aufnahmegefäss und gib es in einen mit Honig aus-
gestrichenen Mischkrug. Die ausgepressten Rosen wirf in ein Fass
und giesse 8 Pfund und 3 Unzen verdichtetes Oel dazu und presse es
wieder aus. Dieses wird dir die zweite Sorte Oel sein, und wenn du
willst, giesse bis zum dritten und vierten Male Menstruum auf und
presse aus. Es entsteht so eine erste, zweite, dritte und vierte Sorte Oel.
So oft da dies aber thust, streiche die Krüge vorher mit Honig aus. Wenn
du aber eine zweite Auflage herstellen willst, so wirf in das zuerst aus-
gepresste Oel die gleiche Zahl frischer trockener Rosen und rühre mit den
Händen, die vorher mit Honig bestrichen sind, um, und presse aus, und
dies thue zum zweiten, dritten und vierten Male in der gleichen Weise aus-
pressend. So oft du dieses aber thust, wirf frische Rosen dazu, sie mit den
Nägeln zerpflückend; denn es wird kräftiger. Bis zu einem siebten Auszuge
lässt das Oel den Zusatz von Rosen zu, dann aber nicht mehr. Auch die
Presse werde mit Honig ausgestrichen. Sorgfältig muss das Oel von dem
(wässerigen) Safte getrennt werden, denn wenn das Geringste davon
zurückbleibt, verdirbt das Oel. Einige pressen die Rosen für sich allein
und behandeln sie dann an der Sonne mit dem Oel, und zwar 6 Unzen
mit 1 Xestes Oel, indem sie es acht Tage hindurch umrühren und vierzig
Tage bis zum dritten Auszuge an der Sonne stehen lassen. So bewahren
sie es auf. Einige verdichten ferner das Oel unter Zusatz von Kalmus und
Aspalathos, Andere geben Auchusa zu wegen der hübschen Farbe und
Salz, um die Verderbniss zu verhindern. Es hat aber adstringirende,
kühlende Kraft, ist sehr geeignet zu Besprengungen und zu Mischungen
weicher Salben. Getrunken öffnet es den Leib und mildert die Hitze des
Magens, ist ein Nährmittel für hohle Geschwüre und besänftigt die bös-
artigen, es ist ein Mittel gegen Schorf und Ausschlag, dient im Anfang
als Umschlag gegen Kopfschmerzen, als Spülung gegen Zahnschmerzen.
Eingestrichen wirkt es gegen Verhärtungen der Augenlider und ist als
Klysiter mit Erfolg zu gebrauchen gegen Reize der Eingeweide und der
Gebärmutter.

54. Die Bereitung des Elatsöls.

Pinus Picea (Pinaceae) - Elate

Zerquetsche und zerreisse die Spatha und wirf sie in ein
Fass und giesse Oel von unreifen Oliven darüber drei Tage hindurch,
schöpfe es dann heraus in einen Korb und presse aus. Beides sollen aber
gleiche Gewichtstheile sein. Nachdem du es dann in einem reinen Ge-
fässe bei Seite gesetzt hast, gebrauche es. Es hat eine dem Rosenöl ähn-
liche Kraft, den Bauch aber erweicht es nicht.

55. Die Bereitung des Quittenöls.

Cyndonia vulgaris (Rosaceae) - Quittenbaum

Das Quittenöl wird auf diese Weise hergestellt: 6 Xestes Oel mische
mit 10 Xestes Wasser, gib hinzu 3 Unzen zerstossene Spatha und
1 Unze Bartgras, lass es einen Tag stehen und koche es darin.
Nachdem du dann das Oel abcolirt hast, gib es in ein weithalsiges Ge-
fäss; dann lege ein Geflecht aus Rohr oder eine weitmaschige Binsen-
matte darüber und breite über diese Quittenäpfel aus, bedecke sie
mit Decken und lass eine genügende Anzahl Tage stehen, bis das Oel
die Kraft von den Quitten angezogen hat. Einige schlagen die Quitten
zehn Tage lang in Decken ein, damit der Wohlgeruch sich verdichte und
sich nicht verflüchtige, danach maceriren sie dieselben mit dem Oel zwei
Tage und Nächte, pressen es dann aus und setzen es weg. Es hat ad-
stringirende, kühlende Kraft, wirkt gegen krätzige Geschwüre, Klein-
grind, Frostbeulen, kriechende Geschwüre und als Injection gegen Ver-
wundungen in der Gebärmutter, stellt als Injection das zu häufige Harnen
und hält den Schweiss zurück. Es wird getrunken gegen Kanthariden,
Buprestis und die giftigen Fichtenraupen. Ein Beweis für seine Güte ist
der Geruch nach Quittenäpfeln.

56. Die Bereitung des Weinblüthenöls.

Vitis vinifera (Vitaceae) - Weinrebe

Die wohlriechende Blüthe des Weinstockes lass welken, wirf sie in Oel
von unreifen Oliven und rühre und schütte durch; lass zwei Tage stehen,
presse es dann aus und setze es weg. Es hat adstringirende Kraft ähnlich
dem Rosenöl, ausser dass es den Leib nicht öffnet und erweicht. Der beste
Beweis für seine Aechtheit ist das Auftreten des Geruchs nach Weinblüthe.

57. Die Bereitung des Bockshornöls.

Trigonella foenum graecum (Leguminosae) - Bockshornklee

9 Pfund Bockshorn, 6 Pfund Oel, 1 Pfund Kalmus, 2 Pfund Cyperngras
macerire sieben Tage, indem du es jeden Tag dreimal umrührst, dann presse
es aus und bewahre es auf. Billige lassen statt Kalmus Kardamom, statt des
Cyperngrages Balsamholz mit ausziehen, Andere verdichten damit vorher
das Oel, maceriren dann das Bockshorn und pressen es aus. Es hat die Kraft,
Ablagerungen (Abscesse) zu erweichen und zur Reife zu bringen; in hohem
Grade wirksam ist es gegen alte Verhärtungen der Gebärmutterumgebung
(des Perimetriums), wird schwer Gebärenden injicirt, wenn die Theile durch
die ausgetretenen Flüssigkeiten sehr trocken geworden sind, ferner dient es
bei Afterentzündungen und wird bei Stuhlzwang mit Erfolg im Klystier
gegeben; es vertreibt Schorf und Grind, ist mit Wachs heilsam gegen Ver-
brennungen und Frostbeulen, bringt Sommersprossen weg und wird unter
die Mittel züm Glänzendmachen (der Haut) gemischt. Wähle aber das frische
und das, welches nicht zu sehr den Bockshorngeruch hervortreten läset,
welches die Hände glättet und bittersüssen Geschmack hat, denn solches ist
das beste.

58. Die Bereitung des Majoranöls.

Origanum majorana (Labiatae) - Majoran

Quendel, Zimmt, Beifss, Wasserminzenblüthe, Myrtenblätter, Majoran,
nimm von jedem unter Berücksichtigung seiner Kraft dem Zwecke gemäss
(das Nöthige), stosse alles zusammen und giesse so viel Oel von unreifen
Oliven darauf, dass die Kraft dessen, was in dasselbe zum Ausziehen gelegt
ist, nicht überwältigt wird, lass es vier Tage stehen und presse aus. Und
wiederum behandle dieselbe Menge derselben frischen Substanz die gleiche
Zeit (im selben Oel) und presse aus, denn es ist kräftiger. Wähle aber den
dunkelgrünen Majoran, der lange duftet und mässig scharf ist. Es hat er-
wärmende, verdünnende und scharfe Kraft; es hilft gegen Verstopfung
und Verdrehung des Uterus, treibt die Menstruation, die Nachgeburt und
den Fötus aus und beseitigt die Mutterkrämpfe; es lindert auch die Schmerzen
in den Hüften und geschwollenen Schamdrüsen. Mit Honig lässt es sich
besser anwenden, da es durch heftiges Zusammenziehen die Stellen ver-
härtet; eingerieben hebt es die Erschlaffung auf, auch wird es mit Vortheil
den Salben für die an Opisthotonie und sonst an Krämpfen Leidenden
zugemischt.

59. Die Bereitung des Basilicumöls.

Ocimum baslilicum (Labiatae) - Basilienkraut

Nimm 20 Pfund Oel, 11 Pfund und 8 Unzen nach Gewicht Basilicumkraut,
pflücke die Blätter ab und macerire sie einen Tag und eine Nacht in dem
Oel, dann presse es aus und setze es weg. Nachdem du sie (die Blätter)
aus dem Presskorbe genommen hast, giesse wiederum die gleiche Menge
Oel darauf und presse aus; es wird dies aber die zweite Sorte genannt;
denn einen dritten Auszug lassen sie nicht zu. Darauf nimm gleichviel
frisches Basilicumkraut, macerire wieder, wie es beim Rosenöl gesagt ist,
indem du das schon zum Ausziehen benutzte Oel aufgiessest und die gleiche
Zeit stehen lässt, presse aus und bewahre es auf. Und wenn du es zum dritten
oder vierten Male machen willst, dann macerire, indem du stets frisches
Basilicum hineingibst. Es kann aber auch aus Oel von unreifen Oliven
hergestellt worden; jedoch ist es besser auf jene Art. Es hat dieselben
Wirkungen wie das Majoranöl, nur weniger kräftig.

60. Die Bereitung des Beifussöls.

Artemisia abrotanum (Compositae) - Beifuss

In 9 Pfund des zu Cyperngrasöl gewürzten Oels wirf 8 Pfund (Beifuss-
blätter), lass einen Tag und eine Nacht stehen und presse aus. Wenn du
es aber für lange Zeit haltbar machen willst, nimm die ersten Blätter heraus,
wirf andere hinein und macerire und presse aus. Es hat aber erwärmende
Kraft, ist wirksam gegen Verstopfungen und Verhärtungen in der Gebämutter,
befördert die Menstruation und die Nachgeburt.

61. Die Bereitung des Dillöls.

Anethum graveolens (Umbelliferae) - Dill

8 Pfund 9 Unzen Oel, 11 Pfund 8 Unzen Dillblüthe, macerire sie in dem
Oel einen Tag lang, dann presse mit den Händen aus und setze es weg.
Wenn du aber ein doppeltes Pressöl machen willst, macerire frische
Dillblüthe auf oben dieselbe Weise. Es hat die Kraft, die Gebärmutter-
gegend zu erweichen und zu eröffnen, ist wirksam gegen die Wechsel-
fieber, erwärmt, hebt die Erschlaffung, und ist heilsam gegen Gelenk-
schmerzen.

62. Die Bereitung des susischen Salböls.

Lilium candidum (Liliaceae)

Das susische Oel, welches Einige auch Lilienöl nennen, wird so dargestellt.
9 Pfund 3 Unzen Oel, 5 Pfund 3 Unzen Kalmus, 5 Unzen Myrrhe mische mit
gewürztem Wein und koche. Nachdem du dann das Oel abcolirt hast, giesse
es mit 3 Pfund 6 Unzen gestossener und mit Regenwasser macerirter
Kardamomen wieder darüber, lass auf einander einwirken, nachher presse es
aus. Und nimm 3 ½ Pfund von diesem verdichteten Oel, lege an Zahl tausend
zerpflückte Lilien in ein breites, nicht tiefes Fass, giesse das Oel darauf und
rühre mit den vorher mit Honig bestrichenen Händen durch. Lass es einen
Tag und eine Nacht stehen und nachdem du es in der Frühe in eine (Press-)
Büchse gebracht hast, presse es aus. Das obenstehende Oel trenne schleu-
nigst von dem mit dem Oel zugleich ausgepressten Wasser, denn gerade wie
das Rosenöl verträgt es dasselbe nicht; damit erwärmt aber schäumt es
auf und wird faulig. Giesse es aber öfter in andere mit Honig ausge-
strichene Gefässe um, indem du feines Salz dazu streuest und die ge-
sammelte Unreinigkeit vorsichtig wegnimmst. Wenn du nun das aus-
gepresste Gewürz aus dem Presskorbe in das Fass gebracht hast, giesse
wiederum eine der füheren gleiche Menge gewürzten Oels hinzu und
wirf gleichzeitig 10 Drachmen gestossener Kardamomen hinein, rühre
mit den Händen tüchtig durch und presse in kurzen Pausen, das Ab-
fliessende reinige dann. Und wenn du ein drittes Mal aufgiessest, thue
wieder dasselbe, indem du auch Kardamom und ebenso das Salz dazu-
gibst und die Hände mit Honig bestreichest und pressest. Und es wird
das zuerst ausgepresste (Oel) das beste sein, dann (folgt) das zu zweit
erhaltenen, das dritte ist das letzte. Und wiederum nimm tausend Lilien,
zerpflücke sie und lege sie hin; nachdem du das zuerst ausgepresste Oel
daraufgegossen hast, verfolge das Verfahren, indem du dasselbe thust,
wie du beim ersten Male gethan, dass du auch Kardamom zumischest
und dann auspressest. Dasselbe thue ein zweites und drittes Mal, indem
du auch Kardamom zugibst [darauf presse aus und thue dasselbe]. Je
öfter du aber frische Lilien macerirst, ein desto kräftigeres Salböl wirst
du haben. Wenn es dir am Ende genug zu sein scheint, mische jedem
Präparate 72 Drachmen ausgesuchte Myrrhe, 10 Drachmen Safran,
7 Drachmen Kardamom zu. Einige geben auch gleichviel Safran und
Zinimt mitWasser in das Fass. Dann giesse das zuerst ausgepresste
Oel dazu und, nachdem du es kurze Zeit hast stehen lassen, fülle es in
kleine, trockene, mit Gummi oder Myrrhe, sowie mit Safran und Honig,
die mit Wasser behandelt sind, ausgestrichene Gefässe. Dasselbe thue
auch bei der zweiten und dritten Pressung. Einige bereiten es einfach
aus Behen- oder einem anderen Oel und Lilien. Den Vorzug scheint aber
das in Phönikien und Aegypten hergestellte zu verdienen. Am besten
davon ist das, welches nach Lilien riecht. Es hat erwärmende, erweichende,
gegen Verstopfung und Entzündung der Gebärmutterumgebung gerichtete
Kraft [und überhaupt ist es von allen am nützlichsten bei Frauenkrank-
heiten; es ist ein gutes Mittel gegen bösen Grind, Gesichtsausschlag,
Seborf, Ekzeme; Blutstriemen vertreibt es sehr bald und stellt eine gleiche
Farbe (der Haut) her]. Überhaupt macht es locker. Getrunken führt
es die Galle durch den Bauch ab, treibt auch den Urin; es ist aber dem
Magen schädlich und erregt Uebelkeit.

63. Die Bereitung des Narzissensalböls.

Narcissus poeticus (Liliaceae) - Weisse Narcisse
Narcissus tazetta (Liliaceae) - Tazette

Das Narcissenöl wird so dicht gemacht: 70 Pfund 5 Unzen gereinigtes
Oel, 6 Pfund 2 Unzen Aspalathos; stosse und macerire diesen mit
Wasser, mische, dann den dritten Theil Oel zu und koche. Nimm dann
den Aspalathos heraus und gib 5 Pfund 8 Unzen Kalmus zu. Stosse und
siebe ein Stückchen Myrrhe und verrühre es mit altem gewürztem Wein,
mische es zu und koche. Wenn es aber zusammen aufkocht, setze es ab
und colire das erkältete Oel. Dann nimm von dem Oel und giesse es in
ein Fass, wirf möglichst viel Narcissenblüthe hinein und rühre zwei Tage
um, wie bei dem susischen Oele, presse und giesse es häufig um, denn
auch dieses neigt zur Fäulniss. Es wirkt gegen Gebärmutterleiden, indem
es die Verhärtungen daran und die Verstopfungen beseitigt. Es verursacht
aber Kopfschmerzen.

64. Die Bereitung des Safransalböls.

Crocus sativus (Iridaceae) - Safran

Zur Bereitung des Safranöls wirst du das Oel verdichten, wie es beim
susischen Oele gesagt ist, nach demselben Mengenund Gewichtsver-
hältniss beim Mischen. Nimm von dem zum susischen Oel verdichteten
Oele 3 ½ Pfund, gib 8 Drachmen Safran hinzu und rühre öfters im Tage
um, und dieses thue fünf Tage hinter einander; am sechsten nun giesse
das Oel vom Safran rein ab, auf den Safran selbst aber gib die gleiche
Menge Oel und rühre drei Tage um. Darauf giesse es ab und mische
40 Drachmen gestossene und gesiebte Myrrhe zu und rühre in einem
Mörser tüchtig um, dann setze es weg. Einige verwenden die gleiche
Menge des gewürzten Oels wie zum Hennaöl auch zum Safranöl.
Das beste davon ist das reichlich nach Safran duftende, es eignet sich
zum arzneilichen Gebrauche. Das zweite ist das nach Myrrhe riechende.
Es hat erwärmende, schlafmachende Kraft, darum ist es, oft damit be-
netzt, oder darauf gerochen, oder auch in die Nasenlöcher gestrichen,
bei den an Phrenitis Leidenden angezeigt.Es ist auch eitermachend
und die Wunden reinigend, hilft ferner gegen die Verhärtungen und Ver-
stopfungen in der Gebärmutter und gegen die bösartigen Geschwüre in
derselben mit Wachs, Safran, Mark und dem doppelten Oel, denn es
macht gar (reift), erweicht, feuchtet und lindert; es wirkt gegen be-
ginnenden Staar, wenn es mit Wasser angewandt wird. Ihm entspre-
chend wirkt die sogen. Butter-, Onyx- und Styraxsalbe, welche sich nur
durch die Namen unterscheiden, nach der Bereitung und Wirkung aber
durchaus gleich sind.

65. Die Verdichtung und Bereitung des (Lawsonien-) Hennasalböls

Lawsonia alba (Lythraceae) - Hennastrauch

Ein Theil gereinigtes Oel von unreifen Oliven, anderthalb Theile Regenwasser;
dieses giesse theils zum Oel, theils verrühre es mit den hineinzuwerfenden
Gewürzen. Dann nimm 5 ½ Pfund Aspalathos, 6 ½ Pfund Kalmus, 1 Pfund
Myrrhe, 3 Pfund 9 Unzen Kardamom und 9 Pfund 5 Unzen Oel. Den
Aspalathos stosse, lege und macerire ihn in Wasser und koche ihn mit
dem Oel bis zum Aufschäumen. Die Myrrhe zerlasse in altem gewürztem
Wein, den zerschnittenen Kalmus rühre mit der Myrrhe zusammen und,
nachdem du den Aspalathos herausgenommen hast, wirf das Kalmus-
gemisch hinein. Wenn es mit diesem kocht, nimm es ab und seihe vor-
sichtig das Oel aus dem Kessel ab, giesse es zum gestossenen und mit
dem übrigen Wasser angehobenen Kardamom und rühre mit einem Spatel
um, ohne Aufhören, bis es erkaltet ist. Dann colire das Oel ab, wirf in
die 28 Pfund Oel 46 Pfund 8 Unzen Lawsonienblüthe, lass einwirken
und presse es im Presskorb aus. Wenn du aber mehr wünschest, so gib
von den frischen Blüthen die gleiche Menge zu und presse in derselben
Weise aus, auch wenn du eine zweite und dritte Maceration machen
willst; denn es wird kräftiger. Man muss aber das wirksame wählen
und das, welches durchdringend wohlriechend ist. Einige mischen auch
Zimmt zu. Es hat erwärmende, erweichende und die Gefässe eröffnende
Kraft, ist ein gutes Mittel gegen Gebärmutter- und Nervenleiden, wie
auch gegen Lungenleiden und Brüche, sowohl für sich allein als auch
mit Wachssalbe gemischt. Es wird auch Salben zugemischt, welche
für die angezeigt sind, welche an Opisthotonie und Athemnot und an
Entzündugn der Leistendrüsen leiden, ebenso den kräftigenden Salben.

66. Die Verdichtung des Schwertlilienöls.

Iris germanica, Iris florentina (Iridaceae) - Deutsche und Florentinische Schwertlilie

6 Pfund 5 Unzen möglichst fein zerschnittener Spatha, 73 Pfund 5 Unzen
Oel mische mit 10 Kotylen Wasser, gib sie in einen kupfernen Kessel und
koche, bis es (das Oel) den Geruch davon angenommen hat, dann colire es
in einen mit Honig ausgestrichenen Krug. Mit diesem parfümirten Oel wird
das erste Scliwertlilienöl bereitet, indem die Schwertlilie mit dem verdichteten
Oele macerirt wird, wie es unten angegeben wird, oder so: 70 Pfund 5 Unzen
Oel, 5 Pfund 2 Uuzen zerschnittenes Balsamholz, wie berichtet wird, koche
zusammen; dann nimm das Balsamholz heraus und wirf 9 Pfund 10 Unzen
zerschnittenen Kalmus, ein Stückchen in altem gewürztem Wein zerlassener
Myrrhe hinein, dann nimm von dem verdichteten und parfümirten Oele
14 Pfund, macerire darin ein gleiches Gewicht zerschnittener Schwertlilie
zwei Tage und Nächte hindurch, dann presse kräftig und stark aus; und
wenn du es kräftiger haben willst, so macerire auf gleiche Weise ein zwei-
tes und drittes Mal dasselbe Gewicht und presse aus. Als bestes erweist sich
dasjenige, welches keinen anderen Geruch als den der Schwertlilie verrät.
Ein solches ist das zu Perga in Pamphylien und zu Elis in Achaja hergestellte.
Es hat erweichende, erwärmende Kraft, nimmt Wundschorf, Fäulniss und
Schmutz weg, ist ein gutes Mittel bei krankhaften Zuständen der Gebär-
mutter,als Entzündungen und Verstopfungen, treibt den Fötus aus, öffnet die
Hämorrhoiden, hilft mit Essig, Raute und bitteren Mandeln gegen Ohren-
geräusche und in die Nasenlöcher eingerieben gegen chronischen Katarrh
und gegen Nasenpolypen. Zu einem Becher getrunken reinigt es den Bauch,
wirkt bei Darmverschlingung und treibt den Harn. Ferner ist es angebracht
bei schwer Erbrechenden, indem die Finger oder den Brechreiz bewirkende
Gegenstände damit bestrichen werden. (Nützlich ist es) denen, die an Athemnoth
leiden, wenn es eingerieben oder mit Honigwasser zum Gurgeln gebraucht
wird, und bei Rauheit der Luftröhre. Es wird endlich denen gereicht, welche
Schierling, Pilze oder Koriander genossen haben.

67. Die Bereitung des Mostöls.


Das einfache Mostöl wird bereitet aus Oel von unreifen Oliven, Bartgras,
Kalmus, keltischer Narde, Spatha, Aspalathos, Steinklee, Kostwurz und
Most, indem die Trester um das Gefüss, welches die Gewürze, den Wein
und das Oel enthält, herumgelegt werden. Dreissig Tage hindurch, täglich
zweimal, wird umgerührt, danach wird es (das Oel) ausgepresst und weg-
gesetzt. Es hat erwärmende, schlaffmachende Wirkung, hilft gegen Frost-
schauer, gegen alle Neuralgien und Gebärmutterleiden; es ist wirksamer
als jede Salbe, da es erweicht.

68. Amarakinon (Majoransalböl).


Das beste Amarakinon wird in Kyzikon gemacht. Dargestellt wird es
aus Oel von unreifen Oliven und Behenöl, welche mit Balsamholz, Bart-
gras, Kalmus verdichtet, mit Majoran, Kostus, Amomum, Narde, Balsam-
samen und Myrrhe parfümirt sind. Die, welche es aber kostbarer machen
wollen, mischen auch Zimmt zu. Zum Ausstreichen der Gefässe wird
Honig und zum Anreiben der zerkleinerten Gewürze wird Wein ge-
nommen. Es ist erwärmend, schlafmachend, die Gefässe eröffnend, er-
weichend, brennend, harntreibend, dann auch heilsam bei fauligen Ge-
schwüren, Fisteln und Wasserhodenbrüchen nach chirurgischen Eingriffen;
es zerreisst auch rings herum den Wundschorf und die bösartig gewor-
denen Geschwüre. Gegen Harnverhaltung hilft es rund um den After
eingestrichen und gleichfalls eingesalbt gegen Entzündungen daran und
gegen Verstopfung der Hämorrhoiden. In die Gebärmutter als Zäpfchen
eingeführt regt es die Menstruation an und zertheilt Verhärtungen und
Oedeme in der Gebärmutter, hilft auch bei Scham- und Muskelverwun-
dungen, wenn es in weichen damit benetzten Bäuschchen aufgelegt
wird. [Es gibt auch ein gewisses Oel, welches in Arabien und Italien
natürlich und freiwillig aus Felsen fliesst mit einer gewissen Schärfe
wohlriechende, zu Vielem gut verwendbar. Es hat die Kraft, auszutrocknen
und wohl zu verstopfen und die Sehen zusammenzufügen. Es hilft gegen
Krätze und Geschwürartiges, es lindert und bewältigt die Blähungen.]

69. Megalion.


Das sogen. Megalion wurde früher allerdings dargestellt, nun ist es ver-
schwunden. Zur Vollständigkeit der Geschichte ist es nicht unangebracht,
auch aber dieses zu berichten. Die Bereitung ist dieselbe wie beim Ama-
rakion, es enthält aber sehr viel Harz, und dadurch unterscheidet es sich.
Es ist gelinde erweichend. Das Harz wird nun aber den Salben weder der
besseren Haltbarkeit noch der Annehmlichkeit wegen zugesetzt, sondern
der Farbe und der dichteren Consistenz halber. Es wird auch der Terpentin,
gekocht bis er geruchlos wird, zugemischt; die Art, ihn zu kochen, wird
in dem Capitel "Terpentin" besprochen werden.

70. Hedychon.


Das sog. Hedychon, welches in Kos dargestellt wird, hat dieselbe Kraft
und wird bereitet wie das Amarakinon, es ist aber wohlriechender.

71. Metopion.


Es wird aber ähnlich in Aegypten ein Salböl bereitet, welches dort allgemein
Metopion genannt wird wegen der Zumischung von Galbanum, denn der
Baum, aus dem das Galbanum fliesst, heisst Metopion. Es wird hergestellt
aus Oel von unreifen Oliven, bitteren Mandeln, Kardamom, Bartgras, Kalmus,
Honig, Wein und Myrrhe, aus Balsamsamen, Galbanum und Harz. Gut ist
dasjenige, welches scharfen Geruch hat und fett ist, mehr den Geruch des
Kardamoms und der Myrrhe als gerade den des Galbanums erkennen lässt.
Es erwärmt sehr, erhitzt und eröffnet, reizt und reinigt die Geschwüre.
Es wirkt bei durchnittenen Sehnen und Muskeln, ebenso bei Wasserhoden-
brüchen mit fäulnissbeseitigenden Mitteln. Es wird auch den Kataplasmen
und Wachssalben zugesetzt, ist dienlich denen, die von Frostschauern und
Opisthotonie geplagt werden, ruft Schweiss hervor und öffnet die Gefässe
um die Gebärmutter herum und erweicht die Härten derselben; es hat
überhaupt eine erweichende Kraft.

72. Mendesion.


Auch das sogen. mendesische Salböl wird aus Behenöl, Myrrhe, Kassia und
Harz bereitet. Einige geben nach dem Abwägen (dieser Substanzen) kurzen
Zimmt hinzu, ohne Zweck, denn er gibt keine Kraft ab an das, womit er nicht
zusammengekocht ist. Es hat aber eine dem Metopium ähnliche, jedoch
geringere Kraft.

73. Stakte.


Stakte heisst das Fette der frischen Myrrhe, wenn sie mit wenig Wasser
angehoben und in der Presse ausgepresst wird. Sie ist sehr wohlriechend
und kostbar und wird an und für sich ein Salböl genannt. Am besten ist
sie, wenn sie nicht mit Oel gemischt ist und in der geringsten Menge die
grösste Kraft besitzt, wenn sie erwärmt und der Myrrhe und den erwärm-
enden Salben entsprechend wirkt.

74. Zimmtsalböl.

Cinnamomum spec. (Lauraceae) - Zimmt

Das Zimmtsalböl wird bereitet aus dem Behenöl und dem Verdichtungs-
material Balsamholz, Kalmus, Bartgras und den Gewürzen Zimmt,
Balsamsamen und dem Vierfachen vom Zimmt Myrrhe. Es wird auch
Honig zur Mischung gegeben. Gut ist es, wenn es einen nicht scharfen,
sondern weichen Geruch hat und dabei den nach Myrrhe zeigt, dick und
wohlriechend ist und sehr bitteren Geschmack hat; denn ein solches hat
die Consistenz nicht vom Harze, sondern von der Myrrhe. Das Harz ver-
leiht weder Bitterkeit noch Wohlgeruch. Es hat eine sehr scharfe, er-
wärmende und bittere Kraft; es eröffnet also auch durch Erwärmen, zer-
theilt, zertrennt und zieht die Feuchtigkeit und die Winde an. Es verursacht
aber Kopfschmerzen. Gegen Gebärmutterleiden wirkt es mit dem Doppelten
Oel, Wachs und Mark; denn so verliert es viel von seiner Schärfe und wirkt
erweichend, anders aber verstopft und verhärtet es ans stärksten von allein
dicken Salbölen. Es wirkt auch kräftig gegen Fisteln und Fäulniss, ferner
mit Kardamom bei Wasserhodenbrüchen, Karbunkeln und Gangrän, ebenso
bei Frostschauern, Wechselfiebern, Zittern und als Salbe bei den von giftigen
Thieren Gebissenen, endlich als Aufschlag mit gequetschten Feigen bei
denen, die von Skorpionen und Spinnen gestochen sind.

75. Nardensalböl.


Das Nardensalböl wird auf mannigfache Weise mit Malabothronöl und
ohne dasselbe hergestellt. Zumeist wird dem Behen- oder dem unreifen
Olivenöl Bartgras zum Verdichten des Oels, zum Wohlgeruch aber Kostus,
Amomum, Narde, Myrrhe, Balsam zugemischt. Geschätzt wird das weiche,
nicht scharfe, welches den Geruch nach trockener Narde und Amonium hat.
Es hat verdünnende, durchdringende, reinigende, die Feuchtigkeit (Säfte)
verdünnende, erwärmende Kraft. Es ist flüssig, aber nicht zähe, wenn
es nicht Harz enthält. Es wird auch eine geringe Sorte, aus Oel von
unreifen Oliven und Bartgras, Kalmus, Kostus und Narde bereitet.

76. Malabathronsalböl.


Das Malabathronsalböl enthält dieselben Verdichtungssubstanzen wie die
Narde, aber mehr Myrrhe. Darum ist es erwärmend in der Kraft überein-
stimmend mit dein Safranöl und dem Amarakinon.

(Ohne Nr) Jasminöl.

Jasminum officinale - Jasmin

Das sogen. Jasininöl wird bei den Persern aus den weissen Veilchenblüthen
bereitet, indem 2 Unzen davon in einen italienischen Xestes Sesamöl ge-
worfen werden unter Beobachtung des Auswechselns oder Ausziehens,
wie es bei der Liliensalbe angegeben ist. Der Gebrauch desselben bei den
Gastmählern hat bei den Persern des Wohlgeruchs wegen Platz gegriffen.
Es ist dem ganzen Körper nach dem Bade bekömmlich bei denjenigen,
welcheder Erwärmung und Erholung bedürfen. Es hat aber einen be-
lästigenden Wohlgeruch, so dass Viele sich desselben nicht gern bedienen]

77. Myrrhe.

Balsamea myrrha (Burseraceae) - Myrrhe

Die Myrrhe ist die Thräne eines in Arabien wachsenden, der ägyptischen
Akazieähnlichen Baumes, aus dem nach der Verwundung die Thränen
theils auf untergebreitete Matten fliessen, theils aber am Stamm erhärten.
Eine Art davon wird die fette der Ebene genannt, von der durch Auspressen
die Stakte gewonnen wird, eine andere die Gabirea, sehr fette, welche auf
fruchtbarem fettem Boden wächst, und auch viel Stakte liefert. Alle übertrifft
die troglodytische, so genannt von dem Lande, wo sie wächst; sie ist
grünlichgelb, beissend und durchsichtig. Eine gewisse feine Art wird
auch gesammelt, welche gleich auf die troglodytische folgt, etwas weich wie
das Bdellium, von üblem Geruch ist und in sonnigen Gegenden wächst.
Eine weitere Art wird Kaukalis genannt, sie ist veraltet, dunkel, mager.
Die geringste von allen heisst Ergasime, sie ist mürbe und mager,
scharf und gummiartig, sowohl dem Aussehen, wie der Kraft nach. Auch
die Aminaia genannte wird nicht geschätzt. Es werden aus ihnen Press-
auszüge gemacht, nämlich aus den fetten wohlriechende und fette, aus
den trockenen aber dürre und geruchlose, sie sind kraftlos wegen des zu
ihrer Herstellung hinzugenommenen Oels. Sie (die Myrrhe) wird verfälscht
durch Zumischen von Gummi, welches mit einem Aufguss von Myrrhe
benetzt ist. Wähle die frische, zerreibliche, leichte, allerseits gleichfarbige
die auf dem Bruche innen weisse, onyxartige, glatte Streifen zeigt, aus
kleinen Stlicken besteht, bitter, wohlriechend, scharf und erwärmend ist:
die schwere und pechfarbige ist unbrauchbar. Sie hat erwärmende [die
Flüsse zurückhaltende, betäubende, verklebende, austrocknende, adstrin-
girende Kraft; sie erweicht und öffnet die verschlossene Gebärmutter,
befördert rasch die Menstruation und den Fötus, wenn sie mit Wer-
muth und einer Lupinienabkochng oder Rautensaft in Zäpfchen ein-
geführt wird. Sie wird auch als Pille von Bohnengrösse genommen
gegen chronischen Husten, Orthopnöe gegen Seiten- und Brustschmerzen,
gegen starken Durchfall und Dysenterie und Nierenleiden, wie das
Bdellium. Sie stellt die Frostschauer, besonders die viertägigen, wenn
sie zwei Stunden vor dein Eintritt mit Pfeffer und Wasser bohnen-
gross genommen wird. Die Rauheit der Luftröhre und die Heiser-
keit der Stimme benimmt sie, wenn sie verflüssigt und unter die Zunge
gelegt wird. Sie tödtet ferner die Würmer und wird gegen üblen Ge-
ruch des Mundes gekaut. Gegen Erschlaffung der Achseln wird sie mit
trockenem Alaun eingesalbt; mit Wein und Oel als Spülung macht sie
die Zähne und das Zahnfleisch fest. Aufgestreut verklebt sie auch die
Kopfwunden, heilt mit Schneckenfleisch eingestrichen zerschlagene Ohren
und blossgelegte Knochen, mit Meconion, Bibergeil und Glaukion eiter-
flüssige und entzündete Ohren. Gegen Finnen wird sie mit Kassia und
Honig eingesalbt, Flechten vertreibt sie mit Essig, ausfallende Haare be-
festigt sie eingestrichen mit Ladanum, Wein und Myrtenöl, chronischen
Katarrh lindert sie als Salbe in die Nasenflügel eingestrichen, Geschwüre
in den Augen füllt sie aus, vertreibt die weissen Flecken und die Verdunke-
lungen der Pupille und glättet die Rauheiten. Es wird aus ihr auch wie
aus dem Weihrauch ein Russ gemacht, wie wir zeigen werden, welcher
dieselben Wirkungen hat.

78. Böotische Myrrhe.

Smyrnium Olusatrum - Pferdseppich

Die böotische Myrrhe ist die von einem gewissen in Böotion wachsenden
Baume abgeschnittene Wurzel. Wähle die, welche der Myrrhe an Wohl-
geruch ähnlich ist. Sie hat erwärmende, erweichende, lösende Kraft.
Mit Vortheil wird sie auch den Räucherungen zugemischt.

79. Styrax.

Styrax officinalis (Styraceae) - Styrax

Der Styrax ist die Thräne eines gewissen, der Quitte ähnlichen Baumes.
Den Vorzug verdient der gelbe und fette, harzähnliche, welcher weissliche
Körnchen enthält, möglichst lange den Wohlgeruch behält und beim Knoten
eine eigene honigähnliche Feuchtigkeit abgibt. Ein solcher ist der gabalitische,
pisidische und kilikische. Schlecht ist der schwarze, zerreibliche und kleien-
artige. Es findet sich aber auch eine Thräne, ähnlich dem Gummi, durch-
scheinend, myrrhenartig; diese bildet sich aber wenig. Sie verfälschen ihn
durchVermischen mit dem Holzmehl des Baumes, welches von Würmern
aufgebohrt wird, mit Honig und dem Bodensatze des Schwertlilienöls und
anderen Substanzen. Einige parfümiren Wachs und Taig, knoten es in
der brennenden Sonnenhitze unter den Styrax und drücken es durch einen
weitlochigen Durchschlag in kaltes Wasser, indem sie so gleichsam
Würmchen bilden, und verkaufen es als sogen. Wurmstyrax. Die Un-
kundigen lassen einen solchen als ächt gelten, indem sie nicht auf die
Stärke des Geruches ihr Augenmerk richten, denn der unverfälschte ist
sehr scharf. Er hat erwärmende, erweichende, verdauende Kraft, ist
wirksam gegen Husten, Katarrh, Erkältung, Heiserkeit und Verlust der
Stimme, ist ferner ein gutes Mittel gegen die Verstopfungen und Ver-
härtungen der Gebärmutter und befördert, innerlich genommen und in
Zäpfchen, die Menstruation, erweicht auch, eine Kleinigkeit mit Ter-
pentinharz genommen, sanft den Leib. Mit Nutzen wird er auch den
vertheilenden Umschlägen und den stärkenden Salben zugemischt. Er
wird aber auch angezündet, gedörrt, verbrannt und zu Russ gemacht,
wie der Weihrauch. Sein Russ eignet sich zu Allem dem, wozu der des
Weihrauchs angezeigt ist. Das aus ihm in Syrien bereitete Styraxsalböl
erwärmt und erweicht kräftig, jedoch verursacht es Kopfschmerzen,
Schwere (der Glieder) und Todtenschlaf.

80. Bdellion.

Commophora africana (Burseraceae) - Bdellium

Das Bdellion - Einige nennen es Madelkon, Andere Bolchon - ist die
Thräne eines arabischen Baumes; gut davon ist dasjenige, welches bitteren
Geschmackhat, durchscheinend, dem Stierleim ähnlich, tief nach innen
fett ist, leicht weich wird, frei von Holz und Unreinigkeiten, in der
Räucherung onyxähnlich wohlriechend ist. Es gibt aber auch ein zweites,
unreines und schwarzes, in festen Klumpen, getrockneter Feigenmasse
ähnlich, welches aus Indien gebracht wird. Von Petra kommt auch ein
trockenes, harzähnliches, etwas schwärzliches, das an Kraft geringer ist.
Verfälscht wird es durch Zumischung von Gummi; aber ein solches hat
nicht annähernd den bitteren Geschmack und ist beim Anzünden nicht so
wohlriechend. Es hat erwärmende, erweichende Kraft, kann mit nüchternem
Speichel angerührt Verhärtungen, Kropfbildungen und Wasserhodenbrüche
vertheilen, in Zäpfchen und als Räucherung öffnet es auch die Gebärmutter;
es zieht den Fötus und alle Feuchtigkeit heraus. Getrunken zertrümmert es
den Stein, treibt den Urin und wird mit Nutzen den an Husten Leidenden
und von giftigen Thieren Gebissenen gereicht. Gut ist es ferner gegen
(innere) Zerreissungen, Krämpfe, Brustschmerzen und verschlagene Winde.
Es wird weiter den Salben zugemischt, welche gegen Verhärtumgen und
Knoten der Sehnen dienen. Gestossen wird es angewandt, indem Wein
oder warmes Wasser dazu gegossen wird.

81. Weihrauch.

Boswellia sacra / carterii und Boswellia thurifera / serrata

Der Weihrauch wird in Arabien erzeugt, in der Gegend, welche die
weihrauchtragende genannt wird. Den ersten Platz behauptet der männliche,
sogen. Stagonias, von Natur rund. Ein solcher ist klein, weiss und auf dem
Bruche innen fett, zum Räuchern angezündet rasch verbrennend. Der
indische ist hellgelb bis dunkelfarbig. Er wird aber auch künstlich rund
gemacht; sie schneiden ihn nämlich in viereckige Stücke, werfen diese in
irdene Töpfe und rollen sie, bis sie die runde Form angenommen haben.
Mit der Zeit aber wird er gelb, er wird der geschnittene oder syagrische
genannt. An zweiter Stelle kommt der Orobias und der geschnittene,
welchen Einige Kopiskos nennen, der kleiner und gelber ist. Eine
Sorte wird auch Amomites genannt; er ist übrigens weiss und beim
Kneten nachgebend wie Mastix. Jeglicher Weihrauch wird künstlich mit
Fichtenharz und Gummi verfälscht. Die Untersuchung ist aber leicht zu
machen. Das Gummi nämlich brennt beim Anzünden nicht an, das Harz
verqualmt in Rauch, der Weihrauch dagegen entzündet sich; aber auch
der Geruch thut dasselbe kund. Er hat die Kraft zu erwärmen, zu ad-
stringiren, die Verdunkelungen auf den Pupillen zu vertreiben, die hohlen
Stellen der Wunden auszufüllen und diese zu vernarben, blutige Wunden
zu verkleben, jeden Blutfluss, auch den aus dem Gehirn, zurückzuhalten.
Zerrieben und mit Milch auf Charpie gestrichen, besänftigt er die bös-
artigen Geschwüre um den After und die übrigen Theile; auch vertreibt
er, mit Essig und Pech aufgestrichen im Anfange die Warzen und Flechten.
Mit Schweine- oder Gänseschmalz heilt er ferner die ausgebrannten Ge-
schwüre und die Frostschäden. Bösen Grind heilt er zusammen mit
Nitrum (Soda), Paronychie (Nebennägel) mit Honig, Ohrenquetschungen
mit Pech aufgestrichen, gegen die übrigen Ohrenleiden hilft er mit süssem
Wein eingegossen. Entzündungen der Brüste von der Geburt her heilt
er als Salbe mit kimolischer Erde und Rosenöl. Auch wird er mit Nutzen
den Arzneien für die Luftröhre und die edlen Eingeweidetheile zugesetzt.
Genossen hilft er den an Blutspeien Leidenden; dagegen ist er Wahnsinn
erregend, wenn er von Gesunden genommen wird, reichlich mit Wein
getrunken, wirkt er gar tödtlich.
Der Weihrauch wird gebrannt, indem er in eine reine Muschelschale
gethan und durch ein Korn an der Lampe entzündet wird, bis er ausge-
brannt ist. Gegen Ende der vollständigen Verbrennung muss man ihn mit
irgend etwas bedecken, bis er ganzausgelöscht ist, denn auf diese Weise
wird er nicht ganz vorascht. Einige aber stülpen über das Schälchen ein
vertieftes erzenes gefäss, welches in der Mitte zur Aufnahme des Rauches
durchbohrt ist, wie wir in der Abhandlung über den Weihrauchruss zeigen
werden. Andere werfen ihn in einen rohen Topf, den sie mit Lehm ver-
schmieren und verbrennen ihn im Ofen. Auch wird er in einer neuen Schale
über glühenden Kohlen erhitzt, bis er sich nicht mehr aufbläht und weder
irgend eine Fettigkeit noch Rauch von sich gibt. Gebrannt lässt er sich leicht
zerstossen.

82. Weihrauchrinde.


Die Rinde des Weihrauehs wird als vorzüglich angesehen, wenn sie dicht,
fett und wohlriechend, frisch und glatt, dabei nicht flechtig und häutig ist.
Sie wird verfälscht durch untergemengte Rinde der Fichte und Pinie. Das
Erkennungsmittel für diese ist das Feuer; denn die anderen Rinden, zum
Räuchern angezündet, verbrennen nicht, sondern entzündet verqualmen sie
ohne Wohlgeruch, die Weihrauchrinde dagegen verbrennt und gibt einen
wohlriechenden Rauch. Sie selbst wird aber auch wie der Weihrauch ge-
brannt. Sie hat dieselbe Kraft wie der Weihrauch, nur ist sie starker und
adstringirender. Deshalb eignet sie sich im Trank mehr für die, welche an
Blutspeien, im Zäpfchen für die, welche an Blutflüssen leiden. Sie leistet
auch Dienste bei vernarbenden Wunden im Auge, gegen Cavernen und
Schmutz; geröstet hilft sie gegen Augenkrätze.

83. Manna des Weihrauchs.


Die Manna des Weihrauchs ist gut, wenn sie weiss, rein und hörnig ist. Sie
hat dieselbe Kraft wie der Weihrauch, aber viel schwächer. Zur Ver-
fälschung mischen Einige gesiebtes Pinienharz und Weizenmehl oder das
Aeussere des geschnittenen Weihruachs darunter; auch dieses thut das
Feuer dar, denn niemals wird es einen dem reinen Dampf ähnlichen oder
gleichkräftigen Rauch geben, sondern einen unreinen Russ machen. Auch
hat der Wohlgeruch einen (fremdartigen) Geruch beigemischt.

84. Weihrauchruss.


Den Weihrauchruss mache auf folgende Weise: Mittelst einer Zange ent-
zünde jedes Weihrauchkorn für sich allein an einer Lampe und lege es in
einen neuen vertieften irdenen Tiegel. Dann decke darüber ein gewölbtes
kupfernes Gefäss, welches in der Mitte durchbohrt und sorgfältig abge-
rieben ist. Auf einer oder auf beiden Seiten lege Steinchen vier Finger
hoch darunter, um sehen zu können, ob es brennt, und damit Raum sei,
stets andere Körner nachzulegen, bevor das erstere Korn vollständig er-
loschen ist, und dies thue, bis du glaubst, genügend Russ gesammelt
zu haben.
Unausgesetzt aber umstreiche das Aeussere des Kupfergefässes mit
einem Schwamm aus kaltem Wasser; denn so, wenn dasselbe nicht sehr
heiss ist, setzt sich sämmtlicher Russ an; durch seine Schwere aber herab-
gefallen würde er sich mit der Asche des verbrannten Weihrauchs ver-
mischen. Nachdem du nun den ersten Russ abgestrichen hast, thue das-
selbe, so oft es dir gut scheint, nimm aber auch die Asche des verbrannten
Weihrauchs für sich heraus.
Er hat die Kraft, die Entzündungen in den Augen zu lindern, Flüsse
zurückzuhalten, Wunden zu reinigen, Cavernen auszufüllen und Krebs-
geschwüre zu heilen.

85. Bereitung des Russes.


Auf die nämliche Weise wird aus der Myrrhe, aus dem Harze, aus dem
Styrax der Russ bereitet. Man gebraucht ihn zu denselben Zwecken.
Auch aus den übrigen Thränen gewinne den Russ auf gleiche Weise.

86. Pinie.

Pinus pinea / maritima / halepensis etc. (Pinaceae) - Pinie

Die Pinie ist ein bekannter Baum; zu derselben Art gehört auch die sogen.
Fichte, welche an Aussehen von ihr verschieden ist. Die Rinde beider ist
zusammenziehend, als Pulver aufgestreut ist sie ein gutes Mittel bei Wolf,
desgleichen mit Bleiglätte und Manna bei Granulationswucherungen und
ausgebrannten Wunden. Mit Myrtenwachssalbe zusammengemischt, vernarbt
sie Geschwüre auf zarter Haut, mit Kupfervitriol zusammengerieben, hält
sie um sich greifende Geschüre auf. Als Räucherung treibt sie den Embryo
und die Nachgeburt aus, getrunken stellt sie den Durchfall und befördert die
Harnabsonderung. Auch ihre Blätter, zerrieben und aufgelegt, lindern die Ent-
zündung und bewahren die Verletzungen vor Entzündung. Gequetscht
und in Essig gekocht, besänftigen sie als warme Mundspülung die Zahn-
schmerzen. Auch Leberleidenden gind sie zuträglich, 1 Drachme Blätter
mit Wasser oder Honigmeth getrunken. Dasselbe leisten auch getrunken
die Rinde und die Blätter des Strobilos (Kiefer); auch die daraus fein
geschnittenen Kienspähne lindern mit Essig gekocht die Zahnschmerzen,
wenn die Abkochung am leidenden Zahn behalten wird. Auch wird daraus
ein Spatel gemacht, geeignet zur Bereitung von Salben und Zäpfchen.
Ferner wird aus ihnen nach dem Anzünden der Russ gewonnen zur
Bereitung von schwarzer Tinte, der auch zur Augenschminke dient und
gegen angefressene Augenwinkel, sowie gegen Ptilosis und Augen-
triefen.

87. Pityiden.


Pityiden werden die Samen der Pinienfichte und der Strandkiefer, welche
in den Zapfen sich befinden, genannt. Sie haben verdauende und einiger-
massen erwärmende Kraft. Sie helfen auch gegen Husten und Brustleiden
für sich allein oder mit Honig genommen.

88. Zapfen.


Die Zapfen, so rein geflossen oder mit süssem Wein oder Gurkensamen
genommen, sind urintreibend und lindern die Blasen- und Nierenschwerzen.
Mit Portulaksaft genommen besänftigen sie Magenstechen, helfen der
Schwäche des Körpers auf und wirken der Verderbniss der Säfte entgegen.
Die ganzen Zapfen frisch von den Bäumen zerquetscht und in süssem Wein
gekocht sind ein gutes Mittel gegen veralteten Husten und Schwindsucht,
wenn der Trank aus ihnen in der Gabe von 3 Bechern jeden Tag genommen wird.

89. Schinos.

Pistacia lentiscus (Anacardiaceae)- Mastixpistacie

Die Mastizpistacie, ein bekannter Baum, alle seine Theile sind zusammen-
ziehend; denn sowohl die Frucht derselben, als auch die Blätter und die
Rinde der Zweige und der Wurzel haben dieselbe Kraft. Es wird auch ein
Saft aus der Rinde, aus der Wurzel und den Blättern bereitet, wenn sie ge-
nügend mitWasser gekocht sind, indem dann die Flüssigkeit, nachdem
die Blätter zu Ende des Kochens beseitigt sind, wieder bis zur Honig-
consistenz eingekocht wird. Als Adstringens wirkt er getrunken gegen
Blutsturz, Bauchfluss, Dysenterie, sowie gegen Blutfluss aus dem Uterus
und gegen Gebärmutter- und Mastdarmvorfall. Ueberhaupt lässt sie
(die Mastixpistacie) sich statt der Akazie und Hypokistis gebrauchen.
Dasselbe leistet auch der ausgepresste Saft der Blätter. Die Abkochung
derselben ferner als Bähung füllt hohle Stellen aus und verursacht an den
nicht verwachsenen Knochen die Callusbildung, stellt auch den Gebär-
mutterflass, hält fressende Geschwüre auf und ist harntreibend. Sie befestigt
auch als Mundspülwasser lose Zähne. Die grünen Holzsplitter, mit welchen
statt Zahnstochern die Zähne gerieben werden, machen diese glatt. Endlich
wird aus der Frucht selbst ein adstringirendes Oel bereitet, geeignet für alle
ein Adstringens benöthigenden Fälle.

90. Mastixharz.

Pistacia lentiscus (Anacardiaceae)- Mastixpistacie

Von derselben stammt auch ein Harz Schinine, von Einigen dagegen Mastix
genannt, welches mit Vortheil gegen Blutsturz und veralteten Husten im
Trank gebraucht wird. Es ist auch dem Magen wohlbekömmlich, da es Auf-
stossen bewirkt. Ferner wird es den Zahnmitteln und den Gesichtspomaden
als glänzendmachendes Mittel zugemischt. Es verklebt auch die Haare in den
Augen, bewirkt gekaut Wohlgeruch des Mundes und zieht das Zahnfleisch
zusammen. Das beste und meiste wird auf der Insel Chios erzeugt; den Vor-
zug darunter verdient das glänzende, an Helle dem tyrrhenischen Wachs
ähnliche, das volle, feste, leicht zerreibliche und wohlriechende, das grünliche
dagegen ist minderwerthig. Verfälscht wird es durch Zumischung von Weih-
rauch und Strobilosharz.

91.Terebinthe.

Pistacia terebinthus (Anacardiaceae) - Terpentinpistacie

Die Terpentinpistacie ist ein bekannter Baum; seine Blätter, Frucht und Rinde
sind zusammenziehend und eignen sich zu dem, wozu auch die Mastixpistacie
dient, wenn sie auf gleiche Weise zubereitet und angenwandt werden. Ihre
Frucht ist essbar, dem Magen (aber) schädlich, harntreibend, erwärmend,
sie ist das beste Reizmittel zum Liebesgenuss. Mit Wein getrunken dient
sie gegen den Biss giftiger Spinnen. Das Harz aus derselben wird aus dem
steinigen Arabien bezogen; es entsteht aber auch in Indien, Syrien, auf
Kypern, in Libyen und auf den kykladischen Inseln. Den Vorzug verdient
das mehr durchsichtige, weisse, an Farbe dem Glase ähnliche und dunkel-
bläulich schimmernde, nach Terpentin duftende. Unter allen Harzen nimmt
daher das der Terebinthe die erste Stelle ein, nach ihm kommt der Mastix,
dann das Fichten- und Tannenharz, nach diesen zählt das Kiefern- und
Strobilosharz.
Sämtliches Harz ist erweichend, erwärmend, verbreitend, reinigend, dienlich
bei Husten und Schwindsucht als Leckmittel für sich allein oder mit Honig,
es ist auch ein Expectorans. Ferner ist es harntreibend und verdichtend und
erweicht den Leib. Weiter dient es zum Zusammenkleben der Haare an den
Augenlidern und mit Grünspahn, Kupfervitriol und Natron gegen Aussatz,
mit Honig und Oel gegen eiterige Ohren und gegen Jucken an den Geschlechts-
theilen. Es wird auch den Pflastern, Umschlägen und Salben zugemischt.
Endlich hilft es auch bei Seitenschmerzen für sich allein eingeschmiert oder
aufgelegt.

92. Andere Harze.

Pinus pinaster / martima (Pinaceae) - Pinaster- oder Strandkiefer
Larix decidua - Lärche

Es gibt aber ein flüssiges Fichten- und Kiefernharz, welches von Gallien
und Tyrrhenion hergebracht wird; auch von Kolophons wurde es früher
wohl eingeführt, daher hat es den Beinamen Kolophonia erhalten, ebenso
aus dem an den Alpen gelegenen Galatien, welches die Bewohner desselben
in ihrer Sprache Larix nennen und welches in der Latwerge und für sich
allein vorzügliche Dienste leistet gegen chronischen Husten. Auch diese
sind nach der Farbe verschieden, denn das eine ist weiss, das andere
ölartig, ein anderes gleicht dem Honig, wie die Larix. Es gibt aber
auch ein flüssiges Cypressenharz, welches gegen dieselben Leiden dient.
Von trockener Art ist theils das Strobilos- und Tannenbarz, theils das
Kiefern-, theils das Fichtenliarz. Wähle aber von allen das wohl-
riechendste und durchscheinende und nicht dürre, noch das sehr feuchte,
vielmehr das wachsähnliche und leicht zerreibliche. Den Vorzug unter
ihnen verdient das Fichten- und Tannenharz, denn sie sind wohlriechend
und weihrauchähnlich. In feiner Qualität werden sie von der Insel
Pityusa, welche in der Nähe von Spanien liegt, gebracht. Das Kiefern-,
Strobilos- und Cypressenharz ist minderwerthiger und besitzt nicht in
gleicher Weise die Kräfte wie jene; sie werden aber gegen dasselbe an-
gewandt wie jene. Das Mastixharz ist jedoch dem Terpentin gleich-
werthig.

93. Die Art und Weise, das Harz zu brennen.


Jegliches flüssige Harz wird in einem Kessel gebrannt, der viermal so viel
fasst, als die Menge der eingegossenen Flüsigkeit beträgt. Man muss 1 Chous
Harz und 2 Chous Regenwasser in den Kessel giessen und unter beständigem
Rühren gelinde über Kohlen kochen, bis es geruchlos, leicht zerreiblich und
trocken wird und dem Fingerdruck nicht mehr nachgibt. Das Verbleibende
muss man nach dem Abkühlen in ein irdenes ungepichtes, das heisst nicht
verpichtes Gefäss abfüllen, es wird dann sehr weiss. Doch muss man jedes
Harz vorher schmelzen und coliren, damit sein Schmutz abgesondert werde.
Sie werden auch ohne Wasser über Kohlen zuerst leicht erhitzt, wenn sie
aber beginnen sich zusammenzuballen, kräftig, und unter Zugabe von
viel Kohlen und Kochen ohne Unterlass drei Tage und Nächte hindurch,
bis sie die vorgenannte Beschaffenheit erlangt haben. Setze sie dann
weg, wie angegeben ist. Bei den trockenen jedoch wird es hinreichen,
sie einen ganzen Tag zu kochen und sie dann wegzusetzen. Die ge-
brannten finden nützliche Anwendung zu wohlriechenden Pflastern und
Salben und zum Färben der feinen Pomaden. Es wird auch der Russ
des Harzes dargestellt, wie beim Weihrauch (angegeben ist), welcher zur
Verschönerung der Augenlider, bei ringsum angefressenen Augenwinkel,
bei triefenden Lidern und trändenden Augen dient. Es wird daraus auch
Tinte gemacht, womit wir schreiben.

94. Flüssiges Pech.


Das flüssige Pech (der Theer) nun, welches einige auch Konos nennen,
wird aus den fettesten Hölzern der Kiefer und Fichte gesammelt. Als schön
aber gilt das glänzende, glatte und reine. Es ist wirksam gegen tödtlichen
Gifte, bei Schwindsucht, Lungengeschwüren, Husten, Asthma, bei schwerem
Auswerfen von Schleim (Flüssigkeiten) aus der Brust, wenn es in der
Gabe eines Bechers mit Honig aufgeleckt wird. Es wirkt auch als Salbe
gegen Anschwellungen der Mandeln, des Zäpfchens und gegen Entzündung
der inneren Schlundmuskeln (Bräune), ferner bei eiterflüssigen Ohren mit
Rosensalbe und gegen Schlangenbisse mit fein zerriebenem Salz aufge-
schmiert. Mit gleichviel Wachs gemischt entfernt es schorfige Nägel,
zertheilt Geschwülste der Gebärmutter und Verhärtungen des Afters. Mit
Gerstenmehl und Knabenurin gekocht zerreisst es ringsum die verhärteten
Halsdrüsen. Mit Schwefel oder Fichtenrinde oder Kleien eingestrichen
hält es kriechende Geschwüre auf. Mit Manna und Wachsalbe gemischt
verklebt es die Fisteln, auch bei Schrunden an den Füssen und Fingern
wirkt es als Salbe heilsam. Ebenso füllt es die Geschwüre aus und
reinigt sie mit Honig; mit Rosinen und Honig zertheilt es ringsum die
Karbunkeln und eiternden Geschwüre. Mit Nutzen wird es auch den
fäulnisswidrigen Mitteln zugemischt.

95. Theeröl.


Aus dem Theer wird auch ein Theeröl hergestellt, indem das Wasserartige
abgeschieden wird; dieses stellt darüber, wie Molken über der Milch, und
wird nun beim Kochen des Theers erhalten, indem reine Wolle darüber
ausgebreitet wird, welche, wenn sie aus dem aufsteigenden Dampfe ge-
sättigt ist, in ein Gefäse ausgedrückt wird. Dieses geschieht die ganze Zeit
hindurch in welcher der Theer gekocht wird. Es leistet dasselbe wie der
Theer. Mit Gerstenmehl aufgestrichen, befördert es den Haarwuchs bei der
Fuchskrankheit (Alopekie, Haarschwund). Dieselbe Heilkraft besitzt auch
der Theer, wenn er eingerieben wird, bei Geschwüren und Räude des Viehes.

96.Russ des Theers.


Der Russ aus dem Theer wird auf diese Weise gewonnen: in eine neue,
mit einem Dochte versehene Lampe gib etwas Theer, zünde ihn an und
bedecke die Lampe mit einem neuen irdenen klibanosähnlichen Gefässe,
welches nämlich oben rund und eng ist, unten aber geradeso wie die
Klibanoi ein Loch hat, und lass brennen. Wenn die erste Flüssigkeit
verzehrt ist, giesse andere auf, bis du hinreichend Russ gebrannt hast,
und gebrauche ihn. Er hat scharfe und adstringirende Kraft. Verwendet
wird er aber zur Verschönerung der Augenlider und auch zum Bestreichen
ringsum, auch wenn triefende Wimpern neue Haare bekommen sollen.
Ebenso ist er gut zu gebrauchen bei schwachen, thränenden, besonders
bei geschwürigen Augen.

97. Pech.


Das Pech wird nun noch durch Kochen des Theers bereitet. Dasselbe wird
von Einigen auch Palimpissa genannt. Eine Sorte davon ist klebrig, Boskas
genannt, die andere trocken. Als schön gilt das reine, fette, wohlriechende,
hellgelbe und harzartige. Ein solches ist das lykische und bruttische, sie haben
beide Naturen, die des Pechs und zugleich des Harzes. Er hat erwärmende,
erweichende, Eiter machende, Geschwülste und Drüsengeschwüre zertheilende
und Geschwüre ausfüllende Kraft. Mit Nutzen wird es auch den Wundarzneien
zugemischt.

98. Zopissa.


Zopissa, sagen Einige, sei das zugleich mit dem Wachs von den Schiffen
abgekratzte Harz, welches von Einigen Apochyma genannt wird und ver-
theilend wirkt durchdie Bespülung mit dem Meerwasser. Andere nennen
so das Fischtenharz.

99. Asphalt.


Der jüdische Asphalt verdient den Vorzug vor den übrigen. Als schön gilt
der purpurfarbig glänzende, durch Geruch und Schwere ausgezeichnete,
der schwarze und schmutzige ist schlecht; denn verfälscht wird er durch
zugemischtes Pech. Er wird auch in Phönikien, Sidon, Babylonien und
Zakynthos erzeugt und entsteht auch bei Agrigent, einem Landstrich auf
Sicilien, wo er als Flüssigkeit auf den Quellen schwimmt; sie gebrauchen
ihn statt des Oels auf Lampen und nennen ihn irrthümlich sicilisches Oel.
Es ist aber eine Art flüssigen Asphalts.

100. Pissasphalt.

Asphalt mit Theer

Eine Art wird auch Pissasphalt genannt, welche zu Apollonia in der Nähe
von Epidamnos erzeugt wird. Dieser wird von den keraunischen Bergen
durch die Gewalt des Flusses herabgeführt und an die Ufer ausgeworfen,
ist in Klumpen zusammengebacken und riecht nach Asphalt und Pech zu-
gleich. Der Pissasphalt wirkt dasselbe, wie Pech und Asphalt zusammen-
gemischt.

101. Naphtha.

Erdöl

Eine Art heisst auch Naphtha, welche das Abgeseihte vom babylonischen
Asphalt ist; sie ist von weisser Farbe, doch wird auch eine schwarze gefunden,
und hat die gierige Kraft des Feuers, so dass sie dieses schon aus der Ferne an
sich reisst. Sie erweist sich heilsam bei Staar und Hornhautflecken (Leukomen).
Sämmtlicher Asphalt hat eine entzündungswidrige, verklebende, zertheilende,
erweichende Kraft, ist wirksam bei Gebärmutterkrämpfen und -vorfällen
als Zäpfchen, Riechmittel und Räucherung, er bekämpft, auch die epi-
leptischen Anfälle als Räucherung geradeso wie der Gagatstein. Mit
Wein und Bibergeil getrunken befördert er die Periode, hilft bei chro-
nischem Husten, Asthma und Engbrüstigkeit, gegen Schlangenbiss, bei
Ischias und Brustschmerzen. Den Magenleidenden wird er im Bissen ge-
reicht und geronnenes Blut (Thromben) löst er mit Essig getrunken,
Ruhrleidenden wird er mit Gerstenschleim verdient als Klystier verab-
reicht, Katarrhe heilt er als Räucherung, Zahnschmerzen lindert er als
Umschlag; trocken in einem Ohrlöffel erhitzt verklebt er die Haare.
Mit ungeröstetem Schrot, Wachs und Natron hilft er als Umschlag den
an Podagra, Gicht und Schlafsucht Leidenden.

102. Cypresse.

Cypressus sempervirens (Araucariaceae) - Cypresse

Die Cypresse adstringirt und kühlt; ihre Blätter mit süssem Wein und
etwas Myrrhe getrunken helfen bei Blasenrheumatismus, lindern Harnver-
haltung. Die gestossenen Früchte mit Wein genossen erweisen sich
heilsam bei Blutsturz, Dysenterie, Blasenrheumatismus, Orthopnöe und
Husten. Auch ihre Abkochung leistet dasselbe. Mit Feigen gestossen
erweichen sie Verhärtungen und heilen den Nasenpolyp. Mit Essig kräftig
gekocht und mit Lupinen zerrieben ziehen sie krätzige Nägel heraus. Im
Umschlag bringen sie Darmbrüche in Ordnung. Die Blätter leisten das-
selbe. Die Früchte mit dem Laub zum Räuchern angezündet sollen die
Mücken vertreiben.Die zerriebenen Blätter aufgelegt verkleben die
Wunden; sie sind aber auch blutstillend. Mit Essig fein zerrieben färben
sie die Haare. Dann werden sie für sich allein und mit Gerstengraupen
bei roseartigen Hautentzündungen und Bläschenausschlag, bei Karbunkeln
und Augenentzündungen im Umschlag angewandt. Mit Wachssalbe ge-
mischt und aufgelegt stärken sie den Magen.

Wachholder.

Juniperus phoenicea (Araucariaceae) - Cypressenwachholder
Juniperus oxycedrus (Araucariaceae) - Grosser Stachelwachholder

Eine Art Wachholder ist gross, eine aber klein. [Die Einen nennen ihn
Arkeuthis, die Anderen Mnesitheon, Akatalis, die Afrikaner Zuorinsipet,
die Aegypter Libium, die Römer Juniperus, die Gallier Joupikelluson.
Der grosse ist den Meisten bekannt, er ist ähnlich der Cypresse und wächst
in rauhen und Meeresgegenden. Beide sind scharf, urintreibend und er-
wärmend, als Räucherung angezündet vertreiben sie die wilden Thiere.
Ihre Frucht wird bei der einen Art von der Grösse einer Nuss gefunden,
bei der anderen ist sie gleich einer pontischen Nuss, rund, wohlriechend
und beim Zerkauen süss, dabei etwas bitter, sie wird Wachholderbeere
(Arkeuthis) genannt, ist mässig erwärmend und zusammenziehend, dem
Magen wohlbekömmlich. Getrunken wirkt sie bei Brustleiden, Husten,
Blähungen , Leibschneiden und gegen den Biss wilder Thiere. Sie ist
auch unrintreibend, daher dient sie auch bei Krämpfen, inneren Zer-
reissungen und bei Mutterkrämpfen.

104. Sadebaum.

Juniperus sabina (Araucariaceae) - Sadebaum oder Sevenbaum

Den Sadebaum nennen Einige Barathron [Andere Baryton oder Baron,
die Römer Herba Sabina]. Es gibt zwei Arten davon; die eine ist nämlich
in den Blättern ähnlich der Cypresse, nur dorniger, stark dufteud, scharf
und brennend, der Baum ist aber kurzgedrungen und mehr in die Breite sich
ausdehnend; Einige wenden die Blätter zum Räuchern an. Die andere ist in
den Blättern der Tawariske ähnlich. Die Blätter beider hemmen um sich
fressende Geschwüre und lindern im Umschlag Entzündungen, reinigen,
mit Honig aufgeschmiert, von schwarzen Massen und Schmutz und reissen
ringsum die Karbunkeln auf. Mit Wein getrunken führen sie auch das Blut
durch den Urin ab und treiben den Fötus aus; in Zäpfchen und in der Räuche-
rung wirken sie dasselbe. Sie werden auch den erwärmenden Salbölen
zugemischt, besonders dem Mostöl.

105. Ceder.

Juniperus excelsa, Juniperus communis, Juniperus phoenicea (Araucariaceae)

Die Ceder ist ein grosser Baum, aus dem das sogen. Cedernharz gewonnen
wird. Sie hat eine Frucht ähnlich der der Cypresse, aber viel grösser. Es
wird auch eine andere Ceder genannt, klein, dornig wie Wachholder, die
eine runde Frucht trägt von der Grösse der der Myrte. Das beste Cedernharz
ist dicht und durchscheinend, stark riechend, welches beim Ausgiessen in
Tropfen bleibt und nicht auseinanderläuft. Es hat die Kraft, lebende Körper
in Fäulniss zu bringen, todte dagegen zu conserviren. Deshalb haben
Einige auch dasselbe das Leben des Todes genannt. Auch Kleider und
Pelze zerstört es durch das heftige Erwärmen und Austrocknen.
Es eignet sich sehr zu Augenmitteln, indem es eingestrichen das Sehen
schärft und Leukome und Narben entfernt. Mit Essig eingetröpfelt
tödtet es die Würmer in den Ohren, mit Hysopabkochung eingegossen
beseitigt es Ohrenklingen und Ohrensausen. In hohle Zähne gesteckt
zerstört es zwar die Zähne, vertreibt aber die Zahnschmerzen, mit Essig
als Mundspülwasser thut es dasselbe. Das Schamglied vor dem Bei-
schlafe damit eingesalbt, verhindert es die Empfängniss. Bei Entzündung
der inneren Schlundmuskeln (Bräune) ist es ein Einsalbungsmittel und
hilft auch bei Mandelentzündungen. Eingeschmiert tödtet es Läuse und
Wanzen. Gegen den Biss der Hornschlange leistet es als Aufschlag
Hülfe. Gegen genossenen Meerhasen hilft es mit süssem Wein ge-
nonommen, auch den an Elephantiasis Leidenden ist es heilsam. Als Leck-
mittel oder als Salbe reinigt es die Geschwüre an der Lunge und bringt
sie in der Gabe eines Bechers geschlürft zur Heilung. Im Klystier an-
gewandt tödtet es Spulwürnier und Askariden, zieht auch den Fötus
heraus. Es wird auch ein Oel daraus gemacht, welches vom Harz durch
Wolle abgeschieden wird, die wie beim Pech während des Kochens darüber
gespannt wird; es hat dieselbe Wirkung wie das Cedernharz. Insbesondere
heilt das Oel, kräftig eingerieben, aber die Räude der Vierfüssler, der
Hunde und Ochsen und tödtet ihre Zecken, bringt auch die beim Scheeren
verursachten Geschwüre zur Vernarbung. Den Russ desselben macht man
wie den des Pechs, er hat dieselbe Wirkung wie dieser. Die Früchte
desselben (d. h. des Baumes) werden Kedriden genannt. Sie haben er-
wärmende Kraft, dem Magen sind sie schädlich. Sie helfen bei Husten,
Krämpfen, inneren Zerreissungen, Harnzwang, befördern, mit gepulvertem
Pfeffer genommen, die Menstruation und werden auch gegen genossenen
Meerhasen mit Wein genommen. Sie verscheuchen die wilden Thiere,
wenn der Körper zugleich mit Hirschtalg oder Mark eingerieben ist. Sie
werden auch den Gegengiften beigemischt.

106. Lorbeer.

Laurus nobilis (Laurineae) - Lorbeer

Die eine Art Lorbeer ist schmalblätterig, die andere breitbliitterig.
Erwärmend und erweichend sind beide; deshalb eignet sich ihre Ab-
kochung zu Sitzbädern bei Gebärmutter- und Blasenleiden. Die grünen
Blätter adstringiren gelinde, zerrieben und aufgelegt heilen sie Wespen-
und Bienenstiche. Sie vermögen auch jede Entzündung zu lindern, wenn
sie mit Gerstengraupen und Brod umgeschlagen werden. getrunken aber
beschweren sie den Magen und erregen Erbrechen. Die Früchte (Lorbeeren)
sind erwärmender als die Blätter; sie wirken daher im Leckmittel mit Honig
oder süssem Wein gut bei Phthisis und Orthopnöe und Rheumatismus der
Brust. Mit Wein werden sie gegen Skorpionenstich getrunken, auch be-
seitigen sie die weissen Hautflecken. Der aus ihnen gepresste Saft hilft
bei Ohrenschmerzen und Schwerhörigkeit, wenn er mit altem Wein und
Rosenöl eingeträufelt wird. Er wird auch den Salben, sowie den erwärmenden
und vertheilenden Umschlägen zugemischt. Die Rinde der Wurzel aber
zertrümmert den Stein und tödtet die Frucht; sie ist auch Leberleidenden
heilsam, wenn sie in der Gabe von 3 Obolen mit gewürztem Wein ge-
trunken wird.

107. Platane.

Plantanus orientalis (Plantanaceae) - Plantane

Die zarten Blätter der Platane in Wein gekocht und umgeschlagen hemmen
den Augenfluss, sie besänftigen aber auch die Oedeme und Entzündugen.
Die Rinde mit Essig gekocht bildet ein Mundwasser gegen Zahnschmerz.
Die grünen, kugeligen Früchte mit Wein getrunken helfen gegen Schlangen-
biss, inFett aufgenommen heilen sie die Verbrennungen mit Feuer. Der
Flaum an Blättern und Früchten ist eingedrungen (in Ohren und Augen)
dem Gehör und Gesicht schädlich.

108. Manna-Esche.

Fraxinus Ornus (Oleaceae) - Manna-Esche

Die Esche ist ein bekannter Baum; der Saft seiner Blätter und diese selbst
mit Wein getrunken und im Umschlage helfen denen, die von Schlangen
gebissen sind. Die gebrannte Rinde heilt mit Wasser aufgeschmiert den
Aussatz. Die Drehspähne des Holzes, genossen, sollen tödtlich wirkend sein.

Cap, 109. Weisspappel.
Populus alba (Salicaceae) - Weiss- oder Silberpappel

Die Rinde des Pappelbaumes in der Gabe von 1 Unze getrunken hilft
gegen Ischias und Harnzwang. Es wird auch gesagt, dass sie mit der Niere
vom Maulesel genossen Unfruchtbarkeit bewirke; es beisst auch, dass die
Blätter nach einem Abführmittel mit Wein dasselbe leisten. Der Saft der
Blätter, lauwarm eingeträufelt, hilft gegen Ohrenschmerzen. Die beim
Hervorbrechen der Blätter entstehenden rundlichen Gebilde heilen, fein ge-
stossen, mit Honig als Salbe die Schwachsichtigkeit. Einige berichten,
dass die Rinde der Weiss- und Schwarzpappel in Stücke zerschnitten und
in gedüngte Gartenbeete gestreut zu jeder Zeit essbare Pilze erzeuge.

110. Schwarzpappel.

Populus nigra (Salicaceae) - Schwarzpappel

Die Blätter der Schwarzpappel mit Essig aufgelegt helfen bei Podagra-
schmerzen. Das Harz dersalben wird Salben zugemischt. Die Frucht mit
Essig getrunken hilft denen an Epilepsie leidenden. Es wird erzählt, dass
dieThräne, welche am Fluss Eridanos aus ihr quillt, erhärte und zu dem
sogen. Bernstein werde, der bei einigen auch Chrysophoron heisst. Beim
Reiben ist sie wohlriechend und hat eine goldige Farbe; wird sie fein
gerieben getrunken, so wirkt sie gegen Dysenterie und Bauchfluss.

111. Makir.


Makir ist eine aus dem Auslande bezogene Rinde, gelblich, fest, im Ge-
schmack stark adstringierend. Sie wird gegen Blutspeien, Dysenterie und
Bauchfluss getrunken.

112. Ulme.

Ulmus campestris (Ulmaceae) - Ulme oder Feldrüster

Die Blätter, Aeste und die Rinde der Ulme sind zusammenziehend. Die fein
zerriebenen Blätter mit Essig wirken als Umschlag bei Aussatz, verkleben
auch Wunden, mehr aber die Rinde, wenn sie als Verband darum gewunden
wird, denn sie ist riemenartig. Die dickere Rinde mit Wein oder kaltem Wasser
in der Gabe von 1 Unze getrunken führt den Schleim ab. Die Abkochung
der Blätter oder der Wurzelrinde als Bähung heilt Knochenbruch durch
beschleunigte Callusbildung. Die um die Zeit des ersten Hervorspriessens
in den Bläschen sich findende Feuchtigkeit macht eingerieben das Antlitz
glänzend; trocknet diese Feuchtigkeit ein, so verwandelt sie sich in mücken-
artige Thiere. Die frischen Blätter werden gekocht als Zukost wie die
Gemüse verwandt.

113. Fäule des Holzes.


Die voll alten Hölzern und Stämmen wie Mehl gesammelte Fäule reinigt um-
geschlagen die Geschwüre und bringt sie zum Vernarben; fressende Ge-
schwüre hält sie mit gleichviel Anis und Wein gemischt auf, wenn sie
fein gepulvert in Leinwand eingeschlagen und aufgelegt wird.

114. Rohr.

Canna indica, Saccharum ravennae (Gramineae) - Flötenrohr, Arundo fistularis,
Arundo donax - Pfeilrohr, Arundo phragmites - Gemeines Rohr, Saccharum
cylindricum

Eine Art Rohr wird die massive genannt, aus der die Pfeile gemacht
werden, eine andere die weibliche, ans der die Zungen für die Flöten
hergestellt werden; eine weitere, das Pfeifenrohr, ist markig, mit vielen
Knoten versehen, geeignet zum Schreiben; eine fernere ist fest und hohl,
wächst an den Flüssen, wird auch Donax und von Einigen das kyprische
genannt. Noch eine andere Art heisst Phragmites, zart, weisslich, Allen
bekannt, deren Wurzel fein zerrieben für sieh allein und mit Zwiebeln als Um-
schlag Splitter und Dornen herauszieht. Mit Essig aber lindert sie Ver-
renkungen und Hüftschmerzen. Die zerstossenen grünen Blätter heilen
aufgelegt roseartige und andere Entzündungen. Der Phleos, gebrannt und
mit Essig aufgeschlagen, heilt die Fuchskrankheit. Der Blüthenbüschel
der Rohre, wenn er in die Ohren gelangt, ruft Taubheit hervor. Das-
selbe vermag auch das sogen. kyprische Rohr zu bewirken.

115. Papyrus.

Cyperus papyrus (Cyperaceae) - Papierstaude

Der Papyrus, aus dem das Papier gemacht wird, ist Allen bekannt. Er
eignetsich sehr wohl zum Gebrauch in der Medizin, zur Oeffnung von
Fisteln, wenn er durch Maceration zubereitet und in Leinen eingeschlagen
ist bis zum Trockenwerden. Denn dicht gemacht und hineingelegt füllt
er sich mit Flüssigkeit an, und anschwellend öffnet er die Fisteln. Seine
Wurzel hat auch einen gewissen Nährstoff; die Aegypter kauen sie daher,
saugen den Saft aus und speien das Ausgesogene aus. Sie verwenden ihn
auch als Holz. Der zu Asche verbrannte Papyrus aber kann fressende
Geschwüre im Munde und an jedem Theile aufhalten. Besser leistet
dieses gebranntes Papier.

116. Tamariske.

Tamarix africana (Tamaricaceae) - Afrikanische Tamariske

Die Tamariske ist ein bekannter Baum, welcher an Sümpfen und stehenden
Gewässern wächst, eine Frucht trägt, welche einer kätzchenartig zusammen-
gesetzten Blüthe ähnlich ist. Die cultivierte Art wächst auch in Aegypten und
Syrien, in Allem der wilden gleich. Sie trägt eine Frucht ähnlich dem Gall-
apfel, ungleich adstringierend im Geschmack, welche sich statt des Gallapfels
zu Mund- und Augenmitteln empfiehlet, im Trank auch gegen Blutspeien,
ferner für Frauen, die am Magen und am Flusse leiden, wie auch bei Gelb-
sucht, und Schlangenbiss. Im Umschlage heilt sie Oedeme; aber auch
die Rinde leistet dasselbe wie die Frucht. Die Wurzelabkochung mit
Wein getrunken erweicht die Milz, hilft als Mundwasser bei Zahn-
schmerzen als Sitzbad ist sie den an Fluss Leidenden, als Begiessung
denen, welche Läuse und Nissen erzeugen, von Nutzen. Die Asche des
Holzes stellt den Gebärmutterfluss. Einige verfertigen aus dem Stamme
auch Becher, welche Milzkranke als Trinkbecher gebrauchen, indem so
der Trank daraus heilsam ist.

117. Heide.

Erica arborea (Ericaceae) - Baumartige Heide

Die Heide ist ein strauchiger Baum, ähnlich der Tamariske, aber viel kleiner.
Ihre Blüthe benutzen die Bienen zum Sammeln eines besonders guten Honigs.
Das Laub und die Blüthen derselben als Umschlag heilen Schlangenbisse.

118. Akakalis.

Tamarix orientalis oder articulata (Tamaricaceae)

Akakalis ist die Frucht eines in Aegypten wachsenden Strauchs, in mancher
Weise derFrucht der Tamariske ähnlich. Der Aufguss davon wird in Augen-
mitteln für Scharfsichtigkeit zugemischt.

119. Wegdorn.

Rhamnus oleides (Rhamnaceae) - Oelblättigerer Wegdorn
Rhamnus saxatilis (Rhamnaceae) - Zwergkreuzwegdorn
Rhamnus paliurus (Rhamnaceae) - Stacheliger Wegdorn

Der Wegdorn [Einige nennen ihn Persephonion, Andere Leukakantha, die
Römer Spina alba, auch Spina cerbalis, die Afrikaner Atadir] ist ein in
Hecken wachsender Strauch mit aufrechten Zweigen und spitzen Dornen
wie Oxyakantha, aber kleinen, länglichen, etwas fettigen, weichen Blättern.
Es gibt aber auch eine zweite weissere Art und eine dritte schwärzere mit
breiteren, etwas ins Rothe gehender Blättern und etwa 5 Ellen und mehr
langen dornigen Zweigen, er hat aber weniger feste und spitze Dornen. Die
Frucht ist breit, weiss, zart, beinahe beutelförmig, ähnlich einem Wirtel.
Die Blätter aller wirken als Umschlag gegen roseartigen und Bläschen-
ausschlag. Es heisst aber auch, dass die Zweige desselben vor der Thür
oder draussen hingesetzt den schädlichen Einfluss der Gifte abhalten.

120. Melde.

Atriplex halimus (Chenopodiaceae) - Meldenstrauch

Die Melde [Einige nennen sie Eryinon, auch Brettanika, Rhabdion oder
Basileion, die Propheten Basis oder Sapsis Mercurii, Andere Diadem des
Osiris oder Sonnenkrone, Einige auch den heiligen Stengel, Pythagoras
Atnthenoros, die Aegypter Asontiri, Asphe, Aselloëre, auch Asariphe,
die Römer Albucium, auch Ampullacia] ist ein zu Einfriedigungen dien-
ender Strauch, ähnlich dem Wegdorn, weisslich, ohne Dornen. Die Blätter
sind denen des Oelbaumes ähnlich, jedoch breiter und weicher. Er wächst
an Meeresgestaden und in Hecken. Seine Blätter dienen zu Gemüse, indem
sie zur Speise gekocht werden. Von der Wurzel 1 Drachme mit Honigwasser
getrunken lindert Krämpfe, innere Zerreissungen und Leibschneiden und
befördert die Michabsonderung.

121. Paliuros.

Zizyphus vulgaris (Rhamnaceae) - Judendorn

Der Paliuros ist ein bekannter Strauch, dornig, fest, dessen Same fettig und
leinsamenähnlich sich darstellt. Getrunken hilft er gegen Husten, zertrümmert
die Blasensteine und ist wirksam gegen Schlangenbisse. Die Blätter und die
Wurzel sind zusammenziehend, die Abkochung davon als Trank stellt den
Bauchfluss, treibt den Urin und erweist sich heilsam gegen todbringende Gifte
und den Biss giftiger Thiere. Die fein gestossene Wurzel zertheilt Bauch
alle frischen Geschwulste und Oedeme.

122. Oxyankantha.

Crataegus pyracantha (Rosaceae) - Feuerdorn

Der Feuerdorn - Einige nennen ihn Pyrina, Andere Pyrakantha - ist ein
Baum ähnlich der wilden Birne, aber kleiner und sehr dornig. Er trägt eine
Frucht, welche der der Myrte ähnelt, voll, roth, leicht zerbrechlich ist,
innen mit einem harten Kern, und hat eine vielgetheilte, tiefgehende
Wurzel. Seine Frucht, getrunken oder gegessen, stellt den Durchfall und
den Fluss der Frauen. Die fein gestossene Wurzel als Umschlag zieht
Splitter und Dornen aus. Man sagt auch, die Wurzel könne Frühgeburt
bewirken, wenn der Bauch dreimal damit geschlagen oder eingerieben werde.

123. Kynosbatos.

Rosa canina, sempervirens (Rosaceae) - Immergrüne Rose

Die Hundsrose - Einige nennen die auch Oxyakantha - ist ein Strauch,
viel grösser als die Brombeere, baumartig. Sie hat viel breitere Blätter
als die erste, um die Zweige herum kräftige Dornen, eine weisse Blüthe,
eine dem Olivenkern ähnliche Frucht, welche bei der Reife roth, deren
Inneres wollig ist. Die trockene Frucht, ohne das wollige Innere, denn
dieses ist der Luftröhre schädlich, in Wein gekocht und getrunken, stellt
den Bauchfluss.

124. Lawsonia.

Lawsonia alba (Lythraceae) - Hennastrauch, weisse Lawsonie

Der Kypros ist ein Baum, welcher um die Zweige Blätter hat wie der Oel-
baum, aber breiter, weicher und grüner, weisse, traubenförmige, wohlriechende
Blüthen, einen schwarzen Samen, ähnlich dem des Hollunders, der beste
wächst in Askalon und Kanope. Die Blätter haben zusammenziehende Kraft,
daher heilen sie gekaut Mundausschlag (Soor), als Umschlag helfen sie so-
wohl bei sonstigen feurigen Geschwülsten als auch bei Karbunkeln. Die Ab-
kochung derselben ist eine Bähung bei Verbrennungen mit Feuer. Die fein
gestossenen Blätter mit Seifenkrautsaft gekocht und eingerieben färben die
Haare gelb. Die Blüthe, mit Essig fein gerieben und auf die Stirn gelegt,
lindert Kopfschmerzen. Die aus derselben bereitete Kyprossalbe ist er-
wärmend und die Sehnen erweichend, wohlriechend, ein Zusatz zu er-
hitzenden Mischungen.

125. Phillyrea.

Phillyrea latifolia (Oleaceae) - Breitblättrige Steinlinde

Die Phillyrea ist ein Baum, an Grösse dem Kypros gleich, die Blätter
sind denen des Oelbaumes ähnlich, aber breiter und schwarzer. Sie hat
eine Frucht ungefähr wie die Mastixpistacie, schwarz, etwas süss, etwa
traubenartig gebildet. Sie wächst in rauhen Gegenden. Ihre Blätter ad-
stringiren wie die des wilden Oelbaumes, sie wirken da, wo ein Adstrin-
gens nothwendig ist, am meisten bei Geschwüren im Munde gekaut oder
in der Abkochung als Mundwasser; getrunken befördern sie auch den
Harn und die Periode.

126. Kistos.

Cistus villosus (Cistaceae) - Rauhes Ciströschen
Cistus salvifolius (Cistaceae) - Salbeiblättriges Ciströschen

Der Kistos, welchen Einige Kistharon oder Kissaron nennen, ist ein in
steinigen Gegenden wachsender zweig- und blattreicher Strauch, nicht
hoch, mit rundlichen, herben, rauhen Blättern. Die männliche Blüthe ist
wie die der Granate, bei der weiblichen ist sie weiss. Sie hat zusammen-
ziehende Kraft; daher sind die zerriebenen Blüthen, zweimal des Tages
in herbem Wein getrunken, ein gutes Mittel gegen Dysenterie. Für sich
als Umschlag halten sie fressende Geschwüre auf. Mit Wachssalbe heilen
sie Brand- und veraltete Wunden.

127. Hypokistis.

Cytinus Hypocistis (Cytineae) - Gemeiner Hypocist

Auf den Wurzeln des Ciströschens wächst die sogen. Hypokistis, von
Einigen auch Trybethron [Thyrsion], [von den Afrikanern Phyllesade
oder Kytinos genannt, in etwa ähnlich dem fleischigen Kelche der Gra-
nate. Es ist ein blattloses Kraut, theils gelb [theils grün], theils weiss,
welches zum Saftbereiten benutzt wird wie die Akazie. Einige trocknen
und zerstossen es, maceriren und kochen es dann und verfahren weiter
damit wie beim Lykion. Es hat dieselbe Kraft wie die Akazie, ist adstrin-
girender aber und trocknender, wirksam gegen Magenleiden, Dysenterie,
Blutspeien und Fluss der Frauen, als Trank und als Injection.

128. Ladanum.

Cistus creticus (Cistinae) - Klebriges Ciströschen

Es gibt aber nochi eine andere Art Kistos, von Einigen Ledon genannt, ein
Strauch, welcher unter denselben Verhältnissen wächst wie der Kistos; er
hat aber grössere und dunklere Blätter, welche im Frühjahr eine gewisse
Fettigkeit absonderen. Die Kraft der Blätter desselben erweist sich als ad-
stringirend, heilsam gegen das, wogegen auch der Kistos wirkt. Von ihm
wird das sogen. Ladanum gewonnen. Die Ziegen und Böcke nehmen be-
kanntlich beim Abweiden der Blätter die Fettigkeit, welche wegen der Kle-
brigkeit an den Bärten und Schenkeln sich anheftet, auf; diese nimmt man
ab, reinigt sie, knotet sie in Stängelchen und bewahrt sie auf. Einige ziehen
auch Schnüre über die Zweige hin, schaben das daran klebende Fett ab und
kneten es. Am besten davon ist das wohlriechende, grünliche, leicht er-
weichende, fette, sand- und schmutzfreie, harzige. Ein solches ist das auf
Kypern gewonnene, das arabische und libysche ist minderwerthiger. Es hat
adstringirende, erwärmende, erweichende, eröffnende Kraft. Mit Wein,
Myrrhe und Myrtenöl gemischt verhindert es das Ausfallen der Haare, mit
Wein eingestrichen macht es die Wundnarben schön, mit Honigmeth oder
Rosenöl eingeträufelt heilt es Ohrenschmerzen, als Räucherung dient es
zum Herauswerfen der Nachgeburt, den Zäpfchen zugemischt heilt es
Verhärtungen in der Gebärmutter; es wird auch mit Erfolg den schmerz-
stillenden Arzneien und Hustenmitteln zugesetzt. Mit altem Wein ge-
trunken stellt es den Durchfall. Es ist aber auch harntreibend.

129. Ebenholz.

Diospyros Ebenum (Ebenaceae) - Ebenholz

Als das beste Ebenholz gilt das äthiopische, schwarze, adernfreie, weiches
an Glätte dem polirten Horn gleich und auf dem Bruche fest ist, einen
beissenden und etwas zusammenziehenden Geschmack hat und auf Kohlen
geworfen mit Wohlgeruch und ohne Rauch verbrennt. Wird es im frischen
Zustande dein Feuer genähert, so entzündet es sich wegen des Fettgehaltes.
Auf einem Schleifsteine gerieben wird es etwas gelblich. Es gibt auch eine
indische Sorte, welche weisse und gelbe Adern und gleichmässig dicht ge-
häufte Flecken bat; indess besser ist das erstere. Einige verkaufen das Maul-
beer- oder Akantholz, welches ähnlich ist, statt des Ebenholzes. Es wird aber
daran erkannt, dass es porös ist und in kleine Splitter von purpurartiger Farbe
zerfällt, welche nichts Beissendes im Geschmack haben noch auch (oder)
beim Räuchern angenehm riechen.
Es hat die Kraft, das zu vertreiben, was die Pupille verdunkelt, auch wirkt
es gegen alte Flüsse und Pusteln. Wenn aber Jemand ein feines Pulver daraus
macht und es zu Kollyrien gebraucht, so wird er besser daran thun. Es wird
ferner auch zu den Augenmitteln verarbeitet, indem die Dreh- oder Raspel-
spähne in Wein von Chios einen Tag und eine Nacht macerirt und dann
sorgfältig zerrieben zu Kollyrien gemacht werden. Einige zerreiben das-
selbe vorher, sieben es ab und behandeln es weiter auf dieselbe Weise.
Andere aber verwenden Wasser statt Wein. Es wird auch in einem
rohen (neuen) Topfe bis zur Verkohlung gebrannt und gewaschen wie
gebranntes Blei. Ein solches ist ein gutes Mittel gegen Augenkrätze und
trockene Augenentzündung.

130. Rosen.

Rosa centifolia (Rosaceae) - Rothe Centifolie
Rosa gallica (Rosaceae) - Zuckerrose

Die Rosen [Rosa der Römer] kühlen und adstringiren, die trockenen sind
mehr adstringirend. Zu Saft muss man sie im weichen (frischen) Zustande
verarbeiten, nachdem man den sogen. Nagel mit einer Scheere abgeschnitten
hat, es ist dies das weisse Stückchen am Blatte, das Uebrige aber auspressen
und (den Saft) im Mörser im Schatten reiben, bis sich eine dichte Masse ge-
bildet hat. So wird es dann bei Seite gesetzt zum Einsalben der Augen. Auch
werden die Blätter im Schatten unter fleissigem Umwenden getrocknet, damit sie
nicht schimmelig werden. Die Colatur der trockenen, in Wein gekochten
Blätter thut gut bei Kopfschmerzen, bei Augen-, Ohren-, Zahnfleisch-,
After- [d.h. Mastdarm] und Mutterschmerzen, wenn sie mit einer Feder
eingepinselt oder wenn damit gegpült wird. Dieselben (die Blätter), ohne
Auspressen zerstossen und umgeschlagen, helfen gegen Unterleibsentzün-
dungen, Magenfäule und roseartige Hautentzündungen; trocken aber
und fein gerieben werden sie auf die innere Seite der Hüften gestreut,
auch werden sie den kräftigend und wundenheilenden Gegenmitteln zu-
gesetzt. Sie werden auch gebrannt zu Mitteln, um die Augen zu ver-
schönern. Die mitten in den Rosen befindliche Blüthe wird bei Fluss
des Zahnfleisches aufgestreut, die Köpfe getrunken halten den Bauch-
fluss und das Blutspeien auf. [Die goldgelben und einblätterigen Rosen
sind zu Allem unbrauchbar. Es gibt auch niedrige, kleinere, einfache,
wilde, weiche zu Vielem besser geeignet sind als die gebauten.]

131. Rosenpastillen.


Die sogen. Rosenpastillen werden auf folgende Weise bereitet: Frische,
trockene, welk gewordene Rosen 40 Drachmen, indische Narde 10 Drach-
men, Myrrhe 6 Drachmen werden fein gestossen und zu Pastillen von
3 Obolen Gewicht geformt, im Schatten getrocknet und in ein irdenes,
ungepichtes, allseits gut verschlossenes Gefäss zur Aufbewahrung gegeben.
Einige setzen auch 2 Drachmen Kostos zu und ebensoviel illyrische Schwert-
lilie, indem sie noch Wein von Chios mit Honig zumischen. Ihr Gebrauch
findet statt bei Frauen, welche sie als Halskette umlegen, um den üblen
Schweissgeruch zu verdecken. Man gebraucht sie auch fein zerrieben zu
Streupulver und zum Einsalben nach dem Bade, wenn sie dann trocken
genworden sind, werden sie kalt abgewaschen.

132. Ueber Lykion.

Rhamnus infectoria (Rhamnaceae) - Färber-Wegdorn

Lykion, welches Einige Pyxakantha nennen, ist ein dorniger Baum mit
3 Ellen langen oder noch grösseren Zweigen, um welche die buxbaum-
ähnlichen Blätter dicht stehen. Er hat eine dem Pfeffer ähnliche schwarze,
bittere, harte und glatte Frucht und eine gelbliche Rinde, ähnlich dem ver-
dünnten Lykion, viele, breite und holzige Wurzeln. Er wächst sehr häufig
in Kappadokien, Lykien und vielen anderen Gegenden; aber er liebt rauhe
Orte. Der Saft wird bereitet, indem die Wurzeln sammt dem Strauche
zerstossen, hinreichend viele Tage hindurch macerirt und gekocht werden,
dann nach Entfernen des Holzes die Flüssigkeit wieder bis zur Honig-
consistenz eingekocht wird. Verfälscht wird er durch Zumischen von
Olivenhefe oder durch Wermuthsaft oder Ochsengalle während des
Kochens. Das, was beim Kochen schaumartig obenauf schwimmt, nimm
weg und bewahre es zu Augenmitteln auf, das Uebrige gebrauche zu
anderen Zwecken. In gleicher Weise wird auch aus der ausgepressten
und der Sonne ausgesetzten Frucht Saft bereitet. Am besten ist das
Lykion, wenn es angezündet wird und nach dein Auslöschen einen rötli-
chen Schaum hat, der von aussen schwarz, auf dem Bruche gelb, ohne
üblen Geruch, bitterlich, zusammenziehend und von safranartiger Farbe
ist; ein solches ist das indische, welcher; sich vor den übrigen auszeichnet
und kräftiger wirkt. Es hat zusammenziehende Kraft und vertreibt die
Verdunkelungen von den Pupillen. Es heilt auch die Krätze der Augen-.
lider, das Jucken und alte Flüsse. Als Salbe wirkt es auch bei eiterigen
Ohren, bei Mandelentzündungen, Rissen im Zahnfleisch, gespaltenen
Lippen, Schrunden am After und beim Wolf. Wohlthuend erweist es
sich für solcher die am Magen und an Dysenterie leiden. Mit Wasser
wird es bei Blutspeien und Husten gegeben, den vom tollen Hunde
Gebissenen in der Pille oder mit Wasser als Trank. Es färbt die Haare
gelb, heilt Nebennägel, fressende und eiternde Geschwüre; im Zäpfchen
stellt es den Fluss der Frauen. Endlich auch hilft es mit Milch getrunken
oder als Bissen genommen den von wüthenden Thieren (Hunden) ge-
bissenen. Man sagt aber, dass das indische Lykion aus einem Strauche
stamme, welcher Lonchitis genannt werde. Es ist eine Art Dorngewächs mit
aufrechten 3 Ellen langen und grösseren Zweigen, welche zahlreich aus
der Wurzel kommen und dicker sind als der Brombeerstrauch. Die auf-
geritzte Rinde ist röthlich. Die Blätter sind denen des Oelbaumes ähn-
lich. Sein Kraut in Essig gekocht und getrunken soll Milzentzündung
und Gelbsucht heilen und die Reinigung der Frauen herbeiführen. Man
sagt, dass es ungekocht aber fein gestossen als Trank dasselbe leistet.
2 Mystra des Samens getrunken treiben das Wässerige aus und helfen
gegen tödtliche Gifte.

133. Akazie.

Acacia vera (Acaciaceae) - Wahre Akazie
Acacia farnesina (Acaciaceae) - Farnesische Akazie

Die Akazie (Mimose) wächst in Aegypten. Es ist ein baumartiges, strau-
chiges Dorngewäche von nicht geradem Wuchs, hat eine weisse Blüthe
und eine Frucht, wie die Lupine, in Hülsen eingeschlossen; aus dieser wird
auch der Saft gepresst, welcher, im Schatten getrocknet, aus der reifen
Frucht schwarz, aus der unreifen aber gelblich ist. Wähle aber den etwas
gelblichen, der den Wohlgeruch hat, wie er in der Akazie ist. Einige ver-
wenden zur Saftbereitung auch die Blätter mit der Frucht. Auch Gummi
wird von dem Dornstrauche hervorgebracht. Er hat eine adstringirende,
kühlende Kraft. Der Saft ist angezeigt bei Augenkrankheiten, roseartigen
Entzündungen, kriechenden Geschwüren, Frostschäden, Flügelfell und bei
Geschwüren im Munde. Er hält den Vorfall der Augen zurück, stellt den
Fluss der Frauen, verhindert den Gebärmuttervorfall und hält den Bauch-
fluss auf, wenn er im Trank oder im Klystier angewandt wird. Auch färbt
er die Haare schwarz. Für die Augenmittel wird er zerrieben mit Wasser
gewaschen, wobei das Gerinnsel weggegossen wird, bis das Wasser rein
darüber steht, und so wird er zu Pastillen geformt. Er wird auch im
reinen rohen Topfe [aus Töpfererde] im Ofen gebrannt; auch wird er
auf Kohle geröstet mit Hülfe des Blasebalgs. Die Abkochung der Akazie
als Bähung bringt die gelösten Glieder in Ordnung. Dasjenige Gummi
des Dornstrauches hat den Vorzug, welches wurmartig, glasig, durch-
scheinend und holzfrei ist; dann kommt das weisse. Das harzige und
schmutzige ist unbrauchbar. Es hat stopfende, die scharfen Arzneien
mildernde Kraft, wann es diesen zugemischt wird. Bei Verbrennungen
mit Feuer lässt es keine Blasenbildung aufkommen, wenn es zugleich mit
Ei als Salbe angewandt wird.
Eine andere Akazie aber wächst in Kappadokion und Pontits, der Ägyptischen
ähnlich, allerdings um Vieles kleiner, niedrig und zarter, ganz voll von spitzen
Dornen, mit Blättern ähnlich der Raute. Im Spätherbst trägt sie Samen, kleiner
als die Linse, in zusammengepressten dreibis vierfächerigen Hülsen. Sie selbst
aber auch ganz zu Saft verarbeitet adstringiert, jedoch aber steht sie an Kraft
niedriger, ist auch zu Augenmitteln untauglich.

134. Keuschlammstrauch.

Vitex agnus castus (Labiatae) - Keuschlammstrauch

Keuschlammoder Lygos [bei Einigen der Unfruchtbare, Unschuldig-
befleckte, Dreifingerige, bei den Propheten der Verehrungswürdige,
das Blut des Ibis, bei den Aegyptern Sum, bei den Römern Strandweide,
wilder Pfeffer, Lecristicum] ist ein baumartiger Strauch, welcher an Flüssen
und in sumpfigen Ebenen, auch in rauhen Gegenden und Felsküsten wächst
und schwer zu zerbrechende lange Zweige, Blätter wie der Oelbaum hat,
nur geschmeidiger und grösser. Eine Art trägt eine weisse, eine andere Art
eine purpurfarbene Blüthe. Der Same ist wie Pfeffer. Er hat erwärmende,
zusammenziehende Kraft. Seine Frucht, getrunken, hilft den von giftigen
Thieren Gebissenen, Milz- und Wassersüchtigen und denen, welchen die
Periode lange ausbleibt. In der Gabe von 1 Drachme mit Wein genommen
befördert sie die Milchabsonderung und erleichtert auch die Geburt. Sie
greift aber den Kopf an, indem sie Schwindel macht. Die Abkochung des
Krautes und Samens hilft in Sitzbildern bei Gebärmutterkrankheiten und
-Entzündungen. Der Same mit Polei getrunken, auch in der Räucherung
und im Zäpfchen, befördert die Reinigung. Im Umschlag vertreibt er die
Kopfschmerzen, und bei Schlafsüchtigen und Wahnsinnigen wird er mit
Essig und Oel aufgesprengt. Die Blätter zur Räucherung angezündet und
auch als Lager benutzt verscheuchen die wilden Thiere und helfen als Um-
schlag gegen den Biss giftiger Thiere. Verhärtungen der Hoden erweichen
sie mit Butter und Weinblättern. Der Same mit Wasser aufgestrichen lindert
Schrunden um After, zugleich mit den Blättern heilt er Verrenkungen und
Wunden. Ein Vorbeugungsmittel gegen den Wolf auf Wanderungen soll
aber auch sein, wenn Jemand einen Zweig davon in der Hand trägt. Er wird
Agnos genannt, weil ihn bei den Thesmophorien die Weiber, welche ihre
Keuschheit bewahrten, als Lager benutzten, Lygos aber wegen der in den
Zweigen befindlichen Straffheit oder weil er getrunken den Drang zum
Beischlaf mässigt.

135. Weide.

Salix alba (Salicaceae) - Weisse Weide

Die Weide ist ein Baum, seine Frucht, Blätter, Rinde und der Saft haben
adstringirende Kraft. Die fein geriebenen Blätter mit etwas Pfeffer und
Wein genommen sind bei Darmverschlingung angebracht, für sich mit
Wasser genommen verhindern sie die Empfängnis. Die Frucht, genossen,
hilft bei Blutspeien, aber auch die Rinde leistet dasselbe. Gebrannt und mit
Essig vermischt vertreibt sie im Umschlag Hautverhärtungen und Schwielen,
der Saft aber von Blättern und Rinde in einem Granatbecher erwärmt heilt
mit Rosenöl zusammen Ohrenleiden. Ihre Abkochung ist das beste Bähmittel
bei Podagra, sie vertreibt aber auch Kleingrind. Es wird auch Saft aus ihr
gewonnen, indem die Rinde zur Blüthezeit angeschnitten wird, denn im Innern
findet er sich zusammengelaufen. Er hat die Kraft das zu vertreiben, was die
Pupille verdunkelt.

136. Wilder Oelbaum.


Der wilde Oelbaum, welchen Einige Kotinos, Andere den äthiopischen
Oelbaum nennen, hat adstringirende Blätter; fein gestossen als Umschlag
wirken sie bei roseartigen Hautentzündungen, kriechenden Geschwüren,
Epinyktis, Karbunkeln, um sich fressenden Geschwüren und Nebennägeln,
mit Honig umgeschlagen reissen sie den Schorf ringsum auf. Sie reinigen
mit Honig als Umschlag aber auch schmutzige Wunden, zertheilen ent-
zündete Schamdrüsen und Geschwülste und verbinden die getrennte
Kopfhaut. Als Kaumittel heilen sie dann auch Geschwüre im Munde und
Soor. Ihr Saft und Decoct thun dasselbe. Der Saft, im Zäpfchen angewandt,
hält den Blutfluss und (weissen) Fluss der Frauen zurück, ebenso die Bildung
von Geschwülsten und Blattern in den Augen. Auch selbst Wunden und
alte Flüsse bringt er wieder in Ordnung. Darum eignet er sich auch in der
Mischung mit Kollyrien gegen angefressene Augenlider. Zur Saftbereitung
muss man die Blätter stossen, Wein oder Wasser dazu giessen und aus-
pressen, ihn in der Sonne eintrocknen und formen; besser ist aber der
mit Wein ausgepresste, er eignet sich zur Aufbewahrung eher als der
mit Wasser bereitete. Er wirkt auch bei eiterigen und schwärenden
Ohren. Die Blätter mit ungeröstetem Gerstenmehl zusammen sind als
Umschlag nützlich bei Magenleiden. Auch werden die Blätter sammt
den Blüthen - sie werden statt des Spodium, genommen - in einem
rohen Topfe gebrannt, dessen Oeffnung mit Lehm verstopft ist bis zum
Glühen des Tiegels; dann werden sie mit Wein abgelöscht, wiederum mit
Wein vermischt und ebenso gebrannt, darauf worden sie wie Bleiweiss
gewaschen und geformt. Eine derartige Brennung scheint aber nicht
hinter der des Spodiums zurückzustehen zur Bereitung von Augenmitteln
Deshalb ist auch eine gleiche Wirkung anzunehmen.

137. Oelbaum.

Olea europaea (Oleaceae) - Oelbaum

Dasselbe leisten nun auch die Blätter des cultivierten Oelbaums, an Kraft
bleiben die aber zurück (hinter dem wilden). Deshalb eignen sie sich auch
mehr zu Augenmitteln, weil die dazu passender sind. Die Flüssigkeit, welche
aus dem angezündeten grünen Holz sich ausscheidet, heilt, damit eingeieben,
Grind, Krätze und Flechten, auch die Frucht desselben hilft als Umschlag
gegen Grind und fressende Geschwüre. Das Innere des Kerns mit Fett und
Mehl entfernt krätzige Nägel.

138. In Salzlake eingemachte Oliven.


Eingemachte fein gestossene Oliven lassen als Umschlag bei Verbrennungen
mit Feuer keine Blasenbildung aufkommen und reinigen schmutzige Wunden.
Ihr Saft aus der Salzbrühe als Mundwasser zieht das Zahnfleisch zusammen
und befestigt lose Zähne. Die gelbliche und frische Olive ist schwer verdaulich,
(aber) magenstärkend, die dunkle aber und reife ist leicht verderblich und dem
Magen schädlich, ferner ist sie für die Augen untauglich und verursacht Kopf-
schmerzen; geröstet aber und umgeschlagen hemmt sie fressende Geschwüre
und eröffnet Karbunkeln.

139. Oel des wilden Oelbaumes.


Das Oel aus der wilden Olive ist eine Mundspülung bei fauligem Zahn-
fleisch und ein Befestigungsmittel für etwas lose Zähne. Die Bähung
damit, wenn es erwärmt und geklärt ist, erweist sich heilsam für Zahn-
fleisch, welches vom Flusse heimgesucht ist. Man muas aber Wolle um
eine Sonde legen, gie in das Oel tauchen und an das Zahnfleisch legen,
bis es weiss erscheint.

140. Oelsatz.


Oelsatz ist der Bodensatz des ausgepressten Olivenöls, dieser, in einem
kupfernen Kessel bis zur Honigconsistenz,eingekocht, adstringirt, ist wirk-
sam gegen das, wogeden Lykion wirkt, aber die Maassen aber auch gegen
Zahnschmerzen und Wunden, wenn er mit Essig, Wein oder Honigwein
als Salbe verwandt wird. Er wird auch den heilkräftigen Augenmitteln und
den hautbildenden Mitteln zugemischt. Mit dem Alter wird er gar besser.
Sehr dienlich ist er als Klystier bei Geschwüren im After, in der Scheide
und Gebärmutter. Mit dem Saft unreifer Trauben bis zur Honigconsistenz
gekocht und umgeschlagen zieht er verdorbene Zähne heraus. Mit einer
Abkochung von Lupinen und Mastixdistel eingeschmiert heilt er die Krätze
der Hausthiere. Ungekocht und frisch in warmer Bähung hilft er denen,
die an Podagra und Gicht leiden. Auf Schaffell gestrichen und Wasser-
süchtigen umgelegt vertreibt er die Geschwulst.

141.Thräne des äthiopischen Oelbaumes.

Elaeagnus spinosa

Der Tropfsaft des äthiopischen Ölbaumes gleicht in gewisser Weise dem
Skammonium, ist gelblich, besteht aus kleinen Tropfstücken und ist beissend;
der dem Gummi und Ammoniacum aber ähnliche, schwärzliche und nicht
beissende ist untauglich. Einen solchen bringt aber auch bei uns der echte
und der wilde Oelbaum hervor. Er wirkt gegen Stumpfsichtigkeit, heilt ein-
gestrichen vernarbende Wunden und Leukome, treibt auch den Harn und die
Periode und hilft bei Zahnschmerzen in den angefressenen Zahn gesteckt.
Er wird auch unter die Verderben bringenden Mittel gerechnet, denn er treibt
den Embryo aus, heilt ferner Flechten und Auissatz. Der äthiopische Oelbaum
wird auch wilder Oelbaum genannt.

142. Eiche.

Quercus robur (Fagaceae) - Eiche

Die ganze Eiche hat adstringirende und austrocknende Kraft; am meisten
adstringirt aber von ihr die hautartige Substanz zwischen Rinde und Stamm,
ebenso das, was um die Eichel herum unter der Schale ist. Die Abkochung
davon wird denen gegeben, die am Magen, an Dysenterie und an Blutspeien
leiden; auch wird jenes fein gestossen im Zäpfchen den an Flues leidenden
Frauen eingelegt. [Die Blätter aber verkleben frisch geschlagene Wunden.]

143. Eicheln.


Auch die Eicheln leisten dasselbe. Genossen sind sie harntreibend, ver-
ursachen Kopfschmerzen und Blähungen. Sie wirken gegessen gegen giftige
Thiere; auch ihre Abkochung und die der Rinde mit Kuhmilch getrunken hilft
gegen Gift. Roh aber fein gestossen lindern sie als Umschlag Entzündungen,
mit gesalzenem Schweinefett sind sie als Umschlag ein gutes Mittel gegen bös-
artige Verhärtungen und schlimme Geschwüre. Die der llexeiche sind kräftiger
an Wirkung als die der Stieleiche.

144. Speiseeiche und Ilexeiche.

Quercus esculus (Fagaceae) - Speiseeiche
Quercus ilex (Fagaceae) - Steineiche

Sowohl die Speiseeiche als die llexeiche sind Eichenarten, an Wirkung ähnlich.
Die Wurzelrinde der llexeiche, mit Wasser bis zum Weichwerden gekocht und
eine ganze Nacht aufgelegt, schwärzt die Haare, wenn diese vorher mit kimolischer
Erde abgerieben sind. Die Blätter von allen zerschnitten und fein gestossen sind
bei Geschwüren angebracht; sie stärken auch schwache Theile.

145. Kastanien.

Fagus Castanea (Fagaceae) - Aechter Kastanienbaum oder Maronenbaum

Die sardinischen Eicheln, welche Einige Lopima oder Kastanien, Atota oder
Zeus-Eicheln nennen, sind, da sie auch selbst adstringiren, in gleicher Weise
wirksam, besonders die zwischen Fleisch und Rinde befindlichen Schalen.
Das Fleisch aber ist denen nützlich, welche Ephemeros getrunken haben.

146. Galläpfel.

Pathologisches Pflanzenproduct, hervorgerufen durch den Stich der
Gallwespe (Cynips infector. oder tinctor.) - Galläpfel

Der Gallapfel ist die Frucht der Eiche; eine Sorte wird Omphakitis genannt,
sie ist klein, höckerig, derb, ohne Löcher, die andere ist glatt, leicht und
löcherig. Man muss die Omphakitis wählen, welche wirksamer ist. Beide
aber adstringiren stark und wirken, fein genossen, gegen Fleischwucherungen,
Fluss des Zahnfleisches und Zäpfchens und Ausschlag im Munde. Das
in der Mitte desselben Befindliche in hohle Zähne gesteckt, beschwichtigt
die Schmerzen. Sie sind blutstillend, wenn sie bis zum Glühen auf Kohlen
gebrannt und mit Wein oder Essig oder mit Salzessig abgelöscht werden.
Ihre Abkochung dient zum Sitzbade gegen Gebärmuttervorfall und Rheu-
matismus. In Essig oder Wasser macerirt färben sie die Haare schwarz.
In Wasser oder Wein fein gerieben helfen sie an Verdauung und Ruhr
Leidenden als Umschlag oder als Trank, auch der Zukost zugemischt,
oder wenn sie vorher in ganzem Zustande in dem Wasser gekocht werden,
in dem etwas gekocht werden soll, was jenen wohlthut. Und überhaupt,
wenn es sich um ein adstringirendes, stopfendes oder austrocknendes Mittel
handelt, muss man sie anwenden.

147. Gerbersumach.

Rhus coriaria (Anacardiaceae) - Gerbersumach, Essigbaum

Der zu den Speisen gebrauchte Sumach, welchen Einige auch den rothen
nennen, ist die Frucht des sogen. Gerbersumachs, der seinen Namen davon
hat, dass ihn die Gerber zum Dichtmachen der Häute gebrauchen. Es ist ein
kleiner, an 2 Ellen hoher, auf Felsen wachsender Baum; seine Blätter sind
länglich, rötlilich, am Rande sägeförmig eingeschnitten. Die Frucht ist kleinen
Weinbeeren ähnlich, dicht, von der Grösse der der Terebinthe, etwas breit,
deren rindenartige Schale nützlich ist. Die Blätter haben zusammenziehende
Kraft, sie wirken in allen Fällen wie die Akazie. Die Abkochung färbt die
Haare schwarz. Sie dient als Klystier und als Trank bei Dysenterie, auch als
Sitzbad und zur Ausspülung eiterflüssiger Ohren. Die Blätter, mit Essig und
Honig umgeschlagen, halten das Ueberwachsen der Nägel und Gangrän auf.
Auch der Saft der trockenen mit Wasser gekochten Blätter, wie das Lykion
bis zur Honigconsistenz eingekocht, wirkt in allen Fällen wie Lykion; aber
auch die Frucht leistet dasselbe, indem sie als ein gutes Mittel in Speisen
für solche gegeben wird, die an Magen und Dysenterie leiden. Mit Wasser
umgeschlagen bewahrt sie Quetschungen, Abschürfungen und blutrünstige
Stellen vor Entzündung. Rauheit der Zunge glättet sie mit Honig, stellt auch
den weissen Fluss. Hämorrhoiden heilt sie mit fein gestossener Kohle als
Zäpfchen. Der Aufguss davon gelatinirt beim Einkochen, er ist wohl von
besserer Wirkung als die Frucht. Er (der Baum) bringt auch ein Gummi hervor,
welches zum Schmerzstillen in holhle Zähne gesteckt wird.

148. Dattelpalme.

Phoenix dactylifera (Phoenicaceae) - Dattelpalme

Die Dattelpalme wächst in Aegypten. Die Frucht wird gesammelt um die
Mitte des Herbstes, wenn die Reifezeit den höchsten Punkt erreicht hat, sie
ist ähnlich der arabischen Myrobalane, wird aber Poma genannt. Sie ist
von grüner Farbe, im Geschmack, ähnlich der Quitte. Wenn man sie
aber ausreifen lässt, wird es die Dattel. Sie ist herb, adstringirend und
dient mit herbem Wein getrunken gegen Durchfall und Fluss der Frauen.
Sie beruhigt auch die Hämorrhoiden und verklebt als Umschlag Wunden.
Die (frischen) Datteln sind mehr zusammenziehend als die trockenen,
sie verursachen aber Kopfschmerzen und machen, im Uebermass ge-
nossen, trunken. Die trockenen aber helfen denen, die an Blutspeien,
am Magen, an Dysenterie und an der Blase leiden, wenn sie fein ge-
stossen mit Quitten und Weinblüthen-Wachssalbe aufgelegt werden. Am
besten heilen die Karyotiden, genossen gegen die Rauheit der Luftröhre.

149. Thebanische Datteln.

Corypha thebaica - thebaische Dattelpalme

Die Abkochung der thebanischen Datteln lindert die Fieberhitze und stellt
mit altem Honigmeth genommen die Kräfte wieder her; auch sie selbst
leisten gegessen dasselbe. Es wird aber auch Wein aus ihnen gemacht,
von derselben Kraft wie die Frucht. Auch die Abkochung derselben für
sich allein als Trank oder Gurgelmittel adstringirt und stopft kräftig.
Die Dattelkerne werden in einem neuen Topfe wie alles Andere gebrannt,
dann wäscht man sie, in Wein abgelöscht, ab und gebraucht sie als Er-
satz für Spodium zur Verschönerung der Augenlider; wenn sie aber nicht
hinreichend gebrannt sind, geschieht dasselbe nochmals. Sie haben zu-
sanimenziehende, harnbildende Kraft, die sich bei Bläschen auf den Augen,
bei Staphylom und gegen Ausfallen der Augenwimpern zusammen mit
Narde wirksam erweist. Mit Wein hemmen sie Fleischwucherungen und
bringen Geschwüre zum Vernarben. Am besten eignen sich dazu die
aus Aegypten und die von den niedrigen Palmen.

150. Blüthenscheide der Palme.


Die Palme, welche Einige Elate oder Spatha nennen, ist die Hülle der Frucht
der noch blühenden Palme. Die Salbenbereiter gebrauchen sie zum Verdichten
der Salben; als die beste gilt die, welche wohlriechend, adstringirend, schwer,
geschlossen ist und innen Fett hat.
Sie hat adstringirende, die fressenden Geschwüre aufhaltende Kraft und
verhindert eine Erschlaffung der Glieder, wenn sie im fein gestossenen
Zustande Salben und Umschlägen zugemischt wird. Sie hilft auch bei
Hypochondrie, schwachem Magen und Leberkrankheiten, wenn sie den
geeigneten Umschlägen zugesetzt wird. Ihre Abkochung, dauernd ein-
gerieben, färbt die Haare schwarz; getrunken ist sie bei Nieren- und
Unterleibskrankheiten gut, hemmt auch Bauch- und Gebärmutterfluss.
Mit Harz und Wachs weich aufgelegt und zwanzig Tage liegen gelassen,
heilt sie die Krätze. Die von ihr eingeschlossene Frucht wird auch Elate,
von Einigen Borassos genannt. Diese ist auch zusammenziehend und
leistet dasselbe wie die Spatha, bis auf die Verwendung zu den Salbe.
Auch das weisse Mark des Stammes, sowohl frisch genossen wie auch
gekocht, wirkt in derselben Weise wie der Borassos.

151. Granatapfel.

Punica granatum (Punicaceae) - Granatapfel

Jede Art Granatapfel ist wohlschmeckend, dem Magen bekömmlich, nicht
nahrhaft. Von ihnen ist indess der süsse dem Magen zuträglicher, indem er
eine gewisse Wäme erzeugt und Blähungen verursacht, weshalb er für
Fiebernde unbrauchbar ist. Der saure dagegen hilft dem erhitzten Magen,
ist auch zusammenziehender und mehr urintreibend, aber unangenehm für
den Gaumen und astringirend, der weinartige hat mittlere Kraft. Der Kern
des sauren, in der Sonne getrocknet, auf die Gemüse gestreut und damit
gekocht hilft gegen Magen- und Bauchfluss. In Regenwasser macerirt
ist er, innerlich genommen, gegen Blutspeien nützlich und eignet sich zu
Sitzbädern für die an Dysenterie und Gicht Leidenden. Das aus dem
Kern Geprosste mit Honig gemischt findet gute Anwendung gegen Ge-
schwüre irn Munde, an der Scham und am After, sowie gegen Ueber-
wachsen der Fingernägel, gegen fressende Geschwüre und Wucherungen,
gegen Ohren- und Nasenleiden, besonders das aus dem sauren (Kern Ge-
presste).

152. Granatblüthe.


Die Blüthen desselben (des Granatbaumes), welche auch Kytinoi genannt
werden, sind gleichfalls adstringirend, austrocknend und stopfend, sie ver-
kleben auch blutige Wunden und wirken in allen Fällen wie der Granatbaum.
Die Abkochung davon ist ein Mundwasser bei schwammig gewordenem
Zahnfleisch und gelockerten Zähnen, verklebt auch als Kataplasma Darm-
brüche. Einige berichten, dass man nach dem Genuss von drei selbst
sehr kleinen Kytinoi das ganze Jahr hindurch nicht an den Augen leide.
Der Saft wird daraus gemacht wie aus Hypokistis.

153. Granatrinde.


Auch die Rinde der Granate, welche Einige Sidion nennen, hat adstringirende
Kraft und wirkt gleichfalls gegen alles das, wogegen die Granatäpfel angewandt
werden. Die Abkochung der Wurzeln treibt, getrunken, den Bandwurm aus und
tödtet ihn.

154. Balaustion.

Blüthe des wilden Granatbaumes

Balaustion ist die Blüthe des wilden Granatbaumes. Es gibt deren mehrere
Arten, denn man findet das weisse, das feuerrothe und das rosafarbige. Es
gleicht dem Kytinos des (zahmen) Granatbaumes und wird zur Saftgewinnung
benutzt wie die Hypokistis. Es hat adstringirende Kraft und wirkt gegen
Alles, wogegen die Hypokistis und der Kytinos dienen.

155. Myrte.

Myrtus communis (Myrtaceae) - Myrte

Die gebaute Myrte, die schwarze, ist zum arzneilichen Gebrauche ge-
eigneter als die weisse und bei der wieder die bergige, doch hat sie eine
weniger kräftige Frucht. Ihre und der Frucht Kraft ist adstringirend. Frisch
und trocken wird die Frucht als Speise denen gereicht, welche an Blutspeien
und Blasenreiz leiden. Dasselbe wirkt aber der ans den frischen Myrtenbeeren
gepresste Saft, welcher dem Magen wohlthuend und harntreibend ist. Mit
Wein nützt er auch denen, die von der giftigen Spinne gebissen und vom
Skorpion gestochen sind. Die Abkochung der Früchte färbt das Haar.
Mit Wein gekocht und als Umschlag angewandt heilt sie Geschwüre an
den Extremitäten. Mit fein gesiebtem Graupenmehl als Umschlag lindert
siedie Augenentzündungen und wird auch gegen Gaisauge aufgelegt.
Auch der daraus (aus der Myrte) bereitete Wein, wobei die Frucht aus-
gepresst und (die Flüssigkeit) etwas eingekocht wird - denn der nicht
auf diese Weise bereitete wird sauer - wirkt, vorher getrunken, gegen
den Rausch, er wirkt gegen dasselbe wie die Frucht. Er eignet sich zu
Sitzbädern bei Mutter- und Mastdarmvorfall, auch bei Gicht, er vertreibt
Grind, Schorf und Ausschlag und hemmt das Ausfallen der Haare. Er wird
auch Fetten zugemischt, geradeso wie auch das aus ihren (der Myrte)
Blättern hergestellte Oel. Auch die Abkochung der Blätter ist gut zu
Sitzbädern, sie wird auch bei erschlafften und zerbrochenen noch nicht
verknorpelten Gliedern als Bähung benutzt. Weiter entfernt sie weisse
Hautflecken, wird bei eiterflüssigen Ohren eingegossen und dient zum
Schwarzfärben der Haare. Der aus ihnen bereitete Saft thut aber das-
selbe. Die fein gestossenen Blätter selbst mit Wasser sind als Umschlag
ein gutes Mittel für nasse Geschwüre und alle von Flüssen befallenen
Theile, auch für Magenkranke; mit unreifem Olivenöl oder etwas Rosenöl
und Wein gemischt (helfen sie) gar bei Bläschen- und roseartigen Ge-
schwüren, ferner bei Entzündung der Hoden, Epinyktis und Condylomen.
Trocken aber fein gestossen werden sie bei Nebennägeln und über-
gewachsenen Nägeln, bei sehr feuchten Achseln und Schenkeln mit Er-
folg aufgestreut, halten auch den Schweiss Herzleidender zurück. Ferner
heilen sie gebrannt oder ungebrannt mit Wachssalbe Verbrennungen durch
Feuer, Ptorygium und Paronychie. Der Saft wird aus den Blättern ge-
wonnen, indem alter Wein oder Regenwasser darüber gegossen und dann
ausgepresst wird. Von ihm wird aber Gebrauch gemacht, wenn er frisch
ist, denn der eingetrocknete schimmelt und wird kraftlos.

156. Myrtidanon.


Das sogen. Myrtidanon ist ein ungleichartiger, wolliger und einfarbiger
Auswuchs am Stamme der Myrte, wie wenn Hände ihn umfassen. Es ad-
stringirt stärker als die Myrte; gestossen und mit herbem Wein gemischt
wird es zu Zeltchen geformt, im Schatten getrocknet und aufbewahrt. Es
ist wirksamer als die Frucht und das Blatt, wenn es zu Wachssalbe und
Zäpfchen, Sitzbädern und Kataplasmen zugemischt wird, welche adstrin-
giren sollen.

157. Kirschen.

Prunus avium (Rosaceae) - Vogelkirsche
Prunus cerasus (Rosaceae) - Sauerkirsche

Die Kirschen, selbst auch frisch genommen, machen offenen Leib, trocken
aber stellen sie den Stuhlgang. Das Kirschengummi mit einem gemischten
Trank genommen heilt chronischen Husten, macht eine gesunde Farbe, scharfes
Gesicht und Appetit. Mit Wein getrunken ist es denen gut, die an Blasensteinen
leiden.

158. Johannisbrodfrucht.

Ceratonia siliqua (Papilionacea) - Johannisbrodbaum

Die frischen Johannisbrodschoten genossen bekommen dem Magen schlecht
und öffnen den Leib; getrocknet hemmen sie den Stuhlgang, sind dem Magen
zuträglicher und urintreibend, vorzüglich wann sie ohne die harten Theile
gegessen werden.

159. Apfelbaum.

Pirus Malus (Rosaceae) - Apfelbaum

Die Blätter, Blüthen und Zweige von jeglichem Apfelbaum, am meisten
von der Quitte, adstringiren. Auch die unreife Frucht erweist sich zusammen-
ziehend, die ausgereifte aber nicht in gleichem Grade. Die im Frühjahr an-
reifenden Aepfel sind Galle erzeugend, dem ganzen Nervensystem schädlich,
sie verursachen Blähungen.

160. Quittenäpfel.

Pirus cydonia (Rosaceae) - Quittenbaum

Die Quittenäpfel sind dem Magen wohlbekömmlich, harntreibend, ge-
braten werden sie milder, denen dienlich, die an Magen, Dysenterie,
Blutspeien und Cholera leiden, vorzüglich aber roh. Auch der Aufguss
davon ist denen als Trank zu empfehlen, die Magen- und Bauchfluss
haben. Der Saft der rohen eingenommen hilft denen, die an Orthopnöe
leiden, die Abkochung als Injeetion bei Mastdarm- und Gebärmuttervor-
fall. Die mit Honig eingemachten sind gleichfalls harntreibend. Der
Honig aber nimmt dieselbe Wirkung in sich auf, denn er wird stopfend
uiid adstritigirend. Die mit dem Honig gekochten sind gut für den
Magen und wohlschmeckend, aber weniger stopfend. Die rohen werden
zu Kataplasmen gemischt zum Stopfen des Durchfalls, gegen krampfhafte
Bewegung und Hitze des Magens, bei schwärenden Brüsten, bei Leber-
verhärtung und Condylomen. Es wird auch aus ihnen, nachdem sie zer-
stossen und ausgepresst sind, Wein gemacht, wobei der Haltbarkeit wegen
zu 16 Xestes Saft 1 Xestes Honig gegeben wird, weil er sonst sauer
wird. Er ist ein gutes Mittel in allen bereits angeführten Fällen. Auch
ein Salböl, das sogen. Melinon wird aus ihnen bereitet, man gebraucht
dasselbe, falls man etwa eines adstringirenden Oeles bedarf. Man muss
aber die richtigen aussuchen, diese sind klein, rund und ganz wohl-
riechend; dagegen sind die sogen. Sperlingsquitten und die grossen weniger
tauglich. Die Blüthen, sowohl trocken als frisch, eignen sich zu Kata-
plasmen, da sie von Nutzen sind zum Adstringiren und bei Augenent-
zündungen. Gegen Blutsturz, Bauchfluss und übermässige Menstruation
sind sie mit Wein getrunken ein gutes Mittel.

161. Honigäpfel.

Sommer- oder Kornäpfel

Die Honigäpfel erweichen den Bauch und treiben die (Thiere) Würmer aus.
Sie sind dem Magen schädlich und verursachen Hitze. Von Einigen werden
sie Süssäpfel genannt.

162. Epirotische Aepfel.


Die sogen. epirotischen Aepfel, in römischer Sprache Orbiculata, sind
dem Magen wohlbekömmlich, hemmen den Durchfall, befördern den Urin,
sind jedoch von schwächerer Kraft als die Quitten.

163. Wilde Aepfel.


Die wilden Aepfel sind den Frühlingsäpfeln ähnlich, adstringirend. Man
muss aber, wo man sie als Adstringens gebraucht, allemal die unreiferen
wählen.

164. Pfirsiche.

Prunus persica (Rosaceae) - Pfirsichbaum

Die Pfirsiche sind im reifen Zustande gut für den Magen und Bauch, die
unreifen aber verstopfen den Leib, durch das Trocknen werden sie aber
noch stopfender. Die Abkochung derselben, wenn sie getrocknet sind,
eingenommen hilft dem vom Flusse befallenen Magen und Bauch.

165. Armenische Aepfel.

Prunus aemeniaca (Rosaceae) - Aprikose

Die kleineren, welche armenische, bei den Römern Praecocia genannt
werden, sind dem Magen bekömmlicher als die vorher genannten.

166. Medische Aepfel.

Arbutus andrachne - Andrachle oder Citrus spec.

Die medischen oder persischen Aepfel oder die Kedromelen, die Citria der
Römer, sind allbekannt. Es ist nämlich ein Baum, welcher das ganze Jahr
kurz nach einander Früchte trägt. Die Frucht selbst ist länglich, runzelig,
goldfarben, scharf wohlriechend und hat einen der Birne ähnlichen Samen.
In Wein getrunken hat sie die Kraft, tödtlichen Giften entgegenzuwirken
und den Stuhlgang anzuregen. Die Abkochung dient als Mundwasser
zum Wohlgeruch des Mundes. Ihr Saft wird von den Frauen gegen Ekel
gern genommen. Sie soll auch, in die Schränke gelegt, Kleider vor
(Motten-)Frass bewahren.

167. Birne.

Prunus communis (Rosaceae) - Birne

Es gibt viele Arten Birnen, sämtliche sind sie adstringirend, daher eignen
sie sich zu vertheilenden Umschlägen. Die Abkochung derselben im ge-
trockneten Zustande, sie selbst auch roh genossen, stellen den Durchfall;
den Nüchternen aber schadet der Genuss.

168. Wilder Birnbaum.


Eine Art des wilden Birnbaumes ist die Achras, welche langsam reif wird.
Sie hat mehr adstringirende Kraft als die zahme Birne, daher ist sie für die-
selben Zwecke geeignet. Aber auch ihre Blätter adstringiren. Die Asche
des Holzes aber hilft kräftig bei Vergiftungen durch Pilze. Einige be-
haupten auch, dass, wenn man die wilden Birnen mit Pilzen zusammen
koche, diese unschädlich würden.

169. Mispel.

Crataegus tanacetifolia (Rosaceae) - Schwarzer Hagedorn

Der Mispelbaum, von Einigen Aronia genannt wird, ist dornig, den Blättern
nach ähnlich der Oxyakantha und trägt eine einem kleinen Apfel ähnliche
süsse Frucht, welche im Innern drei Knöchelchen hat. Einige nennen sie davon
auchTrikokkos, sie wird langsam reif. Genossen adstringiert sie, ist aber dem
Magen wohlbekömmlich und hemmt den Durchfall.

170. Die andere Mispel.

Mespilus germanica (Rosaceae) - Gemeine Mispel

Es gibt noch eine zweite, in Italien wachsende Mispelart, welche Einige
Epimelis, Andere Setanion nennen. Es ist ein dem Apfelbaum ähnlicher,
Baum, auch betreffs der Blätter, nur dass der kleiner ist. Er bringt auch
eine Frucht, und zwar ist diese rund, essbar, hat eine platten Boden,
adstringiert etwas und reift langsam.

171. Lotos.

Celtis australis (Ulmaceae) - Zürgelbaum

Der Lotosbaum ist ein ziemlich grosses Gewächs. Eine Frucht trägt er,
die grösser als der Pfeffer, süss, dem Magen wohlbekömmlich ist und den
Durchfall stellt. Die Abkochung der Spähne des Holzes hilft als Trank oder
als Klystier Dysenteriekranken und an Fluss leidenden Frauen. Sie färbt
auch die Haare gelb und hemmt deren Ausfall.

172. Kornelkirsche.

Cornus mascula (Cornaceae) - Kornelkirsche, Gemeiner Hartriegel

Die Kornelkirsche ist ein fester Baum und trägt eine Frucht wie der Oelbaum,
länglich, zuerst grün, dann wachsfarbig und schliesslich bei der Reife roth,
essbar, adstringirend, sie wirkt wohlthätig bei Bauchfluss und Dysenterie.
Sie wird auch zum Kochen und zum Essen mitverwandt; auch wird sie ein-
gemacht wie die Olive. Die aus dem brennenden grünen Holze austretende
Flüssigkeit eignet sich sehr zum Einreiben gegen Flechten.

173. Speierlingsfrucht.

Sorbus domestica (Rosaceae) - Speierling

Die apfelartigen, noch nicht reifen Früchte werden, wenn sie zerschnitten
und an der Sonne getrocknet werden, so, dass sie gegessen den Durchfall
hemmen. Das aus ihnen durch Mahlen gewonnene Mehl, wenn es statt
Gerstenmehl genommen wird, sowie die Abkochung derselben leisten
dasselbe.

174. Pflaumenbaum.

Prunus insititia (Rosaceae) - Kriechen- oder Haferpflaume
Prunus domestica (Rosaceae) - Zwetsche
Prunus spinosa (Rosaceae) - Schlehe

Der Pflaumenbaum ist ein bekannter Baum, dessen Frucht essbar, dem
Magenschlecht bekömmlich ist und den Bauch erweicht, die getrock-
nete Frucht der syrischen und besonders der in Damaskus wachsenden
ist dem Magen sehr zuträglich und stellt den Durchfall. Die in Wein be-
reitete Abkochung der Blätter beseitigt als Gurgelwasser Affectionen
des Zäpfchens, des Zahnfleisches und der Mandeln. Dasselbe bewirkt
aber auch die reife getrocknete Frucht der wilden Pflaume; denn mit ein-
gekochtem Most gesotten wird sie dem Magen wohlthuender und den
Durchfall mehr hemmend. Das Gummi des Pflaumenbaumes hat die
Eigenschaft, zu verkleben und, mit Wein genommen, den Stein zu zer-
trümmern. Mit Essig aber eingerieben heilt es die Flechte bei den Kindern.

175. Erdbeerbaum.

Arbutus unedo (Ericaceae) - Erdbeerbaum

Der Erdbeerbaum ist ein der Quitte ähnlicher Baum, schmalblätterig, und
hat eine pflaumengrosse kernlose Frucht, welche auch Mimaikyla genannt
wird; völlig reif ist sie hellgelblich oder roth, beim Essen spreuig, dem
Magen schädlich und verursacht Kopfschmerzen.

176. Mandelbaum.

Amygdalus communis (Rosaceae) - Mandelbaum

Die gekochte und fein gestossene Wurzel des bitteren Mandelbaumes
vertreibt die Sommerflecken im Gesicht, die Mandeln aber auch selbst als
Umschlag bewirken dasselbe. Im Zäpfchen treiben sie die Menstruation,
mit Essig oder Rosensalbe um die Stirn oder die Schläfen gelegt helfen sie
bei Kopfschmerzen, und mit Wein gegen Epinyktis, mit Honig gegen faulende
und kriechende Geschwüre und gegen Hundsbiss. Genossen sind sie
schmerzstillend, erweichen den Leib, machen Schlaf, treiben den Harn
und helfen mit Stärkemehl genommen gegen Blutsturz, bei Nieren- und
Lungenentzündung aber im Trank mit Wasser oder als Leckmittel mit
Terpentinharz. Den an Harnverhaltung und Stein Leidenden bringen sie
Linderung mit Most, bei Leberaffectionen, Husten und Aufblähen des
Kolons (helfen sie) in der Grösse einer Haselnuss als Leckmittel mit Honig
und Milch. Fünf oder sechs vorher genommen verhindern die Trunken-
heit. Mit irgend etwas verfütterrt tödten sie Füchse. Das Gummi des-
selben (des Baumes) adstringirt, erwärmt und hilft gegen Blutsturz, mit
Essig eingerieben vertreibt es die Hautflechte. Mit unvermischtem Wein
getrunken heilt es chronischen Husten, mit Most genommen hilft es Stein-
leidenden. Die süsse und essbare Mandel ist aber, was die Wirkung be-
trifft. viel schwacher als die bittere, aber auch sie wirkt verdünnend und
harntreibend. Die grünen Mandeln mit der Schale genossen beseitigen
Magenfäule.

177. Pistacien.

Pistacia vera (Anacardiaceae) - Wahre Pistacie

Die Pistacien, sie sind nämlich ein Product Syriens, sind ähnlich den
Piniennüssen, dem Magen wohlbekömmlich. Gegessen und fein ge-
stossen in Wein getrunken helfen sie gegen Schlangenbiss.

178. Wallnüsse.

Juglans regia (Juglandaceae) - Welsche Nuss oder Wallnuss

Die Wallnüsse, welche Einige auch persische Nüsse nennen, sind ge-
nossen schwer zu verdauen, dem Magen schädlich, sie machen Galle,
Kopfschmerzen und sind denen, die an Husten leiden, schädlich. Sie
sind als Speise dazu dienlich, um bei dem Nüchternen Brechen zu erregen
und sind Gegenmittel fur tödtliche Gifte, wenn sie vorher oder nachher
mit Feigen und Raute genommen werden. Reichlich genossen treiben
sie den Bandwurm aus. Mit etwas Honig und Raute werden sie als Um-
schlag auf entzündete (schwärende) Brüste, auf Ablagerungen (Abseesse)
und Verrenkungen gelegt. Mit Zwiebeln, Salz und Honig wirken sie beim
Biss des Hundes und Menschen. Mit dem Schneckenhause gebrannt und auf
den Nabel gelegt, lindern sie Leibschneiden, die gebrannte, in Wein und
Oel zerriebene Schale bewirkt als Pomade bei Kindern schönes Haar und
stärkt das nach der Fuchskrankheit ausfallende. Auch die Menstruation
stellt der Kern, wenn er gebrannt, fein gerieben und mit Wein als Zäpf-
chen applicirt wird. Die Kerne alter Nüsse heilen Gangrän, Karbunkeln,
Gaisaugen und Fuchskrankheit, wenn sie zerquetscht und als Kataplasma
angewandt werden, in kurzer Zeit. Aus den gestossenen und gepressten
Nüssen wird auch ein Oel gewonnen. Die frischen sind aber dem Magen
weniger schädlich, da sie süsser sind; deshalb werden sie dem Knoblauch
zugesetzt, um ihm die Schärfe zu nehmen. Als Umschlag beseitigen sie
auch blutunterlaufene Stellen.

179. Haselnüsse.

Corylus avellana (Fagaceae) - Haselnuss

Die Haselnüsse, welche Einige auch die dünnschaligen Nüsse nennen,
sind dem Magen schädlich; sie heilen aber, fein gestossen und mit Honig-
meth getrunken, veralteten Husten. Geröstet und mit etwas Pfeffer gegessen
lindern sie den Katarrh. Ganz aber gebrannt und mit Schmalz oder Bärenfett
verrieben stärken sie als Pomade das durch die Fuchskrankheit ausfallende
Haar. Einige sagen, dass die gebrannten, mit Oel fein geriebenen Schalen
die Pupillen der blauäugigen Kinder schwarz färben, wenn der Vorderkopf
damit eingerieben wird.

180. Maulbeerbaum.

Morus nigra und alba (Moraceae) - Maulbeerbaum

Der Maulbeerbaum oder die Sykaminea ist ein bekannter Baum, dessen
Frucht den Bauch öffnet, leicht verdirbt und dem Magen schädlich ist; auch
der Saft daraus leistet dasselbe, in einem Kupfergefässe aber eingekocht oder an
der Sonne eingetrocknet wird er adstringirender. Mit etwas Honig ge-
mischt wirkt er gegen Flüsse, kriechende Geschwüre und Mandelentzün-
dungen. Seine Wirkung wird erhöht durch Zumischung von spaltbarem
Alaun, Gallapfel, Myrrhe, Safran, auch von Tamariskenfrucht, Schwert-
lilie und Weihrauch. Die unreifen trockenen zerstossenen Maulbeeren
werden statt des Sumachs den Speisen zugemischt und helfen Magen-
kranken. Die Wurzelrinde mit Wasser gekocht und getrunken, löst den
Bauch, treibt den Bandwurm aus und hilft denen, die Sturmhut genossen
haben. Die fein gestossenen Blätter mit Oel umgeschlagen heilen Ver-
brennungen mit Feuer. In Regenwasser mit den Blättern des Wein-
stockes und der schwarzen Feige gekocht färben sie die Haare. Der
Saft der Blätter, in der Gabe eines Bechers getrunken, hilft denen, die
von der Spinne gebissen sind. Die Abkochung der Rinde und Blätter
ist als Mundwasser bei Zahnschmerzen nützlich. Es wird aber der Saft
aus der Wurzel gezogen um die Zeit der Weizenernte, indem sie mit
einem Graben umgeben und angeschnitten wird; am folgenden Tage findet
sich eine steife Masse vor, welche gegen Zahnschmerzen wirksam ist, Ge-
schwüre öffnet und den Bauch reinigt.
[Es scheint aber auch eine Art wilde Maulbeere zu geben, welche
dem niedrigen Brombeerstrauche (d. h. in der Frucht) ähnlich ist, aber mehr
adstringirt. Der Saft von diesen wird weniger von den Würmern ange-
fressen, er dient zur Bähung bei Entzündungen, zur Vernarbung bei
Schlund (-Wunden) und zum Ausfüllen der Wunden mit Fleisch. Sie
wächst an sehr schattigen und kühlen Orten.]

181. Sykomore.

Ficus sysomorus (Moraceae) Maulbeer-Feige

Sykomore, Einige nennen diese auch Sykaminon, es heisst aber auch die
Frucht Sykomore wegen des minder guten Geschmackes. Es ist aber ein
grosser Baum, der Feige ähnlich, sehr saftreich, mit Blättern ähnlich denen
des Maulbeerbaumes. Sie trägt drei- bis viermal im Jahre Früchte, nicht an
den Zweigspitzen wie die Feige, sondern am Stamme, wie der wilde Feigen-
baum, süsser als Feigen aber ohne Körner, die jedoch nicht reifen ohne
mit dem Nagel oder einem Eisen geschabt zu sein. Am meisten wächst
sie in Karien und auf Rhodus und in nicht getreidereichen Gegenden.
Zu Zeiten des Getreidenmangels nämlich hilft sie durch das ununter-
brochene Fruchttragen aus. Die Frucht ist für den Bauch gut, ohne
Nährwerth, für den Magen schädlich. Zur Saftgewinnung wird der
Baum im ersten Frühjahr, bevor er Früchte trägt, benutzt, indem die
Oberfläche der Rinde mit einem Steine angeritzt wird, bei tieferer Ver-
letzung gibt er nichts her. Der Tropfen wird dann mit einem Schwamm
oder mit Wolle abgenommen, getrocknet, geformt und in einem irdenen
Kruge aufbewahrt. Der Saft hat die Kraft, zu erweichen, Wunden zu
verkleben und schwere Speisen verdaulich zu machen. Er wird auch-
getrunken und eingestrichen gegen Schlangenbisse, Leberverhärtungen,
Magenleiden und Fieberschauer. Der Saft wird aber rasch von den
Würmern zerfressen.

182. Feige auf Kypern.

Ficus sysomorus (Moraceae)

Es wächst aber auch auf Kypern eine Art von verschiedenem Aussehen, denn
denen der Ulme, nicht der Sykomore gleichen die Blätter. Sie hat eine
Frucht von der Grösse der Pflaume, grösser, in allem Uebrigen ist sie den
vorgenannten gleich.

183. Feigen.

Ficus carica (Moraceae) - Feige

Die reifen Feigen, wenn sie weich sind, bekommen dem Magen schlecht
und lösen den Bauch. Leicht aber wird der von ihnen erzeugte Fluss geheilt;
sie rufen Ausschlag und Schweiss hervor, stillen aber den Durst und dienen
zum Dämpfen der Hitze. Trocken aber sind sie nahrhaft, erwärmend, mehr
Durst machend, wohlthuend für den Bauch, untauglich für den Magen- und
Bauchfluss. Heilsam sind sie für den Schlund, die Luftröhre, die Blase und
Nieren, wie auch für die, welche nach langer Krankheit eine schlechte Farbe
haben, ferner für die Asthmatiker, Epileptiker und Wassersüchtigen. Mit
Hysop gekocht und getrunken reinigen sie die Brust, sind auch ein gutes
Mittel bei altem Husten und chronischem Lungenleiden. Den Bauch er-
weichen sie mit Natron und Safran zusammen gestossen und genossen.
Die Abkochung derselben ist bei Luftröhren- und Mandelentzündung als
Gurgelmittel angebracht, sie werden auch zu Umschlägen aus ungerösteter
Gerste und zu Bähungen für Frauen mit Bockshorn und Gerstenschleim ge-
mischt. Mit Raute gekocht dienen sie zum Klystier bei Leibschneiden.
Gekocht und fein zerrieben zertheilen sie als Kataplasma Verhärtungen
und Drüsen, erweichen Furunkeln und bringen Scham- und Achseldrüsen-
geschwüre zur Reife, besser noch mit Schwertlilie, Natron oder unge-
löschtem Kalk. Auch roh zerstossen leisten sie zusammen mit den ge-
nannten (Mitteln) dasselbe. Mit Granatrinde vertreiben sie übergewachsene
Nägel. Mit Eisenvitriol heilen sie schwer heilbare und bösartige Schien-
beinflüsse. In Wein gekocht und mit Wermuth und Gerstenschrot gemischt
sind sie als Umschlag Wassersüchtigen heilsam. Gebrannt und mit Wachs-
salbe gemischt heilen sie Frostbeulen. Roh fein gestossen und mit bissigem
Senf aufgenommen helfen sie, in die Ohren gesteckt, bei Sausen und
Jucken (in den Ohren). Der Saft des wilden und zahmen Feigenbaumes
bringt Milch zum Gerinnen wie Lab, löst aber das Gerinnsel wieder wie
der Essig. Er erzeugt auf dem Körper Geschwüre und eröffnet, löst
den Bauch und vermindert die Spannung der Gebärmutter, wenn er mit
fein gestossenen Mandeln genommen wird. Mit Eidotter oder tyrrhoni-
schem Wachs im Zäpfchen applicirt befördert er die Menstruation. Mit
Bocksbornmehl und Essig dient er zu Kataplasmen bei Podagra, mit
Gerstenmehl beseitigt er Aussatz, Flechten, Sonnenbrandflecken, Krätze,
weisse Hautflecken und Schorf. Er heilt auf die Wunde getröpfelt Skor-
pionstiche und Bisse von giftigen Thieren und Hunden. Auch bei Zahn-
schmerzen hilft er auf Wolle geträufelt und in den hohlen Zahn gesteckt.
Endlich vertreibt er Warzen, wenn er mit Talg um das Fleisch rings
herum gestrichen wird.

184. Wilder Feigenbaum.


Dasselbe leistet aber auch der Saft aus den Zweigen des wilden Feigen-
baumes zur Zeit, wenn sie saftig sind, vor dem Herausbrechen der Augen.
Sie werden gestossen und ausgeprosst, und der im Schatten getrocknete
Saft wird aufbewahrt. Dieser wie auch der natürliche Saft wird zu den
Kräften gerechnet, welche schwärende Wunden verursachen. Die zarten
Zweige mit Rindfleisch gekocht machen dieses leicht verdaulich. Auch
macht man die Milch besser lösend, wenn sie während des Kochens damit
als Spatel gerührt wird.

185. Winterfeigen.


Die Winterfeigen, von Einigen auch Erineoi genannt, erweichen gekocht
als Umschlag alle Geschwülste und Drüsen. Roh mit Natron und Mehl
umgeschlagen entfernen sie kriechende Warzen und Feigwarzen. Die
Blätter leisten dasselbe. Mit Essig und Salz als Umschlag heilen sie Schorf,
Grind und Epinyktis. Auch werden mit ihnen rauhe und harte Stellen der
Augenlider eingerieben. Der weisse Aussatz ferner wird mit den Blättern oder
zarten Zweigen der schwarzen Feige als Umschlag behandelt. Mit Honig
wirken sie gegen Hundsbiss und bösartigen Wabengrind. Die Winter-
feigen mit den Blättern des wilden Mohns ziehen auch Knochen heraus;
mit Wachs öffnen sie Furunkeln, mit Linsenwicken und Wein umge-
schlagen helfen sie gegen den Biss der Spitzmaus und des Skolopender.

186. Aschenlauge des Feigenbaumes.


Es wird aber auch aus der Asche der verbrannten Zweige des
wilden und zahmen Feigenbaumes Lauge gemacht; man muss sie aber
stark wässern und lange stehen lassen. Sie eignet sich zu kaustischen
Mitteln und für gangränöse Geschwüre; denn sie nimmt das Unnütze weg
und verzehrt es. Es wird aber von ihr Gebrauch gemacht, indem man
einen Schwamm damit befeuchtet und unausgesetzt auflegt, dann auch
indem man sie injicirt, z. B. bei Dysenterie und veralteten Flüssen und
bei fistelartigen tief liegenden grossen Geschwüren; denn sie reinigt, ver-
klebt, bildet Fleisch und verschliesst (zieht zusammen) ähnlich wie die
blutstillenden Mittel. Getrunken wird sie gegen Gerinnsel des Blutes
(Blutthromben), bei Sturzverletzungen, Zerreissungen und Krämpfen,
frisch mit einem Becher Wasser verdünnt unter Zusatz von etwas Oel.
Für sich allein hilft sie Magen- und Dysenteriekranken in der Gabe eines
Bechers gereicht, bei Nervenleiden und Krämpfen eignet sie sich als Ein-
reibung mit Oel, da sie Schweiss hervorruft. Sie wird ferner getrunken
gegen den Genuss von Gips und den Biss der Spinne. Dasselbe leisten
aber auch die übrigen Laugen, besonders die von Eichenholz, denn sie
sind alle adstringirend.

187. Persea.

Cordia myxa (Asperifoliaceae) - Schwarzer Brustbeerbaum

Die Persea ist ein Baum in Aegypten, welcher eine essbare, dem Magen
zuträgliche Frucht trägt. Man findet auf ihm die giftigen Spinnen, welche
Kranokolapta genannt werden, besonders in Theben. Die Blätter, fein zer-
stossen und trocken aufgestreut, haben die Kraft, Blut zu stillen. Einige
berichten, dieser Baum sei in Persien verderbendbringend gewesen, nach
Aegypten überführt, habe er sich geändert und sei essbar (d.h. die Frucht)
geworden.